TSV 1860: Die erschreckenden Details und Hintergründe zum Mölders-Beben

Die bevorstehende Demission des Alpha-Löwen wird immer kurioser. "Es gab keine Suspendierung", sagt Sport-Boss Gorenzel. Derweil werden immer mehr Details bekannt. Die AZ mit den wichtigsten Fragen und Antworten.
| Matthias Eicher
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Spielführer ohne Vorbildfunktion: Torjäger Sascha Mölders steht beim TSV 1860 vor dem Aus, was bei seinen Teamkollegen hauptsächlich Erleichterung hervorzurufen scheint.
Spielführer ohne Vorbildfunktion: Torjäger Sascha Mölders steht beim TSV 1860 vor dem Aus, was bei seinen Teamkollegen hauptsächlich Erleichterung hervorzurufen scheint. © imago images/Sven Simon

München – Sascha Mölders ist raus. Diese Nachricht über jenen Mann, der beim TSV 1860 Alpha-Löwe, Torjäger, Kapitän und Kultfigur in Personalunion ist, versetzte den Sechzger-Kosmos in helle Aufregung. Der Aufschrei ist riesig, zumal Sechzigs kurze Mitteilung bei tausenden von Anhängern 1860 Fragezeichen hinterlässt. Wie konnte es nur soweit kommen, dass die Bosse der Blauen keine andere Lösung mehr sahen, als den 36-Jährigen zu beurlauben?

Die AZ mit den wichtigsten Fragen und Antworten zum Mölders-Aus – es ist eine fesselnde Geschichte.

Endlich konsequent: Köllner und Gorenzel.
Endlich konsequent: Köllner und Gorenzel. © sampics/Augenklick

TSV 1860 stellt Sascha Mölders frei: Alle Hintergründe zum Löwen-Beben

Wie erfuhr Mölders von seiner Suspendierung? Der Ex-Bundesligaspieler hatte am Montag ein Gespräch mit der Sportlichen Leitung. "Michael Köllner hat ihm mitgeteilt, dass er ihn für die nächsten zwei Spiele nicht in der entsprechenden Verfassung sieht und daher nicht auf ihn setzt", erklärte Geschäftsführer Günther Gorenzel am Dienstag: "Was ich von Vereinsseite habe einfließen lassen, ist, dass er sich wieder auf seine Kernaufgabe hier fokussieren soll und dass ihm das in seiner Rolle als Kapitän und Führungsspieler guttun würde."

Kurios, was Gorenzel folgen lässt: "Es gab keine Suspendierung." Na gut – nennen wir es Quasi-Suspendierung.

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Wer hat die Maßnahme mitgetragen? Die Antwort darauf ist so einfach wie vielsagend: alle. Auch die Gesellschafter, wie Gorenzel erklärte. Das ist der Knackpunkt dieses vermeintlichen Eklats: Sind sich auf der traditionell zerstrittenen Führungsebene der Giesinger von Präsident Robert Reisinger bis zu Investor Hasan Ismaik alle einig, muss das schon etwas zu bedeuten haben.

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Köllner und Gorenzel hatten Mölders-Freistellung schon länger erwogen

Weshalb die Beurlaubung zu diesem Zeitpunkt? Nach der 2:5-Abreibung gegen Magdeburg liegt der Verdacht nahe, Köllner und Gorenzel nutzen Mölders als Bauernopfer, um von der Kritik an ihnen abzulenken.

Doch es steckt noch mehr dahinter: Mölders, von Gorenzel öffentlich aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen, schritt gegen Magdeburg erneut nicht zum Elfmeterpunkt und tat damit das Gegenteil. Ein Affront gegenüber den Bossen, der das Fass neben seiner wütenden Reaktion auf seine Auswechslung zum Überlaufen brachte, denn: Dem Vernehmen nach hatten Köllner und Gorenzel diesen Schritt bereits viel früher erwogen, der sportliche Erfolg hatte dem Angreifer jedoch recht gegeben.

Nun hat 1860 noch vor der Winterpause die Chance auf eine Reaktion: Im Auswärts-Doppelpack beim BVB II und in Würzburg sind wichtige Punkte zu vergeben. Setzt die Mölders-Demission am Ende sogar Kräfte frei?

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Was sind die Hintergründe? Es handelt sich um ein Sammelsurium an Gründen, weshalb Mölders wohl nie mehr ein Löwen-Trikot tragen wird. Hört man sich im Sechzig-Umfeld um, kommen immer mehr Details ans Tageslicht: Mölders’ Umgangston (Beleidigungen, Drohungen) soll Köllner von Anfang an sauer aufgestoßen sein, weshalb gemeinsam ein Verhaltenskodex entwickelt wurde – um mitanzusehen, dass sich Mölders darüber hinwegsetzte. Genauso wie über Köllners Taktik, die er eigenmächtig änderte.

Schlimmer noch: Es ist von tiefen Verwerfungen in der Kabine die Rede. Mölders soll mit jungen Spielern mehr als übel umgegangen sein. Mit Sturm-Konkurrenten hatte der Platzhirsch größte Probleme, was die vorzeitigen Abgänge von Adriano Grimaldi und Martin Pusic in ein anderes Licht rückt. Leih-Löwe Prince Owusu schien Mölders nur so lange zu akzeptieren, wie der sich mit der Jokerrolle zufriedengab. Weshalb Stürmer Marcel Bär wohl im Mittelfeld auflief?

AZ-Info: Womöglich sogar juristisch relevante Vorfälle

Was sagt Gorenzel zu den Vorwürfen? Nach AZ-Informationen soll es sogar zu Vorfällen gekommen sein, die juristische Konsequenzen haben könnten. Im Profisport und bei 1860 kennt man gewisse Motivationspraktiken der Vergangenheit, gerade unter dem beinharten Kult-Trainer Werner Lorant. Doch das wäre eine neue Dimension – und zwar mehrere Straftatbestände (!). Damit konfrontiert, meinte Gorenzel: "Auf herumgeisternde Gerüchte will ich nicht eingehen, denn sie entbehren, sagen wir mal, jeglicher inhaltlichen Grundlage – soweit ich es bewerten kann, aber ich bin ja nicht in der Kabine. . ." Übersetzt: Gorenzel dementiert nicht, will sich aber nicht angreifbar machen.

Wie hat die Mannschaft reagiert? Auch das spricht Bände: Wie die AZ aus mehreren Quellen erfuhr, ist ein Großteil der Spieler erleichtert über das Aus des Alpha-Löwen. Bei einem Großteil der Mannschaft genießt Mölders keinen Rückhalt mehr.

Ein Vereinsfunktionär, der sich nicht namentlich zitieren lassen will, sagte sogar: "Es ist eine Befreiung." Rückblickend verwundert es nicht, weshalb Akteure wie Youngster Semi Belkahia zuletzt nicht mehr wiederzuerkennen waren. Sogar ein gestandener Profi wie Abwehrchef Stephan Salger (Auseinandersetzung mit Mölders nach dem Lautern-Spiel) litt sichtlich. Gleichzeitig ist das Aus des Ex-Bundesligaspielers eine Verpflichtung: Nun kann sich kein Führungsspieler mehr hinter der "Wampe von Giesing" verstecken, nun muss sich eine neue Hierarchie herausbilden.

TSV 1860: Eine Mölders-Rückkehr ist sehr unwahrscheinlich

Gibt es eine Hintertür? Köllner und Gorenzel machen die Tür nicht komplett zu, doch eines ist klar: Ein Comeback würde es nur geben, wenn sich der (Ex-)Anführer reumütig zeigt und die – aus sportlicher Sicht – sinnvolle Jokerrolle akzeptiert. Was Mölders wohl davon hält? Am späten Montagabend postete er ein Bild, auf dem ein Sechzger-Trikot zwar mit seinem Namen und der Rückennummer neun zu sehen war. Über dem Vereinsnamen prangte auf Englisch: "Zensiert!" Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen: Wahrscheinlicher als ein Comeback auf den Rasen ist der Gang vors Arbeitsgericht. 


Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikel wurde angegeben, 27 Spieler hätten sich bei einer Abstimmung für einen Ausschluss Mölders' ausgesprochen. Das ist nicht korrekt und basiert auf einer falsch interpretierten Aussage von Trainer Michael Köllner. Richtig ist, dass Mölders bei einem Großteil der Mannschaft keinen Rückhalt mehr genießt. Die Textpassage wurde entsprechend angepasst. 

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