Showdown im Meister-Kampf Head-to-Head mit Fuss: FC Bayern besser als Borussia Dortmund

Trainer-Duell am Dienstag: Lucien Favre (l.) gegen Hansi Flick. Foto: imago images/Sven Simon

Borussia Dortmund gegen den FC Bayern, das ist der große Klassiker im deutschen Fußball. Sky-Experte Fuss analysiert für die AZ die Teams und gibt einen Tipp ab: "Ein hochklassiges Spiel, das 2:2 endet."

 

München/Dortmund - Es ist und bleibt der Clásico, jedoch mit anderen Voraussetzungen – ohne Fans. Borussia Dortmund fehlt seine "Gelbe Wand", die stimmgewaltige Südtribüne, gegen den FC Bayern (Dienstag, 18.30 Uhr, Sky und im AZ-Liveticker). Ein wesentlicher Faktor beim womöglich vorentscheidenden Duell um die Meisterschaft? Für Sky wird Wolff-Christoph Fuss (43) das Geisterspiel-Highlight der Rückrunde aus dem Signal-Iduna-Park kommentieren.

Für die AZ checkt er die Mannschaftsteile, vergleicht Klasse und Form.

Die Torhüter

"Manuel Neuer zählt weltweit nach wie vor zu den Besten seines Faches. Nun hat er, für mich wenig überraschend, seinen Vertrag bis 2023 verlängert. Verein und Spieler wissen, was sie aneinander haben. Ob in einem Hexenkessel oder im leeren Stadion – Neuer wirkt immer zu 100 Prozent fokussiert", sagt Fuss.

"Dortmunds Roman Bürki hat in den letzten Jahren viel Prügel bekommen – häufig zu Unrecht. Er hält nicht erst seit dieser Saison enorm konstant. Dennoch sehe ich Neuer klar vorne", erklärt der Kommentator weiter.

Also: 1:0 für Bayern

Die Abwehr

"Bei Bayern war das Hinspiel die Geburtsstunde der neuen Viererkette mit David Alaba als Abwehrchef, Benjamin Pavard als Rechtsverteidiger und Alphonso Davies als Linksverteidiger. Jérôme Boateng hat Javi Martínez im Vergleich zum Hinrundenduell in der Mitte verdrängt. Die Bayern stehen mit der Formation gut, wurden aber nach der Corona-Pause bei Union Berlin und gegen Frankfurt nicht wirklich geprüft. Nach 3:0-Führung gegen die Eintracht nahmen sie sich alle gedanklich eine kleine Auszeit und fingen sich prompt zwei Tore nach Standards. Diese Form der Auszeit wird ihnen beim BVB nicht passieren", so Fuss.

"Der BVB steht mit seiner Dreierkette um Mats Hummels extrem stabil. Seine Nebenleute Lukasz Piszczek rechts und Manuel Akanji links machen es sehr gut. Dass bei einer Geisterkulisse die Kommandos der Abwehrchefs besser zu vernehmen sind, kommt beiden Reihen zugute. Von der individuellen Klasse läge Bayern vorne, dafür ist der BVB mit Hakimi und Guerreiro torgefährlicher. Unterm Strich: Die Abwehrketten sind auf Augenhöhe", so das Fazit des Kommentators.

Punkt an beide, Bayern führt 2:1

Das Mittelfeld

"Im Zentrum stehen beim BVB Mo Dahoud und Emre Can – falls der nicht fit wird Thomas Delaney. Vor allem Dahoud blüht momentan auf. Man merkt ihm und seinem Spiel an, dass er ohne 80.000 Fans im Rücken nicht den immensen Druck zu verspüren scheint. Er liebt – und er kann – das Risikospiel. Raunende 80.000 beim ersten Fehlpass helfen ihm da nur bedingt. An seiner Seite räumt Can – oder Delaney – ab. Über die Außen kommen Achraf Hakimi rechts und Raphaël Guerreiro links. Beide mit super Speed, beide torgefährlich. Sie können marschieren, helfen aber zur Not hinten mit aus", sagt Fuss.

"Ein anderes System spielt Bayern mit Joshua Kimmich als klarem Sechser. Ein Spielmacher nach vorne und nach hinten, der die meisten Ballkontakte hat. Da Thiago ausfällt, agiert neben ihm Leon Goretzka. Er ist sehr gut aus der Pause gekommen. Dann haben wir noch Thomas Müller, der in einer Top-Form wie 2014 beim WM-Titel ist. Seine Zahlen als Vorbereiter und Vollstrecker stimmen, als lautstarker Antreiber und Motivator bei Geisterspielen ist er voll in seinem Element. Meine Wertung der Mittelfeld-Reihen: ein Remis", meint Fuss.

Der Stand: 3:2 für Bayern

Der Angriff

"Hier liegen die Unterschiede im Millimeter-Bereich. Robert Lewandowski sehe ich als Mittelstürmer nach wie vor stärker als Erling Haaland, auf den Außenbahnen haben die Bayern mit Kingsley Coman, Serge Gnabry und Ivan Perisic für mich die Nase gegenüber Julian Brandt, Thorgan Hazard und Jadon Sancho, von denen jeweils nur zwei spielen, leicht vorne", sagt Fuss.

"Beim BVB sind Brandt und Hazard in Ausnahmeform. Sancho, war angeschlagen zuletzt zwei Mal Joker, er bringt ein Höchstmaß an individueller Klasse mit, ist ein Unterschiedsspieler und kann Bayern wehtun. Je nach Fitnessstand von Gnabry kommt bei Bayern vielleicht sogar Perisic zum Einsatz, der mehr Körperlichkeit ins Spiel bringen würde. Macht alles in allem ein ganz leichtes Plus für die Bayern", meint der Kommentator.

Endstand: 4:2 für Bayern

Das Fuss-Fazit

"Wir sehen das Duell der beiden aktuell besten deutschen Mannschaften, die in der Blüte ihrer Schaffenskraft stehen. Der Mix aus Tagesform, sowie individueller Klasse wird entscheiden. Es wird um die Kleinigkeiten gehen, wenn beide alles abrufen. Dass man in Dortmund vor leeren Rängen spielt, nutzt eher den Bayern, weil die Kulisse sonst immer das Heimteam angetrieben hat, den letzten Schritt doch noch zu machen. Der BVB muss gewinnen, wenn sie noch Meister werden wollen. Ich erwarte ein hochklassiges Spiel, tippe auf ein 2:2."

 

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