Bayerns neuer Sportvorstand Hasan Salihamidzics Bilanz: Vom Bürschchen zum Boss

Steigt bei Bayern vom Sportdirektor zum Sportvorstand auf: Hasan Salihamidzic. Foto: Matthias Balk /dpa

Hasan Salihamidzic wird zum Sportvorstand beim FC Bayern befördert.  Die AZ macht den Check, was er schon bewegt hat – und was (noch) nicht.

 

München - Seit Montagabend ist das, was die AZ bereits Ende Oktober berichtet hat, auch offiziell: Der FC Bayern teilte mit, dass Hasan Salihamidzic "hervorragende Arbeit geleistet" habe und der Aufsichtsrat plane, "ihn zum 1. Juli 2020 in den Vorstand zu berufen".

Brazzos Weg vom "Bürschchen", was sein Spitzname ja bedeutet, zum Boss ist also geebnet. Der 42-Jährige hatte ja angekündigt, unter keinem anderen Sportvorstand, den es seit Matthias Sammers Abschied 2016 nicht mehr gab, arbeiten zu wollen. Nun rückt er in der Hierarchie deutlich nach oben – auf eine Stufe mit Jan-Christian Dreesen (Finanzen und Controlling), Andreas Jung (Marketing, Sponsoring und Events) und Jörg Wacker (Internationalisierung und Strategie).

Salihamidzic: "Habe wahrscheinlich mehr bewegt als meine Vorgänger" 

Gemeinsam mit Oliver Kahn, der im Januar einsteigt und Nachfolger von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge werden soll, wird er das neue sportliche Führungsduo bilden. "In meiner bisherigen Arbeit habe ich wahrscheinlich mehr bewegt als meine Vorgänger in ihrer gesamten Amtszeit", hat Salihamidzic bereits Ende des vergangenen Jahres gesagt. Die AZ macht den Check.

Transfers: Präsident Uli Hoeneß behauptete bei Sport1, dass die Wechsel von Lucas Hernández, Benjamin Pavard und Alphonso Davies "auf seinem Mist gewachsen" seien. Salihamidzic war an ihnen beteiligt, in letzter Konsequenz aber nur für den von Davies verantwortlich. Den 19 Jahre alten Kanadier lotste er mit seinem Scouting-Team um Marco Neppe nach München. Davies hat sich nun als Linksverteidiger im Profiteam festgespielt.

Den Deal mit Philippe Coutinho wickelte aber Rummenigge ab. Bei dem geplatzten Transfer von Callum Hudson-Odoi machte Brazzo keine gute Figur, auch nicht beim Werben um ManCitys Leroy Sané. In Sachen Transfers kommt weiter viel Arbeit auf ihn zu, an deren Erfolg er sich messen lassen muss. Übrigens: Ein gewisser Kai Havertz drückte bei Bayerns-Tweet zu Brazzos Beförderung auf "gefällt mir".

Kai Havertz "gefällt" Brazzos Beförderung  

Außendarstellung: Öffentliche Auftritte waren bislang nicht gerade sein Spezialgebiet. Zuletzt unterlief ihm mal wieder ein Versprecher zur Trennung von Niko Kovac. Salihamidzic versucht, sein Profil zu schärfen, forderte kürzlich, dass "alles" besser werden müsse und positionierte sich auch nach Kovacs Entlassung klar dafür. Dass ihm die Bosse auf Pressekonferenzen meistens die Show stehlen und Rummenigge ihm immer wieder (zuletzt bei Hernández’ Vorstellung) ins Wort fällt, macht es ihm nicht gerade leichter.

Verhältnis zu den Bossen: Dass Hoeneß nach wie vor sein größter Unterstützer ist, machte der scheidende Präsident mit seinem Anruf beim Sport1-Doppelpass noch einmal deutlich. Aber auch mit Rummenigge, der seine Beförderung unterstützt, hat sich Brazzo angenähert. Beide waren – anders als Hoeneß – schon länger der Meinung, dass Bayern einen neuen Trainer braucht.

Spannend wird Salihamidzics Verhältnis zu Kahn zu beobachten sein. Erst recht, wenn der etwa noch einen starken Sportdirektor oder gar anderen Sportvorstand installieren möchte. Salihamidzic sagt über Kahn: "Ich würde gerne mit ihm im Anzug nochmal die Champions League gewinnen."

Verhältnis zum Team: Seine Nähe zur Mannschaft gefällt den Bossen. Auch zu Bayerns Interimscoach Hansi Flick hat Brazzo einen sehr guten Draht, was beim innigen gemeinsamen Torjubel zu beobachten war. Brazzo erarbeitet sich auch bei den erfahrenen Spielern zunehmend Respekt.

Jugendarbeit: Sein Wirken rund um den Bayern-Campus lobte der Klub in der Beförderungsmitteilung explizit. Seit Sommer spielt die Zweite Mannschaft wieder in der Dritten Liga. Brazzo hat viele internationale Talente geholt und mehreren Profiverträge gegeben. Bei den Profis ist aber noch keiner angekommen. Negativ blieb der Zoff mit U17-Trainer Miroslav Klose hängen, den Salihamidzic im Sommer gegen dessen Willen zur U19 lotsen wollte. Klose blieb stur, entschied den Machtkampf für sich.

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