Bajuwarische Kraftprobe FC Bayern: Um diese Themen streiten Flick und Salihamidzic

Wer ist der Stärkere? Zwei Alpha-Tiere ringen aktuell um die Deutungshoheit beim FC Bayern – Hasan Salihamidzic (links) und Hansi Flick. Foto: imago images / MIS

Trotz des sportlichen Erfolgs gibt es Konflikte beim FC Bayern: Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Coach Hansi Flick liegen bei einigen Themen aktuell weit auseinander. Die AZ erklärt die Hintergründe.

 

München - Es gelingt gewiss nicht allen ehemaligen Fußballprofis, nach ihrer Karriere das alte Kampfniveau zu halten, aber Hasan Salihamidzic sieht eigentlich immer noch so aus wie früher.

Der Sportdirektor des FC Bayern, mittlerweile 43 Jahre alt, kann auf dem Spinning-Rad locker mit den jungen Stars mithalten. Und wenn man ihn bei seinen Jogging-Runden durch den Perlacher Forst beobachtet, scheint die Zeit beinahe stehengeblieben zu sein: Hat sich Brazzo nicht erst neulich legendäre Duelle mit Reals Roberto Carlos geliefert?

Der FC Bayern beschäftigt einen vitalen und kraftvollen Sportchef. Diese Eigenschaften braucht Salihamidzic gerade ebenso wie taktisches Geschick, denn er wird gefordert wie nie.

Flick zweifelt an Sané-Transfer, Salihamidzic skeptisch bei Werner

Mitten in der Corona-Krise zeichnet sich ab, dass Leroy Sané (24), Brazzos Wunschspieler, wohl eher nicht zu Bayern wechseln wird. Der "Kicker" schreibt von einem "klaren Trend" gegen eine Sané-Verpflichtung. Bei dieser Personalie und auch in anderen Fragen liegen Salihamidzic und Trainer Hansi Flick (55/ebenfalls noch ziemlich fit) zum Teil weit auseinander. Woran das liegt? Die AZ erklärt die bajuwarische Kraftprobe zwischen den beiden Bayern-Machern:

Thema Neuverpflichtungen: Laut "Kicker" gibt es bei Sané intern "Zweifel an der Mentalität" des Spielers. Die Münchner sollen verwundert sein, dass Sané nach seinem Beraterwechsel Abstand nahm von der bereits getroffenen Vereinbarung über einen Wechsel – und neu verhandeln wollte. Flick fiel, so hört man, intern nie als treibende Kraft des Transfers auf. Zu seinen bevorzugten Spielern für die Zukunft zählen Kai Havertz (20) und Timo Werner (24). Bei Werner ist wiederum Sané-Fan Salihamidzic skeptisch. Es stellt sich die grundsätzliche Frage, wie viel Einfluss ein Trainer in Sachen Neuverpflichtungen haben darf.

Flick ging bereits im Winter in die Offensive, als er öffentlich einen Rechtsverteidiger forderte. Salihamidzic gefiel das überhaupt, er holte dann aber doch Alvaro Odriozola (24). Einen Spieler, für den Flick kaum Verwendung hat.

Wie der "Kicker" weiter berichtet, habe Flicks Wunsch nach einem Veto-Recht bei Transfers die Bayern-Verantwortliche irritiert. Vorstand Oliver Kahn meinte dazu in der "Sport Bild", dass ein Trainer "ein ganz wichtiger Faktor bei unseren Transferüberlegungen" sei – und seine Überlegungen einbringen solle. Man sei sich "aber absolut einig darüber, dass am Ende der Klub immer über allem steht".

Flick will Neuer, Müller, Thiago und Alaba behalten

Thema Vertragsverlängerungen: Flick kann es nicht gefallen haben, dass sein Abwehrchef David Alaba (27) zu einem Tauschgeschäft mit Manchester Citys Sané bewegt werden sollte. Der Trainer würde Alaba gern weiter in seinem Team haben – genauso wie Manuel Neuer (34), Thomas Müller (30) und Thiago (28), deren Verträge alle 2021 enden. Diese arrivierten Spieler gehören zur Flick-Achse.

Bayerns Führungsteam hingegen will mit besagten Stars nicht um jeden Preis verlängern. Speziell Salihamidzic ist daran interessiert, dass seine sündhaft teure Verpflichtung Lucas Hernández (24/80 Millionen) auf mehr Spielzeit kommt. Bei Flick sind allerdings Alaba und Alphonso Davies (19) auf den Hernández-Positionen gesetzt. Auch hier gibt es einen Konflikt.

Thema Vereinspolitik: Salihamidzic war und ist ein Vertrauter von Uli Hoeneß, der sich aus dem Tagesgeschäft verabschiedet hat, mit Präsident Herbert Hainer (65) und Kahn (50) aber weiter wichtige Entscheider seine Freunde nennt. Flicks Arbeit wird speziell von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bewundert, in fußballspezifischen Fragen steht der Klub geschlossen hinter ihm. Aber das ist bei Bayern eben nicht alles – eine kluge Politik gehört auch dazu...

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