Übernahme vor genau einem Jahr: Wie Flick den FC Bayern zum Erfolg führte

Vor genau einem Jahr hat Hansi Flick den FC Bayern als Cheftrainer übernommen. Aus verunsicherten Spielern hat der 55-Jährige gierige Titelsammler und Motivationsmonster geformt. Das belegen auch seine Zahlen eindrucksvoll.
| Michael Schleicher
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Übernahm den FC Bayern vor einem Jahr – und lieferte prompt ab.
Übernahm den FC Bayern vor einem Jahr – und lieferte prompt ab. © dpa

München - Der 3. November 2019 sollte eine neue Ära an der Säbener Straße einleiten. Auch wenn das damals vermutlich noch niemand ahnte. Doch der Reihe nach...

Es ist der 2. November 2019: Der FC Bayern geht bei Eintracht Frankfurt mit 1:5 unter. Bereits einen Tag später trennt sich der deutsche Rekordmeister von Cheftrainer Niko Kovac. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sagte damals, dass aufgrund der Ergebnisse und Leistungen "Handlungsbedarf bestand".

Im Gedächtnis blieb den Bayern-Fans auch noch Wochen und Monate später vor allem Kovacs "Autobahn"-Zitat: "Man muss auch die Spielertypen dafür haben. Man kann nicht versuchen, 200km/h auf der Autobahn zu fahren, wenn sie nur 100 km/h schaffen. Man muss das anpassen, was man hat." Ein unglücklicher Spruch, der sich jedoch lediglich aufs starke Pressing, das der FC Liverpool zu dieser Zeit zelebrierte, bezogen hatte. Den Fans war es egal: Der Ausspruch stand sinnbildlich für das schwierige Verhältnis und das mangelnde Vertrauen zwischen Trainer und Mannschaft. Kovacs "Notnagel"-Spruch über Thomas Müller tat da sein Übriges. 

Kovac (r.) ging, Flick übernahm – und blieb.
Kovac (r.) ging, Flick übernahm – und blieb. © firo/Augenblick

Zurück zum 3. November: Kovac war Geschichte. "Bis auf weiteres wird Co-Trainer Hans Flick die Mannschaft des FC Bayern betreuen und damit auch auf die wichtigen Spiele in der Champions League gegen Olympiakos Piräus am kommenden Mittwoch und gegen Borussia Dortmund am kommenden Samstag vorbereiten", teilte der Verein in der offiziellen Stellungnahme mit.

Flick lieferte von Beginn an ab

Flick übernahm – und lieferte prompt ab! Statt 100 km/h brachte die Mannschaft plötzlich gefühlte Formel-1-Geschwindigkeiten auf die Straße. Flicks Debüt gegen Piräus gewannen die Bayern mit 2:0, drei Tage später setzten sich die Münchner mit 4:0 gegen den Liga-Rivalen aus Dortmund durch. Schnell wurde spekuliert, ob aus der Interimslösung nicht eine dauerhafte werden könne? Und so kam es dann auch: Im April unterschrieb der 55-Jährige seinen neuen Vertrag bis 2023. In dieser Zeit führte Flick seine Mannschaft von Tabellenplatz vier an die Spitze.

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Auch die monatelange Corona-Pause konnte den Erfolg der Münchner nicht stoppen. Nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs machte der Rekordmeister da weiter, wo er vor der Pause aufgehört hatte. Am Ende einer 21 Spiele andauernden Siegesserie (zuletzt gab es am 9. Februar ein 0:0 gegen RB Leipzig) hatten die Bayern das Triple gewonnen. Angesichts der Über-Form verwunderte es deshalb auch wenig, dass die Mannschaft wenig später mit dem Gewinn des UEFA- und DFL-Supercups das "Quintuple" perfekt machte. Hansi und die Bayern – eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht!

Will mit Bayern weiter hoch hinaus: Triple-Coach Hansi Flick.
Will mit Bayern weiter hoch hinaus: Triple-Coach Hansi Flick. © Miguel A. Lopes/Pool EPA/AP/dpa

Müller: Vom "Notnagel" zum Assist-König der Liga

Doch nicht nur die Ergebnisse stimmten unter Flick wieder, auch die Mannschaft veränderte ihr Gesicht dank des neuen Trainers. So avancierte "Notnagel" Müller unter Flick zum Assist-König der Liga. Auch Jérôme Boateng, der unter Kovac kaum noch eine Rolle gespielt hatte und mit einem Abschied aus München in Verbindung gebracht worden war, lieferte wieder Top-Leistungen ab - vor allem auch im Champions-League-Finalturnier in Lissabon. Joshua Kimmich entwickelte sich unter der Leitung von Flick zum Mann für die wichtigen Tore und Mentalitätsmonster. Daneben gelang es dem neuen Coach auch, immer wieder Jugendspieler an die Profis heranzuführen.

Flick formte aus verunsicherten Stars eine titelgierige, eingeschworene Truppe. Das gegenseitige Vertrauen, das bei Kovac später nicht mehr zu spüren war, war bei Flick von Beginn an da. Hansi, der Menschenfänger. Mit seiner ruhigen, sachlichen Art schaffte es der Trainer, die Spieler für sich zu gewinnen.

Flick brachte die Bayern wieder in die Spur.
Flick brachte die Bayern wieder in die Spur. © picture alliance/Patrick Seeger/dpa

Flick: Ein Sieg zum Mini-Jubiläum?

Auch in der neuen Spielzeit läuft es bei den Bayern: Bis auf den 1:4-Ausrutscher gegen Hoffenheim am 2. Spieltag konnten die Münchner jedes Spiel gewinnen. Flicks beeindruckende Bilanz genau ein Jahr nach seiner Amtsübernahme: 43 Siege, ein Unentschieden und nur drei Niederlagen in 47 Spielen – pro Spiel holen Hansis Bayern damit im Schnitt 2,77 Punkte.

Am 3. November 2020, Flicks kleinem Jubiläum, könnte ein weiterer Sieg hinzukommen: Dann müssen die Bayern am Abend in der Champions League gegen Red Bull Salzburg ran.

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