"Abwehrchef" Alaba, Kimmich als Sechser FC Bayern: Flick erklärt seine Kaderpläne für die Rückrunde

Übernahm das Traineramt beim FC Bayern von Niko Kovac: Hansi Flick. Foto: Matthias Balk/dpa

Mindestens bis zum Saisonende wird Hansi Flick Trainer des FC Bayern sein. Für seinen Kader hat er konkrete Pläne. Wer in der Rückrunde gesetzt zu sein scheint und wer wohl um einen Platz kämpfen muss.

 

München - Anfang November hat Hansi Flick das Amt des Cheftrainers beim FC Bayern übernommen. Seitdem hat sich viel getan: Die Münchner kratzen wieder an der Tabellenführung, die Ergebnisse stimmen (größtenteils) wieder und auch der neue offensivere Spielstil sorgt für Entzückung bei den Bossen und Fans.

Ein Grund für den förmlich verwandelten FC Bayern sind auch Änderungen, die Flick im Kader vorgenommen hat. Ein Beispiel: Thomas Müller, der unter Kovac nur noch der "Not-am-Mann"-Spieler war, und unter Flick wieder zum unumstrittenen Stammspieler und Leistungsträger geworden ist.

Müller unter Flick wieder Stammkraft

Viel Zeit, sich auf seine Aufgabe vorzubereiten, hatte Flick anfangs nicht. Das soll sich jetzt vor allem mit dem Trainingslager in Doha/Katar (4. - 10. Januar) ändern. Das Ziel: Die Eroberung der Tabellenspitze und der achte Meistertitel in Folge, daneben so lange wie möglich im DFB-Pokal und der Champions League mitspielen. Auf welche Spieler Flick dabei baut, hat er nun teilweise in einem Interview mit dem "kicker" (Montagsausgabe) durchklingen lassen.

So ist davon auszugehen, dass Müller auch weiterhin der Fixpunkt im Bayern-Mittelfeld sein wird. Unter Flick spielt der 30-Jährige meistens nicht auf dem Flügel, sondern im Mittelfeld. Dort, in der Zentrale, wo Flick im Normalfall auf ein Trio setzt, nimmt er häufig die offensivste Rolle ein. Unter Flick durfte Müller in jedem Spiel ran, wenn auch nicht immer über die vollen 90 Minuten. "Thomas Müller war in diesen zehn Spielen immer präsent, er hat die Mannschaft zudem geführt und sich defensiv gut engagiert. Er schaut immer auf Verbesserungen" so Flick im "kicker".

Flick will Kimmich auf der Sechs spielen lassen

Allgemein wird die Konkurrenz in besagtem Mittelfeld-Dreieck wohl am größten werden – hier haben die Bayern die meisten Spieler. Den defensiven Part wird - bis auf einige Ausnahmen - auch weiterhin Joshua Kimmich übernehmen. Trotz großer Verletzungssorgen in der Defensive setzt Flick auf der Sechs weiterhin auf den Wortführer und Kapitän der Zukunft. "Diese Position spielt er schon und auch in Zukunft in der Nationalmannschaft. Für das zentrale defensive Mittelfeld hat er noch mehr Potenzial, da ist er noch fokussierter, er kann das Spiel gut lesen und hat mit dem Ball und gegen den Ball gute Optionen", sagt Flick über ihn.

Dass Flick mit Kimmich aber eigentlich nicht auf der Rechtsverteidiger-Position plant, sondern im Mittelfeld, ist zuletzt schon durchgesickert, als Gerüchte um die Verpflichtungen von Benjamin Henrichs (AS Monaco) und Joao Cancelo (Manchester City) laut wurden. Der Plan: Ein neuer Spieler für die rechte Abwehrseite, wodurch Benjamin Pavard in die Innenverteidigung rücken und Kimmich dauerhaft im Mittelfeld eingesetzt werden könnte.

Flick scheint einem Winter-Transfer gegenüber nicht abgeneigt zu sein, jedoch hat er eine Voraussetzung: "Benjamin Pavard hat ein sehr großes Herz, er macht es auf jeder Position sehr gut. Vor allem kann er auch innen verteidigen. Deshalb wäre eine zusätzliche Option rechts außen in der Abwehr sehr hilfreich. Generell gilt: Wintertransfers bringen einer Mannschaft immer nur dann etwas, wenn sie sofort weiterhelfen – und das ist schwierig. Dazu bin ich im Austausch mit unseren Verantwortlichen Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic." Flick betont auch, dass die Führung im Winter nur aktiv werde, wenn sie vom Spieler auch wirklich absolut überzeugt sei.

Um den übrigen Platz im Mittelfeld dürften sich Corentin Tolisso, Leon Goretzka, Thiago und vielleicht sogar auch Philippe Coutinho streiten. Hier ist Flick variabel, ließ in Freiburg beispielsweise auch mal Edeltechniker Thiago im defensiven Mittelfeld und Kimmich in der Rechtsverteidigung ran. Tolisso und Goretzka beschreibt Flick als "andere Typen" – die beiden haben mehr Zug zum Tor, stabilisieren gleichzeitig aber auch die Defensive.

Flick: "Alaba ist zurzeit der Abwehrchef"

Aufgrund der langen Ausfälle von Niklas Süle und Lucas Hernández mussten die Bayern in der Innenverteidigung umdisponieren. David Alaba wurde wie schon unter Pep Guardiola erneut zum Innenverteidiger umfunktioniert. Kanada-Youngster Alphonso Davies, eigentlich als Flügelangreifer geholt, nahm dessen Stelle auf der linken Abwehrseite ein – und beide überzeugten auf ihren ungewohnten Positionen. Flick baut auf Alaba, solange Abwehrboss Süle fehlt, wird der Österreicher dessen Rolle einnehmen. "Wie er sich entwickelt, ist er zurzeit der Abwehrchef", sagt Flick über den 27-Jährigen. "Ich bin mit ihm total zufrieden, weil er es im Zweikampf gut macht und in Ballbesitz gute Lösungen für die Spieleröffnung hat. Deswegen ist er zurzeit auf dieser Position sehr wichtig."

Bei Hernández möchte Flick nichts überstürzen und da auch Javi Martínez für einige Wochen ausfällt und Pavard als Rechtsverteidiger spielt, bleibt nur noch ein Mann für die Stelle neben Alaba: Jérôme Boateng. Doch um den Weltmeister von 2014 ranken sich, wie so oft, Abgangs-Gerüchte. Ein Transfer im Winter ist aufgrund der dünnen Personaldecke jedoch unwahrscheinlich, vielmehr scheint alles auf einen Wechsel im Sommer hinauszulaufen. "Die Entscheidung über seine Zukunft muss Jérôme treffen, weil es seine Karriere ist", sagt Flick über den 31-Jährigen.

Zirkzee ist noch kein Back-Up für Lewandowski

Bleibt noch der Angriff, wo es auch in der Rückrunde wenige Überraschungen geben wird: Auf den Flügeln wirbeln Serge Gnabry und sofern er wieder fit ist auch Kingsley Coman. Daneben können die Offensiv-Allrounder Coutinho und Müller ebenfalls auf der Außenbahn eingesetzt werden. Im Sturmzentrum unumstritten ist natürlich Robert Lewandowski, der im Kalenderjahr 2019 etliche Fabelrekorde aufstellte. Einen konkreten Ersatz gibt es nicht für den Polen – laut Flick auch nicht Joshua Zirkzee, der die Bayern zuletzt zwei Mal mit seinen Toren gerettet hat. "Nein, da lassen wir schön die Kirche im Dorf. Dazu müssen wir noch viel arbeiten", so der Trainer über den Nachwuchs-Star.

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