FC Bayern unter Heynckes: Rotation? Nein, danke!

Die Bayern blühen unter Jupp Heynckes auf, wie das 3:0 gegen Celtic Glasgow beweist. Der Trainer setzt auf bewährte Kräfte, davon profitiert insbesondere Thomas Müller. Es gibt aber auch große Verlierer.
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Wieder in der Spur: die Bayern feiern den Sieg gegen Celtic.
dpa Wieder in der Spur: die Bayern feiern den Sieg gegen Celtic.

München - Laut Duden bedeutet Rotation eine Drehung um die eigene Achse. Die Erde etwa dreht sich um sich selbst. Was das mit dem FC Bayern und Jupp Heynckes zu tun hat?

Nun ja, an der Säbener Straße rotiert man auch, oft um sich selbst, das ist Teil der Klub-DNA "Mia san mia". Mal Folklore, mal Kraftquelle. Anfang Oktober, nachdem die Bosse Carlo Ancelotti infolge des Ergebnis-Bebens von Paris (0:3) und der Erschütterungen im Binnenverhältnis Mannschaft/Trainer hinauskatapultiert hatten, rotierte Präsident Uli Hoeneß so oft um seine eigene Achse, bis er gedanklich in der Saison 2012/13, der Triple-Spielzeit, landete.

Bei Heynckes. Früher war manches besser, dachte sich Hoeneß und rotierte den 72-Jährigen aus seinem Rentnerdasein. Bei Bayern dreht der die Zeit zurück. Mit Erfolg. Jupps Zeitmaschine sammelte Werte wie Disziplin, Respekt, Anstand, Zusammenhalt plus sportliche Attribute wie eine stabile Defensive. Für Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge war Heynckes "nie richtig weg. Er hat seine Arbeit dort fortgesetzt, wo er 2013 aufgehört hat." Einmal die Mannschaft komplett herunterfahren und wiederherstellen.

Thomas Müller, der große Gewinner

Siehe an: Neustart geglückt, das Update ist installiert. Vor allem Thomas Müller läuft wieder einwandfrei. Beim 3:0 gegen Celtic Glasgow im dritten Spiel der Gruppenphase traf er zum 1:0. Mit Näschen und Wucht. Es war erst sein zweites Tor im 13. Pflichtspiel der Saison. Zu wenig für Müller, den Weltmeister, den Kapitän in Abwesenheit des verletzten Manuel Neuer. Welche Bedeutung und Klasse Müller hat, zeigt diese Statistik: Der 28-Jährige ist der erste Deutsche, der in zehn Champions-League-Spielzeiten (natürlich hintereinander!) getroffen hat. Nummer 40 im 92. Match gegen die Schotten, Nummer eins am 10. März 2009 beim 7:1 gegen Sporting Lissabon – scheinbar Lichtjahre her. Oder achteinhalb Umdrehungen der Erde um die Sonne.

Planet Müller ist wieder auf Kurs. Weil Heynckes das ständige rein- und rausrotieren der Stammkräfte, was Vorgänger Ancelotti zum Verhängnis wurde, ausgesetzt hat. Rotation? Nein, danke! Was besonders Müller gut bekommt. Vertrauen verleiht Flügel.

"Thomas hat ein überragendes Spiel gemacht, hat sehr viel gearbeitet, nach hinten Löcher gestopft, war viel unterwegs – da habe ich wieder ein Stück weit den Thomas Müller gesehen, wie ich ihn hier kenne", sagte Heynckes. Auch den Torjäger Müller, der in den zwei Jahren unter Heynckes von 2011 bis 2013 in 100 Spielen 34 Tore erzielte und sich mit 37 Vorlagen auszeichnete. Unter Pep Guardiola galt die alte Maxime von Müller-Förderer Louis van Gaal ("Müller spielt immer") nicht mehr, auch Ancelotti setzte ihn in den entscheidenden Matches auf die Bank. Müller litt, hat nun aber wieder Spaß: "Ich hoffe, mein Tor war ein Aufgalopp für die nächsten Wochen."

James und Tolisso, die großen Verlierer?

Ob er der größte Profiteur der Heynckes-Rückkehr sei? "Das werden wir sehen. Ich hoffe, die Mannschaft ist der größte Profiteur." Nicht alle. Die etablierten Spieler wie Jérôme Boateng und Mats Hummels in der Innenverteidigung, sie sind wie Arjen Robben und Müller gesetzt. Die Verlierer: James Rodríguez, den man auf Wunsch von Ancelotti von Reals Ersatzbank verpflichtet hat, und Corentin Tolisso, der Rekordimport, für den man 41,5 Millionen an Lyon überwiesen hat. Wie Arturo Vidal und Niklas Süle (für 20 Mio. Euro aus Hoffenheim geholt) kommen sie aktuell nur auf Kurzeinsätze.

Heynckes wechselte nach dem 5:0 gegen Freiburg nur eine Position, verletzungsbedingt kam Rudy für Martínez rein. Er wollte seine ersten beiden Spiele gewinnen, dabei "Sicherheit tanken, Rückenwind bekommen, keine Experimente". Daher habe der Trainer "mit den Spielern, die nicht gespielt haben, mehr gesprochen als mit den anderen. Sie wissen, dass sie ihre Chancen, ihre Spiele bekommen. Wir haben ein riesiges Programm vor uns."

Bleibt die Startelf auch am Samstag beim Hamburger SV? "Wenn der ein oder andere eine Pause braucht, werde ich wechseln", sagte Heynckes und relativierte: "Es sind Hochleistungsprofis, die auch drei Spiele in einer Woche absolvieren können."

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