Das Ende einer Ära? Robben und Ribéry: Götterdämmerung beim FC Bayern

Zwei Legenden des FC Bayern: Arjen Robben (links) und Franck Ribéry. Im Hintergrund: Ein Bühnenbild aus Richard Wagners Götterdämmerung. Foto: AZ-Montage, dpa, firo/Augenklick (2)

Bayerns Altstar Franck Ribéry (34) brilliert beim Sieg gegen Sevilla – und trotzdem rückt der Abschied des Franzosen ebenso näher wie der von Arjen Robben (34). "Vielleicht haben sie andere Ambitionen", sagt Trainer Jupp Heynckes.

 

München - Arjen Robben marschierte unter dem grünen Schild mit der Aufschrift "Salida", also Ausgang, zum Bus, der direkt vor dem Stadion parkte und verwies mit einer lockeren Handbewegung auf: die anderen, die Mitspieler.

Sollen die doch bitte über das Spiel reden, schließlich war er selbst nur etwas mehr als zehn Minuten zum Einsatz gekommen beim 2:1 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Sevilla. Diesmal wollte sich Robben den Frust über die Verbannung auf die Bank wie beim Achtelfinal-Hinspiel gegen Besiktas Istanbul (5:0) nicht von der Seele reden. Schweigen ist Gold.

Heynckes: "Arjen wird noch unheimlich wichtig werden"

Natürlich erklärte Trainer Jupp Heynckes, warum er auf Robben (34) verzichtet hatte. "Ich muss das Ganze sehen. Wir haben viele sehr gute Spieler, und Arjen war drei Wochen verletzt. Er hat letzten Samstag 90 Minuten gespielt und dann drei Tage später schon wieder das nächste Spiel – das war mir viel zu riskant."

Kurz Luft geholt, fügte der Bayern-Trainer hinzu: "Arjen wird noch unheimlich wichtig werden, genauso wie Franck Ribéry. Samstag bekommt er wieder mehr Spielpraxis und dann nächsten Mittwoch selbstverständlich zuhause." Eine Einsatzgarantie für das Auswärtsspiel in Augsburg und das Rückspiel gegen Sevilla – immerhin.

Robben will Klarheit, Ribéry hält öffentlich still

Die Mitspieler beschäftigt es, dass Robben (34) und Ribéry, der am Samstag 35 wird, nur noch drei Monate Vertrag haben – und immer noch nicht wissen, wie ihre Karriere weiter verläuft. Kein neuer Trainer, keine Vertragsgespräche. Keine Ahnung, wo die Familien Ribéry, seit 2007 in München und Robben (seit 2009) und mit ihren Kindern im Sommer hinziehen müssen. Womit beide, betont Kapitän Thomas Müller, "top professionell umgehen" würden.

Robben hätte gerne so schnell wie möglich Klarheit. Ribéry dagegen beklagt sich öffentlich nicht, doch aus seinem Umfeld heißt es, er sei "enttäuscht" über die zögerliche Haltung der Bosse. Die chinesische Liga lockt. Irrsinnsgehälter inklusive. Robben könnte es in seine Heimat Niederlande ziehen.

Robbéry und FC Bayern: Das Ende einer Ära kündigt sich an

Mit dem derzeit verletzten Kingsley Coman (21) und dem an Hoffenheim ausgeliehenen Serge Gnabry (22) stehen die Nachfolger bereit. Heynckes hält sich in der Causa Robbéry mittlerweile raus. "Das zu entscheiden oder zu beeinflussen, ist nicht meine Aufgabe. Ich denke, dass ich mit beiden Spielern bis zum Ende der Saison erstmal top zusammenarbeiten werde. Was der Klub dann letztlich macht, muss man abwarten. Vielleicht haben die Spieler auch andere Ambitionen."

Was zumindest nicht so klingt, als wüsste Heynckes, dass die beiden noch ein Jahr bleiben. "Man muss sich manchmal auch Ruhe geben und die Dinge in aller Seriosität diskutieren, das machen wir", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Die Götterdämmerung hat begonnen, der Abschied von Robben und Ribéry, die laut Heynckes "zur DNA des Klubs" gehören, rückt näher. Das Ende einer Ära steht bevor.

Ribéry brilliert in Sevilla

Je mehr Zeit ohne ein Ja zu einem neuen Vertrag verstreicht, desto unwahrscheinlicher wird ein Verbleib. In Sevilla brilliert Ribéry, erzwang das Eigentor von Jesus Navas zum 1:1 (37.) und bereitete Thiagos Siegtreffer (68.) vor. Der Franzose habe "alles reingehauen, was er hatte", lobte Müller, "Franck ist unabhängig von den Torbeteiligungen immer noch ein ganz wichtiger Mann."

Ulreich: Robben "hat uns gepusht"

Lediglich seine Jähzorn-Attacken kann er nicht abstellen. Als Ribéry nach 13 Minuten zunächst Franco Vazquez foulte und dann Wissam Ben Yedder umstieß, war er mit Gelb gut bedient. Letztlich hatte er sich im Griff. Lesen Sie hier das Pro und Contra zum Ribéry-Ausraster!

Wie Bankdrücker Robben. "Arjen hat uns gepusht, die ganze Zeit, sehr positiv. Vorbildlich – so wie es sein muss", meinte Torhüter Sven Ulreich.

Ob das in die Entscheidungsfindung einfließt? Erst Mitte April, so Rummenigge, werde es Gespräche mit beiden geben. Ob das, mitten in der wichtigsten Saisonphase, der richtige Zeitpunkt ist? Scheiden tut weh. Oder folgt auf Enttäuschung ein letzter Energie-Schub?

Sehen Sie hier: Tritte, Frustfouls, Ohrfeigen - Immer wieder Ribéry

 

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