Panikkauf oder ernsthafte Alternative? So schlagen sich Bayerns Last-Minute-Transfers

Im Sommer sorgte der FC Bayern kurz vor Toreschluss mit vier Transfers für Aufsehen. Wie liefern die Last-Minute-Transfers von Sportvorstand Hasan Salihamidzic bislang? Die AZ zieht ein Zwischenfazit.
| Bernhard Lackner
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
4  Kommentare Artikel empfehlen
Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic hatte in den letzten Tagen der Transferperiode einiges zu tun.
Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic hatte in den letzten Tagen der Transferperiode einiges zu tun. © Marco Donato/FC Bayern München AG/dpa

München - Der Transfer-Sommer 2020 war wohl der schwierigste aller Zeiten. Der ohnehin schon komplett überhitzte Markt wurde durch die Corona-Pandemie komplett durcheinandergewirbelt, Kaderplaner und Vereinsbosse sahen sich innerhalb kürzester Zeit mit einer beispiellosen Situation konfrontiert.

Auch der finanziell sehr gut aufgestellte FC Bayern bekam die Folgen deutlich zu spüren. Alleine bis zum Sommer musste der deutsche Rekordmeister einen Einnahmenverlust in dreistelliger Millionenhöhe hinnehmen. Wie ernst die finanziellen Konsequenzen am Ende sein werden, lässt sich bis heute nicht abschließend abschätzen.

FC Bayern tut sich auf dem Transfermarkt lange schwer

Entsprechend schwierig gestalteten sich die Planungen für die neue Spielzeit. Schon vor dem Champions-League-Turnier in Lissabon wurden die Transfers von Leroy Sané, Alexander Nübel und Tanguy Nianzou fix gemacht, bei den weiteren Transfers taten sich die Münchner schwer.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Nach den Abgängen von Thiago, Philippe Coutinho, Ivan Perisic und Álvaro Odriozola gab es bis kurz vor Ende der Transferperiode noch einige Kaderplätze aufzufüllen, um Trainer Hansi Flick eine schlagkräftige Mannschaft für die wohl intensivste Saison der Geschichte zur Verfügung zu stellen.

Erst unmittelbar vor Ende der Transferperiode konnten die Münchner um Sportvorstand Hasan Salihamidzic Vollzug melden. Mit Bouna Sarr, Marc Roca, Eric Maxim Choupo-Moting und Douglas Costa wurden gleich vier Last-Minute-Transfers getätigt. Panikkäufe oder ernsthafte Alternativen? Die AZ zieht ein erstes Fazit:

Bouna Sarr: Ein guter Back-Up

Bouna Sarr kam vor der Saison von Olympique Marseille.
Bouna Sarr kam vor der Saison von Olympique Marseille. © firo/Augenklick

Nach dem Leihende von Álvaro Odriozola brauchte es einen Back-Up auf der Rechtsverteidigerposition für den gesetzten Benjamin Pavard. Über Monate hinweg buhlten die Münchner daher um Sergino Dest von Ajax Amsterdam, konnten sich mit dem niederländischen Spitzenklub allerdings nicht auf eine Ablöse einigen. Der US-Nationalspieler wechselte schließlich für 25 Millionen Euro zum FC Barcelona, wo er sich schnell als Stammspieler etablierte.

Als Alternative zu Dest hatten die Bayern Bouna Sarr in der Hinterhand. Der gelernte Rechtsaußen kam für acht Millionen Euro von Olympique Marseille und hinterließ bislang einen ordentlichen Eindruck. Insgesamt stand er sechs Mal für den Rekordmeister auf dem Platz, vier Mal spielte er durch.

Dass er durchaus auch in der Lage ist, selbst auf Top-Niveau mitzuhalten, bewies der 28-Jährige beim Deutschen Klassiker gegen Borussia Dortmund, als er den verletzten Benjamin Pavard vertrat. Bemerkenswert: Beim Auswärtsspiel in Köln wurde er mangels Personal auf der Linksverteidigerposition aufgeboten und lieferte ebenfalls eine ordentliche Leistung. Insgesamt ein solider Back-Up.

Marc Roca: Perspektivspieler mit Anlaufschwierigkeiten

Marc Roca wechselte von Espanyol Barcelona nach München.
Marc Roca wechselte von Espanyol Barcelona nach München. © imago images / Lackovic

Noch im Sommer vergangenen Jahres sollen die Bayern bis zu 40 Millionen Euro für den spanischen U21-Europameister geboten haben, am Ende scheiterte der Transfer. Aufgrund des Abstiegs von Espanyol Barcelona und des Preisverfalls auf dem Transfermarkt ließ sich sein Transfer ein Jahr später für vergleichsweise überschaubare neun Millionen Euro realisieren.

Roca wurde mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet und soll sich langfristig hinter dem gesetzten Mittelfeld-Duo Leon Goretzka und Joshua Kimmich etablieren. Der Spanier hatte jedoch länger mit Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen. Nach dessen Debüt im Pokal gegen den FC Düren (3:0) bemängelte Trainer Flick das taktische Verhalten seines Neuzugangs und ließ ihn daraufhin wochenlang außen vor.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Die Trainingsarbeit scheint sich ausgezahlt zu haben: Gegen den extrem hoch pressenden FC Salzburg stand Roca am Mittwoch erstmals wieder in der Startelf der Bayern und zeigte seine Qualitäten als Ballverteiler - der eigentlich gute Auftritt wurde durch seine Gelb-Rote-Karte allerdings deutlich getrübt. Die Ansätze sind also vorhanden, noch braucht der 24-Jährige aber Zeit.

Eric Maxim Choupo-Moting: Stark begonnen, stark nachgelassen

Eric Maxim Choupo-Moting ist derzeit der Back-Up von Robert Lewandowski.
Eric Maxim Choupo-Moting ist derzeit der Back-Up von Robert Lewandowski. © firo/Augenklick

Der kamerunische Nationalspieler kam nach Ablauf seines Vertrags ablösefrei von Paris Saint-Germain zu den Bayern, um die Rolle des Back-Ups von Robert Lewandowski auszufüllen, da Joshua Zirkzee nach seinem Durchbruch im Frühjahr nur unzureichende Fortschritte in seiner Entwicklung machte.

Seit seinem ersten Einsatz gegen Fünftligist FC Düren (zwei Tore, eine Vorlage) konnte der 31-Jährige allerdings kaum noch überzeugen. Bei seinem einzigen Startelf-Einsatz in der Bundesliga, beim Auswärtsspiel in Köln (1:0), zeigte sich deutlich, dass ihm noch die Bindung zum Bayern-Spiel fehlt (AZ-Note 5). Auch bei seinen Joker-Einsätzen konnte er bis dato kaum Impulse setzen.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Bezeichnend: Beim 1:1 gegen Werder Bremen am vergangenen Wochenende hatte 1,91 Meter große Stürmer in der Schlussphase die Führung auf dem Fuß, brachte allerdings das Kunststück fertig, den Ball völlig freistehend aus kurzer Distanz über das leere Tor zu schießen.

Sein Vertrag läuft zum Saisonende aus. Will er in seinem wahrscheinlich einzigen Jahr bei den Bayern eine ernstzunehmende Option sein, muss sich der Joker noch deutlich steigern.

Douglas Costa: Gute Ergänzung mit alten Schwächen

Douglas Costa spielt derzeit auf Leihbasis für den FC Bayern.
Douglas Costa spielt derzeit auf Leihbasis für den FC Bayern. © firo Sportphoto (firo Sportphoto)

Der brasilianische Flügelstürmer kehrte kurz vor Toreschluss auf Leihbasis von Juventus Turin zurück nach München und soll dem Flügel-Trio Leroy Sané, Serge Gnabry und Kingsley Coman zwischenzeitliche Verschnaufpausen verschaffen. Bislang kam er für die Münchner neun Mal zum Einsatz, davon drei Mal von Beginn an (kein Tor, zwei Vorlagen).

Nun, gut zwei Monate nach seiner Rückkehr, lässt sich konstatieren: Die Kritikpunkte an ihm sind im Prinzip dieselben wie zu seiner ersten Zeit in München. Costa verfügt über herausragende technische Fähigkeiten, verliert sich aber auch mit 30-Jahren noch zu häufig in seinen Dribblings. Als Spieler für die Breite war der Brasilianer aber trotz allem eine gute Wahl.


Hinweis: Der ebenfalls kurz vor Transferschluss verpflichtete Tiago Dantas wurde in diesem Artikel bewusst nicht aufgelistet. Hintergrund ist die Tatsache, dass er mangels Spielberechtigung für die Bundesliga in der Hinrunde lediglich für die U23 in der 3. Liga auflaufen darf.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 4  Kommentare – mitdiskutieren Artikel empfehlen
4 Kommentare
Artikel kommentieren