Buhlen um jede Stimme für Landtag und Bundestag

Die Ferien bringen den letzten Schub für den Super-Wahlherbst. In mehreren Münchner Kreisen ist noch alles völlig offen. Wie die Chancen stehen  
| Willi Bock
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Die SPD-Landtagsabgeodnete Diana Stachowitz wirbt mit dieser Karte um die Stimmen von Münchner Wahlberechtigten  mit Migrationshintergrund.
6 Die SPD-Landtagsabgeodnete Diana Stachowitz wirbt mit dieser Karte um die Stimmen von Münchner Wahlberechtigten mit Migrationshintergrund.
Will neu in den Landtag: Die CSU-Stadträtin Mechthilde Wittmann.
6 Will neu in den Landtag: Die CSU-Stadträtin Mechthilde Wittmann.
Strebt in Giesing neu in den Landtag: Florian von Brunn (SPD).
ho 6 Strebt in Giesing neu in den Landtag: Florian von Brunn (SPD).
Stadtrat Robert Brannekämpper (CSU) will für Bogenhausen in den Landtag wechseln.
6 Stadtrat Robert Brannekämpper (CSU) will für Bogenhausen in den Landtag wechseln.
Bezirksrätin Ruth Waldmann (SPD) will für Milbertshofen in den Landtag. Das ist der Stimmkreis von Franz Maget, der aufhört.
6 Bezirksrätin Ruth Waldmann (SPD) will für Milbertshofen in den Landtag. Das ist der Stimmkreis von Franz Maget, der aufhört.
Florian Post (links) kandiert im Münchner Norden für die SPD zum Bundestag. Der frühere rote Stimmen-Baron Axel Berg (rechts) wurde von der SPD nicht mehr aufgestellt.
6 Florian Post (links) kandiert im Münchner Norden für die SPD zum Bundestag. Der frühere rote Stimmen-Baron Axel Berg (rechts) wurde von der SPD nicht mehr aufgestellt.

Die Ferien bringen den letzten Schub für den Super-Wahlherbst. In mehreren Münchner Kreisen ist noch alles völlig offen. Wie die Chancen stehen

München - Die Zeit läuft: Nur noch die Sommerferien trennen München von zwei entscheidenden Tagen: Der Landtags- und Bezirkstagswahl am 15. September und der Bundestagswahl zum Wiesnstart am 22. September. Mancher Alt- und Edelkandidat wähnt sich auf der sicheren Seite und zehrt ruhig von seinem Nimbus. Mancher Neuling kämpft um jede Stimme.

In acht Münchner Landtags-Stimmkreisen plus acht Stimmkreisen für die Bezirkstagswahl und in vier Bundestags-Wahlkreisen wird um die Mandate gerungen.

Um die für München wichtigste Frage gleich zu klären: Was ist mit Christian Ude? Der OB ist noch bis zum Wahltag im unbezahlten Urlaub und fegt in einem atemberaubenden Einsatz durch ganz Bayern. Er gibt die Wahl noch lange nicht verloren. So mancher Kandidat ruht da ideologiefest in Super-Udes Windschatten.

Ude hat keinen Stimmkreis, er rollt als Listenführer der Oberbayern-SPD das Land auf. Er will auch nur als Ministerpräsident in den Landtag einziehen. Sonst geht er ins Rathaus zurück, zapft die Wiesn an und bereitet sich auf die Pension zum 1. Mai 2014 vor.

Dabei sind unter den Kandidaten die Männer wieder in der Mehrzahl. Die CSU bringt es für den Bundestag auf keine Frau. Im Landtag immerhin auf eine: Mechthilde Wittmann, die kluge und kämpferische Stadträtin. Die SPD bietet drei Frauen für den Landtag auf – eine für den Bundestag.

Der Kampf lohnt sich, denn weder für den Landtag, noch für den Bundestag ist die Wahl schon gelaufen. In München gibt es spannende Duelle in mehreren offenen Stimm- und Wahlkreisen. Hier wird es zur Landtagswahl prickelnd:

SCHWABING Das Wahlkampf-Feuerwerk. Der Stimmkreis wurde schon von CSU und SPD gewonnen. 2008 ging das Direktmandat mit dürren 725 Stimmen Vorsprung an Ludwig Spaenle (CSU) vor Isabell Zacharias (SPD); Spaenle wurde mit einem Ministeramt belohnt. Hier tobt der Kampf der Großkopferten: mit Spaenle (mit dem ganzen Schulärger), Zacharias, der Grünen-Spitzenkandidatin Margarete Bause, Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) und dem Stadtrat, Landtagsabgeordneten und FDP-Deserteur Otto Bertermann (Freie Wähler). Zacharias und Bause könnten sich wieder wie 2008 gegenseitig Stimmen wegnehmen. Das wäre Spaenles Sieg.

MILBERTSHOFEN Ein Stimmkreis, der seit jeher zwischen SPD und CSU hin und her ging. Hier hatte die SPD 2008 das einzige Direktmandat in ganz Bayern gewonnen – dank Franz Maget. Der tritt aber nicht mehr an. Jetzt ist es das Revier der jungen, starken Frauen: mit Bezirksrätin Ruth Waldmann (SPD), Stadträtin Mechthilde Wittmann und der Münchner Grünen-Chefin Katharina Schulze. In dieser Konstellation ist alles drin, und sie kämpfen wie Löwinnen.

MOOSACH Im Bereich von Moosach bis Feldmoching sitzt geruhsam der CSU-Platzhirsch Joachim Unterländer. Doch seine SPD-Konkurrentin Diana Stachowitz setzt seit fünf Jahren auf stete Basisarbeit. Sie kämpft offensiv um neue Wählerschichten: Jene Migranten die wählen dürfen.

GIESING Der früher stramm rote Stimmkreis wird derzeit von Andres Lorenz (CSU) besetzt. Der Parteilinke Florian von Brunn (CSU) kämpft gegen ihn mit Mieterschutz und fühlt eine Chance.

In den übrigen Stimmkreisen ist die CSU so dominant, dass ein Wechsel eine Sensation ist: Bogenhausen Robert Brannekämper (neu, CSU) gegen Uli Pfaffmann (SPD), Ramersdorf Markus Blume (CSU), Markus Rinderspacher (SPD), Altstadt Georg Eisenreich (CSU), Andreas Lotte (neu, SPD), Pasing Otmar Bernhard (CSU), Florian Ritter (SPD). Außer den Stadträten Brannekämper und Lotte sind alle im Landtag.

 

SPD hofft auf zwei Bundestagsmandate

Seit der letzten Wahl ist München eine rote Diaspora: Alle vier Wahlkreise gingen an die CSU. Seit auch der rote Stimmen-Baron Axel Berg raus ist, hat München keinen SPD-Bundestagsabgeordneten mehr. Münchens SPD-Chef Uli Pfaffmann hat daher interveniert: Jetzt sind am 22. September zwei Münchner auf relativ sicheren Listenplätzen.

Bei Post geht die Post ab: Der Norden ging immer zwischen CSU und SPD hin und her. Zuletzt hat Johannes Singhammer den Wahlkreis knapp gewonnen. Der SPD-Neuling Florian Post hat da eine Chance. Er hat schon erlebt, wie man Stimmungen drehen kann: Im beschaulichen Leuchtenberg in der Oberpfalz wurde seine Mutter im traditionell tiefschwarzen Gebiet SPD-Bürgermeisterin. Der Stadtwerker Post hat sich unbezahlten Urlaub genommen. „Post für sie“ ist der clevere Spruch, mit dem er von Plakaten grüßt. Wenn die SPD wie 2009 mit knapp 16 Prozent abschneidet, ist er über die Liste (Platz 17) im Bundestag.

Stadträtin Claudia Tausend hat einen relativ sicheren Listenplatz (14). Sie tritt zum dritten Mal im Osten an. Ihr Konkurrent: CSU-Jüngling Wolfgang Stefinger (28). Er versucht mit Minimalaufwand die alte These zu bestätigen: Im schwarzen Osten wählen die Leute auch einen Besenstiel mit CSU-Schild.

Peter Gauweiler (im Süden gegen Christian Vorländer, SPD) und Hans-Peter Uhl (Westen, gegen Roland Fischer, SPD) dürften kaum zu schlagen sein.

 

Der Wahl-Kalender

 

Wer alles auftritt:

CSU: 5. August, Ministerpräsident Horst Seehofer im Gut Nederling (18 Uhr).

Grüne: 13. 8. Jürgen Trittin kickert im Backstage (19.30 Uhr).

CSU: 28. 8. Horst Seehofer in der Freiheizhalle.

CSU: 28. 8. Bundesumweltminister Peter Altmeier (CDU) im Augustiner.

CSU: 29. 8. InnenministerHans-Peter Friedrich.

CSU: 8. September, Agrarministerin Ilse Aigner auf dem Aubing Herbstfest.

Grüne: 10. 9. Auftritt Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt.

CSU: 12. 9. Große Abschlusskundgebung im Olympiapark.

SPD: 12.9. Kundgebung mit OB Ude und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück auf dem Odeonsplatz.

Grüne: 13.9. Kundgebung mit dem einzigen Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.

FDP: 13. 9. Kundgebung mit Philipp Rösler, Rainer Brüderle, Martin Zeil und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Stachus (17 Uhr).

CSU: 20. 9. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer auf dem Odeonsplatz (19 Uhr).

 


 

 

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