AZ-Analyse zum FC Bayern Alle kritisieren Kovac, doch vier Fehler machte Salihamidzic

, aktualisiert am 10.10.2018 - 09:33 Uhr
Einst Spieler, jetzt Sportdirektor: Hasan Salihamidzic beim FC Bayern. Foto: imago/Jan Huebner

Während der FC Bayern in die Krise taumelt, wird offenbar, wie sehr Sportdirektor Hasan Salihamidzic um Profil und Führung ringt. AZ-Fußballreporter Patrick Mayer analysiert, in welchen Punkten Salihamidzic dringend nachjustieren sollte.

München - Krisenherd Säbener Straße. Zwei Punkte aus vier Spielen mögen woanders noch nicht für helle Aufregung sorgen. Doch der Kosmos des FC Bayern funktioniert bekanntlich anders.

Salihamidzic wirkt ratlos

Nach dem 0:3-Debakel gegen Gladbach und ob immer wieder nach außen dringender Interna, ist beim Rekordmeister klare Führung gefragt. Die fehlt aktuell augenscheinlich und wäre eigentlich der Job von: Hasan Salihamidzic. Doch der Sportdirektor wirkt nach außen teils ratlos in dieser Gemengelage

Womit der Bosnier offenbar Probleme hat. Und was er anders machen sollte. Die AZ gibt einen Überblick: 

Souveräneres mediales Auftreten: Bereitwillig gibt der 41-Jährige Interviews ,- ob vor den Fernsehkameras oder in der Mixed Zone. Doch dabei wirkt der Ex-Profi nicht immer souverän, hat öfters Schwierigkeiten, klare Aussagen zu formulieren. In München wird das schon länger kritisch beäugt, wenn auch Vereinspräsident Uli Hoeneß stets den großen Fleiß seines Schützlings hervorhebt. (Lesen Sie auch: Uli Hoeneß - Bayern-Verteidiger bis aufs Blut)

Bayern-Stars brauchen Ansagen

Striktere Ansagen: Viel wurde in den vergangenen Tagen über das Ego und Eitelkeiten der teuer bezahlten Bayern-Stars diskutiert. Hier bräuchte es strikte Ansagen, um die Spieler zur Ordnung zu rufen. Salihamidzic windet sich aber gerne herum, bemüht auch mal Phrasen, statt Punkte - wenn auch kritische - öffentlich klar anzusprechen.

"Wir müssen das nächste Spiel gewinnen und wieder hier rauskommen. Das werden wir nur schaffen, wenn wir wieder alle zusammenrücken und sich jeder an die eigene Nase packt", meinte er nun nach den jüngsten Rückschlägen: "Wir haben nicht die richtige Körpersprache gehabt, haben uns nicht richtig durchsetzen können." 

Salihamidzic wirkte überrumpelt

Klare Kante bei nörgelnden Superstars: Mehrere Bayern-Stars sind unzufrieden, vernimmt man aus der Säbener Straße. Aber: Nimmt sich mancher vielleicht zu viel raus, sich selber zu wichtig?

Offenbar wurde die Unzufriedenheit insbesondere bei der Personalie Jérôme Boateng. Öffentlich beschwerte sich der Weltmeister im Interview mit der "SZ" über angeblich mangelnde Rückendeckung durch die Bayern-Bosse. Salihamidzic reagierte überrascht und überrumpelt.

"Unsere Türen sind immer offen und ich spreche jeden Tag mit ihm. Deswegen können wir so oft und lange sprechen, wie er will", sagte er und meinte, dass die Bayern und Boateng nach dem geplatzten Transfer zu Paris Saint-Germain noch enger zusammengerückt seien. Dem Vernehmen nach soll der Innenverteidiger aber schon seit Wochen mies gelaunt sein. Schätzt Salihamidzic die Lage richtig ein?

"Wir haben uns ausgesprochen, wir haben alles untereinander beredet. Man sieht ja auch, wie er sich präsentiert, wie er spielt. Ich bin total zufrieden mit ihm, weil er immer mehr aus sich herauskommt und deswegen kann ich die ganze Aufregung nicht verstehen", sagte er über Boateng. Eine zumindest streitbare These.

Der negative Höhepunkt: Dass James sich laut laut "Sport Bild" in der Kabine über Chefcoach Niko Kovac beschwert haben soll ("Wir sind hier nicht in Frankfurt!") und das dann auch noch publik wurde, spricht dagegen, dass der Sportdirektor seine Nörgler im Griff hat.

Kovac warnte, der FC Bayern handelte nicht

Mehr Nachdruck in der Transferpolitik: Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kündigt gerne an, irgendwann einen ganz großen Transfer tätigen zu wollen. Auch Vereinspräsident Uli Hoeneß schloss einen solchen vor dieser Saison nicht kategorisch aus. Passiert ist vor dieser Saison letztlich wenig. Auch wenn mit Leon Goretzka und Serge Gnabry zwei sehr gute deutsche Nachwuchsspieler (ablösefrei) kamen.

Kovac monierte zuletzt jedoch die fehlende Breite im Kader, hätte wohl gerne unter anderem einen weiteren Außenverteidiger gehabt. Jetzt, da David Alaba, Kingsley Coman, Rafinha und Corentin Tolisso verletzt sind, sind die Sorgen groß. Kovac hatte zuletzt erklärt, dass das eingetreten sei, was er befürchtet habe.

Bleibt die Frage, warum sich Sportdirektor und Trainer diesbezüglich nicht besser koordiniert haben? Fragen, denen sich Salihamidzic in den kommenden Wochen stellen wird.

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