BVB vor dem FC Bayern: Wo Dortmund besser ist als München

Dortmund nutzt die Schwächephase der Bayern aus und führt die Tabelle mit vier Punkten Vorsprung auf den Rekordmeister an. Dahinter steckt mehr als nur eine Momentaufnahme. Wo der BVB besser ist.
| Julian Buhl
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Lucien Favre (OGC Nizza): Der Schweizer steht noch bis 2019 in Frankreich unter Vertrag, verfügt aber angeblich für den Falle eines Sommerwechsels über eine drei bis fünf Millionen Euro schwere Ablöseklausel. Der 60-Jährige ist auch bei Borussia Dortmund ein Thema. Dort hat Peter Stöger wie Heynckes in München nur bis zum Saisonende einen Vertrag.
firo/Augenklick Lucien Favre (OGC Nizza): Der Schweizer steht noch bis 2019 in Frankreich unter Vertrag, verfügt aber angeblich für den Falle eines Sommerwechsels über eine drei bis fünf Millionen Euro schwere Ablöseklausel. Der 60-Jährige ist auch bei Borussia Dortmund ein Thema. Dort hat Peter Stöger wie Heynckes in München nur bis zum Saisonende einen Vertrag.

München - Exakt 85 Tage lief alles nach Plan für Niko Kovac. Mit sieben Siegen in den ersten sieben Pflichtspielen steuerte der neue Trainer des FC Bayern auf eine makellose 100-Tage-Bilanz zu – bis die vergangenen 15 Tage das Bild ziemlich trübten. Nach vier sieglosen Partien und einer Krise, die am Samstag durch die 0:3-Klatsche gegen Gladbach ihren negativen Höhepunkt erreichte, stand plötzlich sogar infrage, ob Kovac seinen Jubiläumstag am heutigen Dienstag überhaupt noch als amtierender Bayern-Coach erleben würde.

"Es waren schwierige zehn, 14 Tage. Natürlich ist der Druck von außen spürbar", sagte Thomas Müller am Montag bei einem Sponsorentermin. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass wir wieder die Ergebnisse liefern und die Spielkultur, die vom FC Bayern erwartet wird." Müller weiter: "Jetzt hatten wir eine Phase, wo die anderen an uns vorbeigezogen sind. Das wollten wir natürlich nicht." Fünf Teams stehen in der Tabelle vor den Bayern. Die vier Punkte, die Tabellenführer Borussia Dortmund Vorsprung auf die Münchner hat, dürften den Verantwortlichen Sorgenfalten bereiten. Denn der Aufschwung des BVB ist mehr als nur eine Momentaufnahme.

Die AZ erklärt, was der BVB den Bayern voraushat:

Attraktiven Fußball: Beide Teams haben in der Liga acht Gegentore zugelassen. Der BVB hat in sieben Spielen 23 Treffer und somit fast doppelt so viele wie Bayern (zwölf) erzielt. Dortmund steht für Spektakel. Da ist auch mal ein 7:0 gegen Nürnberg oder ein wildes 4:3 gegen Augsburg dabei. Gegen Leverkusen drehte Dortmund ein 0:2 in den letzten 25 Minuten noch in ein 4:2.

Den erfolgreicheren Trainer: Als Spieler bei Servette Genf teilte sich Lucien Favre einst das Zimmer mit Karl-Heinz Rummenigge. Bayerns-Vorstandsboss schätzt den Taktikfuchs sehr. In München war er trotzdem kein Thema. Favre wechselte aus Nizza zum BVB, der unter ihm nach zehn Pflichtspielen noch ungeschlagen ist. In Marco Reus hat er seinen Schlüsselspieler aus gemeinsamen Gladbacher Zeiten wieder im Team, auch der Ex-Gladbacher Mo Dahoud blüht unter Favre auf. Während Kovac noch an deren Definition arbeitet, ist Favres Handschrift beim BVB schon ganz klar zu erkennen. Der 60-Jährige hat auch keine Angst davor, große Namen wie Mario Götze oder Julian Weigl auf die Bank oder die Tribüne zu setzen. Außerdem rotiert Favre – gerade in der Abwehr – deutlich weniger und sorgt so für Stabilität. Unruhe im Team gibt’s bei ihm bisher nicht.

Lucien Favre (OGC Nizza): Der Schweizer steht noch bis 2019 in Frankreich unter Vertrag, verfügt aber angeblich für den Falle eines Sommerwechsels über eine drei bis fünf Millionen Euro schwere Ablöseklausel. Der 60-Jährige ist auch bei Borussia Dortmund ein Thema. Dort hat Peter Stöger wie Heynckes in München nur bis zum Saisonende einen Vertrag.
Lucien Favre (OGC Nizza): Der Schweizer steht noch bis 2019 in Frankreich unter Vertrag, verfügt aber angeblich für den Falle eines Sommerwechsels über eine drei bis fünf Millionen Euro schwere Ablöseklausel. Der 60-Jährige ist auch bei Borussia Dortmund ein Thema. Dort hat Peter Stöger wie Heynckes in München nur bis zum Saisonende einen Vertrag. © firo/Augenklick

Den Umbruch: Dortmund hat im Sommer einen großen Schnitt gewagt – und wird dafür belohnt. Gonzalo Castro, Sokratis, André Schürrle, Nuri Sahin, die unter anderem abgegeben wurden, vermisst beim BVB schon niemand mehr.

Überzeugende Neuzugänge: Insgesamt 75 Millionen Euro investierte der BVB in neue Spieler. Vor allem Thomas Delaney und Axel Witsel (je 20 Millionen) und der vom FC Barcelona ausgeliehene Paco Alcacer schlugen sofort ein. In dem Spanier hat die Borussia offenbar das letzte fehlende Puzzleteil für das Team gefunden. Der Stürmer erzielte in vier Einsätzen (171 Minuten) schon sieben Tore. Bayern gab im Sommer keinen Cent für neue Spieler aus. Die ablösefreien Leon Goretzka und Serge Gnabry sind bislang noch nicht wirklich in München angekommen.

Jugendstil: Bei Bayern hat es seit David Alaba (2011) kein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs mehr ins Profiteam geschafft. Daran änderte auch die Millionen-Investition in den Jugend-Campus bislang nichts. Dortmunds dänischer Jungstar Jacob Bruun Larsen wurde genau wie US-Boy Christian Pulisic (beide 20) beim BVB ausgebildet. Auch Jadon Sancho (18, kam 2017 von ManCity) oder Achraf Hakimi (19, von Real Madrid ausgeliehen) sind Zukunftsversprechen.

Zukunfts-Management: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, 59, und Sportdirektor Michael Zorc, 56, haben in Ex-Kapitän Sebastian Kehl, 38, im Juni einen potenziellen Erben in die Klubführung integriert. Als Leiter der Lizenzspielerabteilung gewinnt Kehl mehr und mehr an Profil. Darum kämpft Bayerns-Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der nach den Absagen von Philipp Lahm und Max Eberl 2017 installiert wurde, immer noch. Außerdem unterstützt Matthias Sammer nun die Dortmunder Klubführung als externer Berater. Ein Mahner wie er fehlt den Bayern, die mit Sammer als Sportvorstand (2012-2016) 2013 das Triple gewannen.

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