Das turbulente Jahr des TSV 1860 München: Kopf statt Bauch

Sechzigs geschasster Kapitän Sascha Mölders steht sinnbildlich für das Löwen-Jahr. Es war eine steile Achterbahnfahrt: zuerst ganz oben, ohne die finale Krönung des Aufstiegs - und plötzlich ganz unten.
| Matthias Eicher
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Wohin führt der Weg von Sascha Mölders nun?
Wohin führt der Weg von Sascha Mölders nun? © imago images/Revierfoto

München - Was für ein turbulentes Jahr für die Blauen - 2021. Voller Höhen und Aufstiegshoffnungen. Voller Tiefen wie dem zerplatzten Zweitliga-Traum. Kein Löwe verkörpert das Auf und Ab der Löwen so sinnbildlich wie "die Wampe von Giesing".

Das erste halbe Jahr stand für Sascha Mölders und Co. im Zeichen von "A" wie Aufstiegskampf: Der Torjäger und Kapitän des TSV 1860 stieg zum ältesten Torschützenkönig im deutschen Profifußball auf: Mit 36 Jahren und 22 Volltreffern, da ist doch noch lange nicht Schluss, oder?

Unvergessen: Der Seitfallzieher von Sascha Mölders im Spiel des TSV 1860 am 10. April 2021 gegen den SC Verl (3:2).
Unvergessen: Der Seitfallzieher von Sascha Mölders im Spiel des TSV 1860 am 10. April 2021 gegen den SC Verl (3:2). © imago images/Sven Simon

Nach dem verpatzten Aufstiegs-Finale beim FC Ingolstadt 04 (1:3) in der Spielzeit 2021/22 lief es trotz früh eingetüteter Sommer-Neuzugänge (Marcel Bär, Yannick Deichmann, Kevin Goden) alles andere als rund.

Demontiertes Denkmal: Das Aus für Sascha Mölders

Weil sich Mölders neben vergleichsweise chronischer Zahnlosigkeit (nur noch fünf Tore und vier Assists in 18 Spielen) auch mehrere Auseinandersetzungen mit Mitspielern und Funktionären sowie Undiszipliniertheiten leistete wie kein Zweiter, kam es, wie es kommen musste, aber kaum einer für möglich gehalten hatte: Der Alpha-Löwe wurde abgesägt. "A" wie Aus bei Sechzig. Wenn man so will, ein ziemlich wampertes Jahr bei den Blauen.

Flut von Unentschieden: Köllner und Gorenzel geraten in die Kritik

Cheftrainer Michael Köllner, von vielen Sechzger-Fans fast heiliggesprochen, wurde ebenfalls auf den Boden der Tatsachen zurückgeworfen. Gemeinsam mit Sportchef Günther Gorenzel geriet der Oberpfälzer aufgrund einer Unentschieden-Flut (acht Stück an der Zahl) und einem plötzlich gar nicht mehr so schick anzusehenden Sechzger-Fußball in die Kritik.

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"Köllner raus", forderten nicht wenige Anhänger, wohingegen die Bosse um Präsident Reisinger und Investor Hasan Ismaik fast unisono verkündeten: "Trainer Michael Köllner steht nicht zur Disposition!" Dennoch rutschte der TSV 1860 tief in Tabellenregionen hinunter, in denen es heißt: "A" wie Abstiegskampf.

Die furiosen DFB-Pokal-Triumphe gegen die Zweitligisten Darmstadt 98 (im Elfmeterschießen) und Schalke 04 (1:0) zeigten ebenso wie der 6:0-Kantersieg gegen den SC Freiburg II: Sechzig kann! Zumindest dann, wenn es um Kampf und Leidenschaft geht, vielleicht gepaart mit einer Prise Spielglück. Zum Leidwesen musste Köllner trotz oder gerade wegen der immensen Erwartungshaltung erkennen: "Uns fehlt die Konstanz."

Kollektiv-Leistung der Löwen in Spiel eins nach Sascha Mölders

Geschäftsführer Gorenzel dagegen wurde von Geldgeber Ismaik und in keiner seiner Botschaften erwähnt - der Sport-Geschäftsführer war angezählt. Gerüchte rankten sich schon um Ex-Löwe Horst Heldt als Nachfolger. Letzten Endes hat es 1860 doch noch geschafft, die neue Vereinsphilosophie der Konstanz und Kontinuität nicht bei der erstbesten Krise wieder über den Haufen zu werfen. Der 2:0-Auswärtssieg bei Borussia Dortmund II in Spiel eins nach Möllers sprach Bände, denn er wurde mit einer starken Kollektiv-Leistung eingefahren.

Die sportlichen Erfolge der Vorjahre, aber auch die neue Harmonie auf Giesings Höhen haben auch Finanz-Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer dabei geholfen, als Mann der Zahlen einen soliden Status an der Grünwalder Straße zu erreichen. Der einstige Boss von den Stuttgarter Kickers punktet durch seine sympathische Art, zudem zaubert er immer wieder neue Sponsoren aus dem Hut.

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Der Umbau des Grünwalder Stadions stockt

Auch Hauptsponsor "die Bayerische" weitet seine Zusammenarbeit mit den Löwen aus, was für Sechzigs Planungssicherheit positiv zu bewerten ist. Einziges Problem: Der Versicherer wird sein Sponsoring nach AZ-Informationen allerdings reduzieren, weshalb Gorenzel und Pfeifer künftig kleinere Brötchen backen müssen.

Dann wäre da auch noch die Stadionfrage: Der Umbau des Grünwalder Stadions stockt, die Kosten sollen nun schon 60 Millionen betragen. Schon jetzt zeichnet sich ab: Ohne Mieterhöhung wird es nicht gehen.

Die sportlichen Aussichten sind mit Platz zehn nach Abschluss der Hinrunde der zu Saisonbeginn hochgelobten Löwen nicht gerade rosig. Dennoch schielen Köllner und Co. ohne Mölders, aber mit neuem Teamspirit auf eine neuerliche Aufholjagd.

Womit wir am Ende dann doch wieder bei der "Wampe von Giesing" wären: der 19. Dezember 2021 ist es schließlich geworden - der Tag der Scheidung zwischen Sechzig und seinem einstigen "Fußballgott". Es gilt: Kopf statt Bauch.

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