FC Bayern München: Deshalb ist es mit der Harmonie jetzt vorbei

Der FC Bayern kann nach dem 5:0 gegen Besiktas Istanbul schon für das Viertelfinale in der Champions League planen. Alles könnte weiterhin einfach nur gut sein beim deutschen Rekordmeister - doch das Konfliktpotenzial ist unübersehbar.
| AZ/sid
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Nach seiner Einwechslung nahm das Spiel des FC Bayern deutlich Fahrt auf: Arjen Robben.
imago/Ulmer Nach seiner Einwechslung nahm das Spiel des FC Bayern deutlich Fahrt auf: Arjen Robben.

München - Die sogenannte Charme-Offensive, die die Bayern-Bosse angeblich fahren, um ihren Lieblings-Interimscoach Jupp Heynckes zum Bleiben zu bewegen, hat der 72-Jährige in den Wochen seines Engagements - zumindest nach außen hin - auch in der Kommunikation mit seinen Stars gepflegt.

Gerade, was das Thema Rotation angeht, ist die Trainer-Legende in Sachen Moderation gefragt, solche Situationen erfordern großes Fingerspitzengefühl. Aber: Erst in diesen Tagen hat der Bayern-Trainer bis auf den immer noch seiner finalen Heilung harrenden Manuel Neuer sein gesamtes Personal zur Verfügung. Und schon rappelt's im Karton.

Der Superstar beleidigt, der Präsident genervt, der Trainer kritisch: Trotz eines Traumstarts in die K.o.-Phase der Champions League ist beim deutschen Rekordmeister von Euphorie wenig zu spüren. Im Gegenteil - es rumort im Luxus-Kader.

Jupp Heynckes sieht sich nach dem überzeugenden 5:0 (1:0) im Achtelfinal-Hinspiel gegen Besiktas Istanbul und einem deutlichen Zeichen an Europa sogar genötigt, seinen Stars angesichts des heftigen Konkurrenzkampfes eine klare Ansage zu machen.

Das Rückspiel am 14. März in der "Hölle am Bosporus"? Erst einmal Nebensache.

Was steckt hinter Robbens Ausraster? 

"Ich muss das managen - und ich mache das, was ich für richtig halte. Das muss jeder akzeptieren. Punkt", sagte Heynckes mit Nachdruck, nachdem er Arjen Robben und Franck Ribéry in der Startelf nicht berücksichtigt hatte. Lesen Sie hier die Stimmen zum 5:0-Erfolg der Bayern!

Robben, der in der 44. Minute für den verletzten James eingewechselt wurde, gefiel die Jokerrolle überhaupt nicht. "In diesen Spielen wollen alle dabei sein, ich auch. Wenn du nicht spielst, ist es eine schmerzhafte Geschichte", sagte der 34-Jährigemit säuerlicher Miene. Jedes weitere Wort sei "eines zu viel. Wenn ich darüber rede, habe ich einen Termin bei den Bossen", fügte er deutlich angesäuert an.

Die Eins für Müller und Lewandowski! Die Noten für die Roten

Fast ist man geneigt, dem Niederländer einen Plan zu unterstellen - es wirkt tatsächlich so, als handle es sich um eine gezielte Provokation des Niederländers. Als hätte er diese Worte ganz gezielt gewählt. Um den Bayern-Bossen in Sachen noch ausstehender Vertragsverlängerung auf die Sprünge zu helfen? Um durch die Blume seinen Abschied aus München anzukündigen? Immerhin wiederholte Robben seine Brandrede, die er zunächst am Sky-Mikrofon abgefeuert hatte, nur wenige Minuten später beim ZDF-Reporter.

Hochexplosive Stimmung beim FC Bayern

Und so steht fest: Die Gemengelage beim Rekordmeister ist hochexplosiv, da Heynckes zurzeit sogar drei Profis auf die Tribüne setzen muss. Gegen Besiktas waren dies Thiago, Sebastian Rudy und Juan Bernat - alles Nationalspieler. Vorbei ist es mit der zuletzt immer wieder beschworenen Harmonie im bayerischen Star-Ensemble.

Kapitän Thomas Müller appellierte deshalb bereits an seine Kollegen, die Ruhe zu bewahren und die Entscheidungen von Heynckes zu respektieren, um die großen Ziele durch interne Reibereien nicht zu gefährden. "Der Trainer hat die Qual der Wahl. Das ist schwierig für ihn", sagte Müller und unterstrich die Bedeutung der Joker - auch gegen Besiktas: "Die Einwechslungen waren für unser Spiel gut. Es kam Schwung von der Bank, das brauchen wir."

Heynckes mit erster Halbzeit nicht zufrieden

Das registrierte auch Heynckes, speziell bei Robben. "Er kam rein und war ein belebendes Element. Ich wusste das, und ich bin froh, dass ich vorne Optionen habe", betonte der 72-Jährige. Aber die Atmosphäre eines glanzvollen Kantersiegs lag im Bauch der Allianz Arena dennoch nirgendwo in der Luft. Mit der ersten Hälfte war Heynckes ohnehin nicht zufrieden. Hier gibt's die Partie im Liveticker zum Nachlesen! 

Zur Pause fand er deshalb deutliche Worte. "Kein Tempo", "keine Präzision" monierte der Bayern-Coach - zumal sein Team ab der 16. Minute und der Roten Karte gegen Domagoj Vida wegen einer Notbremse in Überzahl spielte. Das habe von außen, so Robben, "leichtsinnig ausgesehen. Es hat die Schärfe gefehlt". Gegen einen anderen Gegner würde man mit so einer Leistung, "schnell 0:2 oder 0:3 zurückliegen", merkte Jerome Boateng kritisch an.

Lesen Sie hier: Thomas Müller setzt auf tierisch guten Personal-Trainer

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