Franzose beim FC Bayern Bixente Lizarazu über Neuzugang: "Hernández hat den Geist eines Kämpfers"

Bixente Lizarazu schwärmt von Lucas Hernandez: "Er hat den Geist eines Kämpfers". Foto: dpa

Bixente Lizarazu spricht im AZ-Interview über den Neuzugang des FC Bayern, die French Connection der Münchner und die Zukunft von Kingsley Coman: "Ich hoffe, dass er der neue Franck Ribéry wird".

 

München - Der 49-jährige Baske (l.) spielte insgesamt acht Jahre beim FC Bayern. Er wurde sechsmal deutscher Meister und gewann 2001 die Champions League.

AZ: Herr Lizarazu, was ist Ihr wichtigster Wiesn-Tipp für die Franzosen beim FC Bayern?
BIXENTE LIZARAZU: In der ersten Nacht gut aufpassen... (lacht). Wichtig ist vor allem, zu relaxen, sich Zeit zu nehmen. Am Flughafen habe ich junge Franzosen gesehen, die das erste Mal zum Oktoberfest kamen. Sie haben Bier getrunken. Ich habe ihnen gesagt: "Leute, macht locker! Wenn ihr ein paar Tage bleibt, gebt nicht zu schnell zu viel Gas." Das ist keine gute Idee, ich kenne mich da aus.

Wie war Ihre erste Wiesn-Erfahrung?
Ich weiß noch, dass wir viele Witze über die Klamotten gemacht haben im ersten Jahr. Ich habe gedacht: Was, das Zeug soll ich anziehen? Warum? Aber dann wurde es für mich zur Tradition. Heute bin ich überglücklich, wenn ich mit Giovane Elber die Lederhose trage, feiere und singe. Diese Tradition gibt es nur in Bayern. Ich liebe das, weil mein Baskenland auch eine Region voll mit Traditionen ist. Genau wie Bayern.

"Ich werde Hernandez die Wiesn erklären"

Lucas Hernández schaute bei der Anprobe etwas skeptisch...
Ich werde ihm das erklären. Er wird es lieben!

Freut es Sie, dass es beim FC Bayern aktuell eine richtige French Connection gibt?
Ich bin sehr stolz. Jean-Pierre Papin war der erste Franzose, er war aber nur zwei Jahre in München. Ich war also der erste Franzose im Klub, der länger geblieben ist. Zu meiner Zeit ist auch noch Willy Sagnol zum FC Bayern gekommen, auch er ist lange geblieben. Danach kam natürlich noch Franck Ribéry. Wir alle hatten sehr viel Erfolg in München. Es ist fantastisch zu sehen, dass jetzt mit Kingsley Coman, Corentin Tolisso, Lucas Hernandez, Benjamin Pavard und Michaël Cuisance gleich fünf Franzosen bei Bayern spielen.

Woran liegt es, dass es immer wieder Franzosen nach München zieht?
Das ist schwer zu erklären, aber bisher hatte der Verein mit französischen Spielern großen Erfolg. Und auch für die Franzosen ist es etwas Tolles, in München zu spielen. Deswegen setzt sich diese Geschichte fort. Zu meiner Zeit waren noch nicht so viele französische Spieler in die Bundesliga gegangen. Für mich war es damals ein bisschen wie die Mondlandung: Ich war (fast) der Erste.

Welche Rolle spielt Frankreichs WM-Titel 2018?
Ich bin 1998 auch Weltmeister geworden – und schon damals wollte jeder Klub einen französischen Spieler in seinen Reihen haben. Die europäischen Vereine haben ganz genau nach Frankreich geschaut und die gute Ausbildung der jungen Talente gesehen. So ist es jetzt wieder. Seitdem Didier Deschamps als Trainer zurückgekehrt ist, ist Frankreich wieder da – mit vielen tollen Spielern. Die jungen Spieler sind technisch und physisch stark, sie lernen verschiedene Taktiken sehr schnell und können verschiedene Fußballstile spielen.

"Coman hat große Qualitäten"

Einer der französischen Hoffnungsträger ist Kingsley Coman. Glauben Sie, dass er beim FC Bayern das Erbe von Franck Ribéry antreten kann?
Das ist ein großer Schritt. Aber warum soll Kingsley das nicht schaffen können? Franck hatte eine fantastische Zeit beim FC Bayern. Und das Schwierige ist, über so einen langen Zeitraum Erfolg zu haben. Kingsley ist jung genug, hat große Qualitäten – vor allem sein Tempo und seine Dribblings. Ich hoffe für ihn, dass er keine Verletzungsprobleme mehr hat. Zuletzt bei der französischen Nationalmannschaft war er überragend und hat drei Tore in zwei Spielen geschossen. Ich hoffe, dass er der neue Ribéry wird. Das hoffe ich für den FC Bayern und die französische Auswahl. Wir haben nämlich auf einen Spieler wie ihn gewartet, der den linken offensiven Part spielen kann. Wenn Frankreich in der Offensive besser werden will, hat Kingsley auf der linken Seite eine große Chance. In Frankreich sagt man, dass seine Chance so groß ist wie ein breiter Boulevard.

Was denken Sie über Lucas Hernández?
Er ist ja erst zwei Monate vor der WM 2018 ins französische Nationalteam gekommen, im letzten Moment quasi. Das ist eine fantastische Geschichte. Er hat eine sehr gute WM gespielt. Ich habe ihn in Clairefontaine gesehen, im Trainingscamp der französischen Mann schaft. Und da habe ich ihm gesagt, dass ich stolz auf ihn bin. Er hat großes Potenzial, er ist eine sehr gute Nummer drei, also ein linker Verteidiger. Bei Bayern erwarte ich, dass er hauptsächlich in der Innenverteidigung spielen wird. Er ist gut auf beiden Positionen. Aber besonders auf der Außenposition hat er viel Potenzial, weil er gut in der Defensive und in der Offensive ist.

Er hat 80 Millionen Euro gekostet. Ist diese Summe nicht verrückt?
Natürlich ist die Summe verrückt. Wenn wir über seine Position sprechen, ist er meinem Stil schon sehr ähnlich. Es war für mich immer wichtig, gut zu verteidigen und gut anzugreifen. Für mich war es ein Vergnügen, in die Eins-gegen-eins-Duelle zu gehen. Ich habe das geliebt – gegen Figo, Beckham und wie sie alle heißen. Und Hernández ist genauso ein Typ wie ich. Er liebt diese Eins-gegen-eins-Duelle, da ist er stark, er hat diesen Geist eines Kämpfers. Und auch in der Offensive ist er gut. Aber der Preis? Wenn ich an mich denke, dann war ich sehr günstig, als Bayern mich geholt hat. Wie teuer war ich, drei Millionen?

"Wenn du beim FC Bayern ankommst, ist das speziell"

Sie haben 4,5 Millionen Euro gekostet, als Sie 1997 von Atletic Bilbao nach München gewechselt sind.
Oh, dann war ich wahrscheinlich die beste Investition, die Bayern je getätigt hat. Uli Hoeneß hat ein super Geschäft gemacht. Mein Preis war fantastisch.

Aber was würden Sie in der heutigen Zeit kosten? 90 Millionen Euro?
Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich wäre ich unbezahlbar, zu teuer (lacht).

Sie haben sich kritisch über Benjamin Pavard geäußert und gesagt, dass er sich für Bayern steigern muss.
Es war gar nicht so kritisch gemeint. Ich habe nur gesagt, dass der Schritt zwischen Stuttgart und Bayern sehr groß ist. Bayern bedeutet, dass er auf dem Top-Level angekommen ist. Pavard ist ein cleverer Typ. Er hat eine sehr gute WM gespielt, hat ein wunderschönes Tor gegen Argentinien erzielt. Nach der WM hatte er bei Stuttgart keine einfache Zeit. Aber ich bin sicher, dass er aus dieser Zeit gelernt hat. Er ist ein intelligenter Spieler, der Demut hat und viel arbeitet. Wenn du diese Qualitäten hast, wirst du dich bei Bayern verbessern. Er kann rechts hinten und in der Innenverteidigung spielen. Das ist gut und wichtig. Wenn du bei Bayern ankommst, ist das so wie bei Real Madrid oder dem FC Barcelona, das ist speziell.

Ist die Bayern-Defensive in dieser Saison besser als in der vergangenen? Mats Hummels hat den Klub verlassen.
Hummels ist ein Spieler mit viel Erfahrung. Ich war schon ein bisschen überrascht, dass er gegangen ist. Ich kenne die Gründe nicht genau. Aber für mich sind erfahrene Spieler in der Innenverteidigung wichtig. Es gibt jetzt noch Jérôme Boateng, der Erfahrung hat. Vielleicht passen Niklas Süle und Hernández ja zusammen, aber sie sind beide noch jung.

"Haben noch nicht das volle Potential von Tolisso gesehen"

Wie wird Corentin Tolisso in Frankreich gesehen?
Er ist ein sehr guter Spieler, gerade aus zwei wichtigen Gründen: Zweikampf – das ist gerade im Mittelfeld wichtig, für die Defensive. Er hat diese Aggressivität, die man braucht. Und: Er ist auch offensiv torgefährlich. Er hat den letzten Pass drauf. Und er schießt auch selber Tore, mit dem Kopf und mit dem Fuß. Es gibt nicht so viele Mittelfeldspieler, die diese beiden Aspekte so gut drauf haben. Letztes Jahr war es nicht so einfach mit der Verletzung.
Ich glaube, wir haben noch nicht das volle Potenzial von Corentin Tolisso gesehen. Deschamps hat großes Vertrauen in ihn!

Wie denken Sie über den Abschied von Uli Hoeneß?
Er war immer eine der wichtigsten Personen im Klub. Zu meiner Zeit war er ja Manager. Und er hatte die beste Beziehung zum Team. Er hat sich einfach um alle Probleme rund ums Team gekümmert, hat immer mit uns gesprochen, hat immer Lösungen gehabt. Er ist einfach sehr menschlich, sehr positiv. Bayern ist in seinem Blut. Für mich war er wirklich sehr wichtig, man kann mit ihm wirklich über alles reden. Und so war er zu jedem Spieler. Genauso Franz Beckenbauer, er war es damals, der gesagt hat: Ihr müsst Liza holen.

"Ich fahre jeden dritten Tag hundert Kilometer Rad"

Franz hat Sie zu Bayern geholt?
Ja, wir haben mit Bordeaux gegen Bayern im Uefa-Cup gespielt, er war ja damals Trainer. Und er hat gesagt: Diesen Typen müsst ihr zu Bayern holen. Deshalb muss ich sagen: Danke, Franz!

Machen Sie eigentlich noch aktiv Sport?
Ja, ich habe genug Freizeit und eine gute Balance zwischen Arbeit und Sport. Zuhause im Baskenland mache ich Jiu-Jitsu, gehe Surfen oder Skifahren. Jeden dritten Tag fahre ich hundert Kilometer mit dem Rad. Ich bin wieder fit.

Wieder?
Ja, ich hatte Ende Februar einen Unfall. Beim Surfen bin ich in einer Drei-Meter-Welle auf den Rücken gefallen und habe mir eine Sehne im Bein gerissen. Ich war fünf Sekunden bewusstlos, wusste nicht, was passiert ist. Ich bin sofort operiert worden und habe lange gebraucht, um wieder fit zu werden. Drei Monate nach dem Unfall bin ich wieder aufs Rad gestiegen. Vor zwei Monaten habe ich mich auch aufs Surfbrett gewagt.

Sind Sie die Welle im Englischen Garten mal gesurft?
Einmal – aber das ist nicht das Gleiche wie im Meer.

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