Der AZ-Check: Wie gut ist der TSV 1860 wirklich?

Nach dem Traumstart in die Saison und zuletzt vier sieglosen Spielen in Folge stehen die Löwen vor richtungsweisenden Wochen – und auch zwischen Anspruch, Wirklichkeit sowie großen Erwartungen.
| Matthias Eicher
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"Wir haben jetzt drei Mal Unentschieden gespielt und haben jetzt 'ne Vollkrise?", fragt Sascha Mölders (2.v.r.) ironisch.
"Wir haben jetzt drei Mal Unentschieden gespielt und haben jetzt 'ne Vollkrise?", fragt Sascha Mölders (2.v.r.) ironisch. © Rauchensteiner/Augenklick

München - Löwen, wie gut seid ihr wirklich? Was ist von den Giesingern in der Dritten Liga zu erwarten? Und überhaupt: Wo gehört Sechzig hin? Fragen über Fragen. Um sie zu klären, könnte man ein ganzes Buch füllen. An dieser Stelle soll ein Blick auf das erste Saisondrittel der Spielzeit 2020/21 genügen.

Günther Gorenzel, Sport-Boss des TSV 1860, zog zuletzt sein Drittel-Fazit und verwies dabei einmal mehr auf den Umbruch im Sommer. "Wie viele Punkte hatten wir in der letzten Saison zu diesem Zeitpunkt? Es waren 14 Punkte. Momentan haben wir 19 Punkte auf dem Konto", erklärte der 49-Jährige vor dem Spiel gegen Türkgücü. Nach dem 2:2 in einem umkämpften Derby sind es 20 Zähler aus 13 Spielen, damit rangiert 1860 weiter in der Spitzengruppe. Zum Vergleich: In der Vorsaison lag 1860 auf Platz 15, ein Pünktchen vor der Abstiegszone.

TSV 1860: Offensiv stark, doch defensiv eher Mittelmaß

24 erzielte Tore weisen teils furios aufspielende Sechzger dabei gemeinsam mit Tabellenführer 1. FC Saarbrücken als offensivstärkstes Team der Liga aus. Sturm-Routinier Sascha Mölders (35) sowie Jung-Leistungsträger Dennis Dressel (22) und ihren jeweils sechs Treffern sei Dank (geteilter dritter Platz in der Torjäger-Wertung). 15 Gegentore sind dagegen eher Liga-Mittelmaß.

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Unter dem Strich steht für das Team von Michael Köllner, der seine erfahrene Startformation um Oldie Mölders plus viele wilde Junglöwen weiterentwickeln wollte, um am Saisonende in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen zu liegen: Das Projekt läuft, 1860 steht derzeit genau dort, wo man in dieser Phase der Saison stehen wollte - wenn nicht sogar darüber.

An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass der TSV in der Marktwert-Tabelle im letzten Drittel rangiert - und sich zuletzt bei relativ gleichem Kapitaleinsatz stetig weiterentwickelte. Daher fragte Gorenzel rhetorisch: "Warum sollte der Umbruch mit etwa demselben Etat, wie in den letzten Jahren auch, schon abgeschlossen sein?"

TSV 1860 mit Leistungsschwankungen

Dann wäre da noch die Frage: Wie gut soll Sechzig denn sein? Fluch und Segen des so großen Traditionsvereins mit so großer Fanbasis und seinen ruhmreichen, aber lange vergangenen Erfolgen: die enorme Erwartungshaltung im Umfeld sowie der Umstand, dass sich Sechzig von Saisonbeginn weg zum Tabellenführer aufschwang. Beides rückt das Erreichte in den Augen so mancher Betrachter - garniert mit der jüngsten Ergebnis-Krise (vier sieglose Spiele) - in ein anderes Licht.

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Dabei sind Leistungsschwankungen, je jünger eine Mannschaft, völlig normal. Mölders' TV-Ausraster lässt grüßen. "Wir haben jetzt drei Mal Unentschieden gespielt und haben jetzt 'ne Vollkrise, weil wir Sechzig München sind und vorneweg marschieren müssen?", meinte der 35-Jährige im "BR" ironisch. Unprofessionell zwar, das Interview dann abzubrechen, doch in seiner Kernbotschaft nicht falsch. Blickt man auf die Voraussetzungen, sind die Giesinger kein Topfavorit.

Michael Köllner sieht die Löwen "auf einem guten Weg"

Doch zu was ist 1860 im Optimalfall zu leisten imstande, falls die Entwicklung der Köllner-Löwen voranschreitet? Kann man weiter im Feld der Aufstiegsaspiranten mitschwimmen - und im Saisonfinish gar angreifen?

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In genau diese Richtung ging Köllners Kommentar. "Die Saison dauert 38 Spieltage, erst dann wird abgerechnet", sagte der 50-Jährige: "Wer weiß, was dieser Punkt gegen Türkgücü noch wert sein kann. Wir sind auf einem guten Weg."

Fazit: Sechzig ist voll im Soll - wenngleich sich so mancher Löwe nur zu gerne mehr erhoffen, erträumen oder ergranteln würde.

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