FC Bayern: Warum der Erfolg für Flick auch zum Fluch wird

Die Ergebnisse stimmen bei Bayern. Dagegen ist Flick mit der Spielweise nicht zufrieden, tut sich aber mit Kritik schwer: "Ich bin 51 Spiele hier, wir haben 46 gewonnen. Was will ich da zur Mannschaft sagen?"
| Patrick Strasser
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Trotz guter Ergebnisse ist Hansi Flick mit den Auftritten seiner Mannschaft nicht mehr so zufrieden wie in der Triple-Saison.
Trotz guter Ergebnisse ist Hansi Flick mit den Auftritten seiner Mannschaft nicht mehr so zufrieden wie in der Triple-Saison. © Sven Hoppe/dpa

Zehn Paraden gegen die Salzburger. Zehn! Darunter Weltklasse-Reflexe. Für den einen wurde er von den Kollegen Thomas Müller und David Alaba wie sonst nur Torschützen gefeiert.

Manuel Neuer in Bestform - Flick sehr zufrieden

Nie musste der Torhüter im Trikot des FC Bayern laut Datenanalyse in einem Champions-League-Spiel öfter eingreifen, seine Mannschaft nie häufiger retten. Ergo: Manuel Neuer ist mehr Manuel Neuer denn je zuvor und wurde folgerichtig bei den "Best FIFA Football Awards" (altdeutsch Weltfußballer-Wahl) in der Kategorie "Bester Torhüter" nominiert. Logo. Wie auch bei den Spielern generell. Äh - nein. In dieser Liste steht der 34-Jährige nicht. Vielleicht sollte der Weltverband da noch einmal den Videobeweis bemühen: Allein das komplette 3:1 der Bayern gegen Salzburg würde reichen.

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Bei Neuers Show geriet Trainer Hansi Flick ins Schwärmen. Weil er weiß: Er hat einen Rettungsring in Froschgrün da hinten drin stehen, eine 1,93m hohe Lebensversicherung. "Manuel spielt jetzt seit meiner Zeit als Trainer hier sensationell. Er ist in der Form seines Lebens", meinte Flick und erklärte: "Was er für eine Ruhe ausstrahlt: Da wird es immer schwierig für einen Stürmer, Tore zu erzielen. Wenn die gegnerischen Stürmer auf ihn zukommen, wird das Tor für sie immer kleiner. Er hat wahnsinnige Reflexe. Ich bin wirklich froh, dass er aktuell in dieser Form ist."

Flick trotz Erfolgen unzufrieden mit seiner Mannschaft

Im letzten Satz schwang viel mit. Denn sonst würde sich des Trainers Bilanz ganz anders lesen. Der 15. Königklassen-Sieg der Bayern in Serie war Flicks 51. Partie als Cheftrainer. 46 Siege stehen auf der Haben-Seite, lediglich zwei Remis (das 1:1 gegen Werder Bremen am Samstag) und drei Niederlagen. Das alles bei 167:45 Toren. Also nicht mal ein Gegentor pro Partie.

Das gewohnte Bild: jubelnde Bayern.
Das gewohnte Bild: jubelnde Bayern. © firo/Augenklick

"Es ist wirklich sensationell, wie Manu Großchancen pariert, uns Gegentore erspart. Er hatte das ein oder andere zu tun - für mich zu viel", so Flick. Der nächste Hinweis darauf, wie unzufrieden der Coach mit dem spielerischen Auftritt seiner Mannschaft war.

Ist der FC Bayern etwa eingerostet?

Und da liegt des Pudels Kern begraben. Der Motor stockt, das Aufbauspiel rumpelt, es fehlen Drive und Esprit nach vorne. Dazu kommen Abspielfehler wie etwa von Abwehrchef David Alaba. Selten sah man Flick vor seiner Trainerbank so wütend abwinken. "Zu viele unnötige Ballverluste" moniert er und forderte eindringlich: "Das sind Dinge, die so nicht passieren dürfen. Wir waren etwas zu nachlässig, werden es analysieren. Wir müssen unsere Fehler minimieren. Das sind die Themen, die ich immer schon angesprochen habe." Mit der Betonung auf: immer schon! Auf der virtuellen Pressekonferenz kurz vor Mitternacht klagte Flick: "Wir könnten uns das Leben etwas einfacher machen. Wir machen es uns aktuell aber zu kompliziert." Die Crux ist zugleich der Fluch der guten Taten, all der Erfolge.

"Ruhig, Trainer! Wir machen das schon."

Denn: Kommt diese Kritik bei den Seriensiegern, den Triple-Champions, überhaupt an? Mit aller Zuspitzung: Erreicht Flick in diesem Punkt die Mannschaft noch? Er gab selbst eine Teilantwort mittels bereits erwähnter 1A-Statistik: "Ich bin 51 Spiele hier, wir haben 46 gewonnen. Was will ich da zur Mannschaft sagen?" Eben. Denn selbst wenn die spielerische Performance zu wünschen übrig lässt derzeit: Sie gewinnen ja doch. Das Feedback seines Teams lässt sich wohl zusammenfassen mit: 'Ruhig, Trainer! Wir machen das schon.'

Auch am Samstag beim VfB Stuttgart (15.30 Uhr)? Das Achtelfinale der Königsklasse hat man mit Bravour als Gruppensieger vorzeitig erreicht. Haken dran. Es folgen noch fünf Ligaspiele bis zur kurzen Weihnachtspause. Da kann man eher was verlieren als gewinnen. Aber man hat ja Manuel Neuer, die Hände Bayerns.

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