Kabarettist als Fastenprediger Nockherberg 2019: Maxi Schafroth mit bösem Witz über Barbara Stamm

Maxi Schafroth bei seiner ersten Nockherberg-Fastenpredigt. Foto: Tobias Hase/dpa

Maxi Schafroth (34) tritt als Fastenprediger am Nockherberg in große Fußstapfen. Er teilt munter aus, verfehlt mitunter aber knapp sein Ziel – etwa, wenn er sich bei Barbara Stamm im Ton vergreift.

München - Eine Umstellung ist’s – für alle Beteiligten. Nach acht Jahren, in denen eine Frau – Luise Kinseher in ihrer Rolle als Mama Bavaria – das große Wort geschwungen hat beim Starkbier-Anstich auf dem Nockherberg, steht diesmal ein Novize auf der Kanzel.

Maxi Schafroth (34), ein gelernter Kabarettist und Allgäuer von Geburt an. Er will hier beides verkörpern, unverstellt und unverkleidet, das macht er gleich klar in seiner Rede (AZ berichtet hier im Newsblog).

"Ich hab mich bewusst gegen eine Rolle entschieden, keine Inszenierung, keine aufgesetzte Schauspielerei", sagt er – und dann mit Blick auf Ministerpräsident Markus Söder: "Das ist ja dein Kompetenzbereich, lieber Markus, da grätsch ich dir nicht nei."

Vor 580 geladenen Gästen, darunter Vorgängerin Kinseher, legt Schafroth los. Die AZ dokumentiert Auszüge seines Manuskripts – in dem er der ehemaligen Landtagspräsidentin Barbara Stamm böse einschenkt. Die Reaktionen im Saal bei dem fiesen Spruch: betretenes Raunen. Stamms Nachfolgerin Ilse Aigner schlägt die Hand vors Gesicht. 

Schafroth über Barbara Stamm

"Ich muss hier jetzt meine Anerkennung aussprechen – an das Facility Management vom Landtag. Dass ihr die Stamm aus’m Sitzungssaal rauskriegt habt’s, das war logistisch ja ein Industrieanlagen-Rückbau. Die Stamm war enorm tief eingewurzelt, die war mit dem Parkettboden verwachsen, man wusste ja gar nicht mehr, wo hört der Stuhl auf, wo fängt die Stamm an?"

Schafroth über Markus Söder

"Markus, du hattest die Rede zur Korrektur auf’m Tisch, du hast herzlich gelacht, der Rotstift war gar nicht nötig, weil der Ehrenvorsitzende Stoiber schon drübergegangen ist." "Der Markus hat den Strauß als Poster überm Bett gehabt. Da hätten meine Eltern mich einweisen lassen. Es gibt Dinge, wo ich glaube, dass es nicht förderlich ist, wenn ein gefäßkranker alter Mann zuschaut." "Kurz vor der Wahl haust du ein Weltraumprogramm raus, Wahnsinn, ich sag dir, an diesem Tag hattest du die Allgäuer in der Tasche! Da hast du den kleinen Mann erreicht. Von Oberstdorf bis Buchloe fragen wir uns schon ewig: Wie verhalten sich Kässpätzle in der Schwerelosigkeit, was macht ein Romadur im Vakuum?"

Schafroth über die CSU

"Ich hab mal ministriert, und wenn die CSU behauptet, sie wär a christliche Partei, dann könnt ich als Ex-Ministrant au behaupten, dass ich a Allgäuer Schweigemönch bin." "Ihr seid’s jetzt grün, sozial, dynamisch, urban, da ist alles drin, des erinnert mi so a bissl an unser alte Dorfwirtschaft, die haben auch kurz vor der Insolvenz a ganz dicke Speisekarte gedruckt. Da war alles drin: Kalbshaxn vegan, Kalamari mit Spätzle, Känguru-Gschnetzteltes an Sauce Bechamel. Liebe CSU, ihr macht’s des genau richtig! 40 Seiten voller Essen und überall die gleiche Soß drauf."

Schafroth über Andreas Scheuer

"Der Scheuer Andi ist ein Charakterdarsteller! Der spielt jeden Tag glaubhaft einen Audi-Mitarbeiter, der so tut, als wäre er Verkehrsminister."

Schafroth über Alexander Dobrindt

"Du darfst zum Dank die CSU in Berlin anführen. Die CSU in Berlin anführen, das ist witzig: Ich darfs Auto lenken – aber aus’m Kofferraum."

Maxi Schafroth über Horst Seehofer

"Horst, ich find das irgendwie nobel von dir. Ich weiß, du hast dem Markus zum 50sten nichts geschenkt, aber dass du ihn jetzt, in seiner wichtigsten Stunde, mit deiner Abwesenheit beglückst – das hat Größe!"

Schafroth über Christian Ude

"Das ist wie bei einer Hofübergabe: Der Seniorlandwirt will halt auch no mitmelken. Lass ihm eine vertrocknete Zitze. Dann gibt er a Ruh."

Schafroth über Dietmar Bartsch

"Der von der Linken, der scheißt si au gar nix, fliegt Business Class nach München, lümmelt sich da nei und lässt sich vom Klassenfeind das Bier zahlen. Dietmar, ich lass dich jetzt in Ruh, du musst aufholen, der Gysi hat um die Uhrzeit schon den vierten Bock drin gehabt. Der hat innerhalb von zwei Stunden die halbe Brauerei enteignet, der kleine Schluckspecht. "

Schafroth über Joachim Herrmann

"Der Herrmann ist ein Hund, der scannt 100 Millionen Kennzeichen im Jahr. Der scannt in einem Tempo, also beim Aldi wär er Mitarbeiter des Monats." "Herrmann mit seine kessen Schneckerlhaar! Mei Oma hätt gsagt: Hmmm, der hat schöne Wasserwellen. Sag mal, sind da Fernseher in den Ankerzentren drin? Dann sehen die Leut des ja vielleicht, dann können wir euch jetz ja mal bekannt machen: ,Liebe Asylsuchende, dear Asylum Seekers, this is Bavarian Innenminister Herrmann. A noble man, or as we say: Der Katholik mit der Lizenz zum Abschieben.’"

Schafroth über  Hubert Aiwanger

"Solche wie dich gibt’s im Allgäu au! So rotbackige Kachelofenkinder. Du hast diese schelmische Freud im Gsicht! Wie ein alkoholisierter Feuerwehrkommandant, der grad a Katz vom Dach runterspritzt und danach sagt: Hoppala, war ich des?" "Natürlich hat man Angst vor Elektroautos und Stromtrassen, wenn man als Kind übern elektrischen Weidezaun bieslt hat." "Ich versteh das Phänomen Aiwanger! Die Welt wird immer komplexer, immer vernetzter, keiner checkt mehr irgendwas – und dann steht da im Sturm der Globalisierung der Aiwanger Hubert, mit’m mintgrünen C&A-Hemd und der Klettkrawatte, und die Leut denken sich, jawohl, da ist noch einer überfordert! Noch einer, dem’s Handy ab und zu ins Klo neirutscht." "Der Hubert hupft vor Freud, wenn der Dienstwagen vorfährt. Und der Söder steht da und sagt: ,Ah, wieder die alde Schüssel, ich will an Borsche Banamera!’"

Schafroth über Michael Piazolo

"Der Piazolo weiß was – und der Hubert Aiwanger… der weiß, dass der Piazolo, was weiß. Michael, meine Hochachtung, die Nachfolge vom Ludwig Spaenle in der bayerischen Bildungspolitik anzutreten und den Vergleich auszuhalten, da kann ich bloß sagen: Herzlichen Glückwunsch. Es gibt Rennen, die hat man schon gewonnen, bevor der Startschuss fällt."

Schafroth über Katharina Schulze

"Die Tofu-Jeanne-d’Arc! Du bewegst dich wahrscheinlich im Schlaf noch schneller als der Ludwig Hartmann aufm Hometrainer. (...) Was haben die Leute sich empört wegen deiner Los-Angeles-Reise. Wärst du bei der FDP, hätt’s keinen gejuckt. In der FDP ist es keine Schand, wenn ma fliegt, in der FDP ist es eine Schand, wenn einem ‘s Flugzeug nicht gehört."

Schafroth über Hans Reichhart

"Der kleine Hansi, Wahnsinn, Verkehrsminister! Du schaust so jung aus. Der hat einen Doktor! Wann hast du promoviert? Mit 12 in Legotechnik?"

Der Kabarettist über die Grünen

"Grün-Wähler in München fahren Range Rover V8 Hybrid – mit so einem Elektrozahnbürstenzusatzmotor, damit’s noch die Ökoprämie einsacken können. Die schauen aus wie der Carsten Maschmeyer in fairer Kleidung."

Maxi Schafroth über die SPD

"Mein Schlusswort gilt euch, ich hab euch nicht vergessen, im Gegenteil. Ich will euer Selbstbewusstsein jetzt mal stärken, dafür sind wir doch eine Wertgemeinschaft: dass wir die auffangen, die im freien Fall sind."

 

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