Bei Löw raus, bei Flick top: Boatengs Wende zur Legende beim FC Bayern

Jérôme Boateng ist beim FC Bayern aktuell nicht wegzudenken. "Wenn du zwei Mal das Triple holst, bist du eine Legende", sagt Michael Rummenigge. Bringt Boateng auch Löw noch zum Umdenken?
| Julian Buhl
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
3  Kommentare Artikel empfehlen
Hat eine beachtliche Titelsammlung mit dem FC Bayern vorzuweisen: Jérôme Boateng.
Hat eine beachtliche Titelsammlung mit dem FC Bayern vorzuweisen: Jérôme Boateng. © imago/Sven Simon

München - Dass Jérôme Boateng ein würdiger Vertreter für Niklas Süle ist, das stellt der 32-Jährige derzeit einmal mehr unter Beweis. Während Süle nach einem positiven Coronatest nicht eingesetzt werden konnte, bildete er auch beim 3:2 des FC Bayern gegen Dortmund gemeinsam mit David Alaba mal wieder das Duo in der Innenverteidigung. So hatten die Münchner schon die vergangene Rückrunde bestritten, die sie mit dem Champions-League- und Triple-Sieg historisch gut abschlossen.

Boateng spielt längst wieder konstant in der Topform, die ihn 2014 mit der Nationalelf zum Weltmeister machte. Da Süle zumindest noch das Länderspiel (Mittwoch, 20.45 Uhr) gegen Tschechien verpasst, benötigt auch Bundestrainer Joachim Löw Ersatz für den Abwehrchef. Boateng ist für ihn aber weiter kein Thema. "Wir haben uns grundsätzlich dazu entschieden, diese Spieler nicht zu nominieren, daran hat sich jetzt nichts geändert", sagte Löw dem "Kicker" zu dem aussortierten Trio um Boateng, Thomas Müller und Mats Hummels.

Kein Boateng-Comeback: Löw beruft erstmals Uduokhai

Statt Boateng berief Löw erstmals Felix Uduokhai vom FC Augsburg. Boateng konzentriert sich also zwangsläufig weiter auf die kommenden Aufgaben beim FC Bayern. In den Planungen von Bayern-Coach Hansi Flick, Löws langjährigem Assistenten bei der Nationalelf, nimmt er eine zentrale Rolle ein. Auch in der in dieser Spielzeit bislang anfälligen Abwehr ist Boateng schließlich eine der Konstanten.

Lesen Sie auch

Mit elf Gegentoren nach sieben Spieltagen hat Bayern so viele Treffer zugelassen wie zuletzt unter Jürgen Klinsmann (13, 2008/09). Daran gilt es zu arbeiten. Bei Red Bull Salzburg drohte auch deshalb zuletzt Bayerns Siegesserie in der Königsklasse im 14. Spiel zu reißen. Mit seinem Tor zum späten 3:2 (79.) ebnete aber ausgerechnet Boateng noch den Weg zum 6:2-Erfolg. "Wir sind alle froh, dass er die letzten Monate an sich gearbeitet und aufgeholt hat", sagte Flick über den Matchwinner und erklärte dessen wiedergewonnene Stärke folgendermaßen: "Es hat was zu tun mit dem Training und seiner professionellen Einstellung."

Michael Rummenigge: Jérôme ist wieder unumstrittener Stammspieler"

Und natürlich auch mit dem Chefcoach. Die beiden kennen und schätzen sich schon lange, wurden 2014 gemeinsam Weltmeister. Nachdem Flick vor knapp einem Jahr den Cheftrainerposten von Niko Kovac übernahm, holte er Boateng vom Abstellgleis zurück in die Mannschaft, verhalf ihm wieder zu alter Form und Selbstvertrauen. "Das hat viel mit Hansi Flick zu tun, der Boateng - genau wie Thomas Müller - hat wie Phönix aus der Asche wieder auferstehen lassen", sagt Michael Rummenigge der AZ. "Jérôme ist jetzt wieder unumstrittener Stammspieler. Er macht das super mit David Alaba, einen super Job."

Boateng: Vertragsverlängerung ist ein realistisches Szenario

Aber wie lange noch? Boatengs Vertrag läuft nach dieser Saison aus. "Warum soll er nicht noch ein oder zwei Jahre länger bei Bayern bleiben? Er ist ein super Spieler, das hat er beim Champions-League-Turnier wieder bewiesen", sagt Rummenigge, der Boateng von 2013 bis 2015 betreute. "Wir sind offen für Vertragsgespräche", sagte dessen Berater Damir Smoljan bei "Sport1": "Jérôme fühlt sich unglaublich wohl hier. Die Mannschaft ist unglaublich fokussiert und professionell. All das passt zu Jérôme." Eine Vertragsverlängerung ist ein realistisches Szenario, zumal Alabas drohender Abgang Boatengs Verhandlungsposition mit Blick auf die neue Saison weiter verbessert.

Lesen Sie auch

Danach sah es längst nicht immer aus. Boateng wollte bereits mehrfach den Klub wechseln und Ehrenpräsident Uli Hoeneß empfahl dem "Fremdkörper" erst vor einem Jahr "als Freund, den Verein zu verlassen". Er blieb und erlebte eine Renaissance. Wenn du zwei Mal das Triple holst, bist du eine Legende beim FC Bayern", sagt Rummenigge.

Bundestrainer Löw und die berühmte Hintertür

Wie schon 2013 erweiterte Boateng seine Titelsammlung im Sommer erneut mit dem Dreifachtriumph. Mit acht Meisterschaften (und fünf Pokalsiegen) steht er nun auf einer Stufe mit Oliver Kahn, Bastian Schweinsteiger und Co., nur ein Meistertitel hinter Müller, Alaba und Franck Ribéry. Eine erstaunliche Wende zur Legende. Die wäre Boateng auch beim DFB-Team noch mal zuzutrauen. Eine Hintertür ließ sich Löw zumindest noch offen und kündigte an, sofern vor der EM Schlüsselspieler ausfallen sollten "über alternative Szenarien nachdenken" zu wollen. Boateng wäre in jedem Fall einen Gedanken wert.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 3  Kommentare – mitdiskutieren Artikel empfehlen
3 Kommentare
Artikel kommentieren