FC Bayern und der Corona-Titel

Bereits am Samstag kann der FC Bayern die achte Meisterschaft in Serie holen. "So weit denken wir nicht, ich rechne null damit", sagt Trainer Flick. Die Feierlichkeiten würden im Zeichen des Virus stehen.
| Patrick Strasser
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Der achte Meister-Titel in Serie, der 30. in der Klubhistorie, wird für die Bayern um Robert Lewandowski ein sehr skurriler sein. Er wird als Corona-Titel in die Geschichte eingehen.
Christof Stache/AFP/Pool/dpa, AZ-Montage Der achte Meister-Titel in Serie, der 30. in der Klubhistorie, wird für die Bayern um Robert Lewandowski ein sehr skurriler sein. Er wird als Corona-Titel in die Geschichte eingehen.

München - Um circa 17.20 Uhr oder etwas später, falls es ein paar Video-Checks strittiger Szenen gibt, wissen die Bayern Bescheid. Die mögliche Vorab-Meisterschaft am 31. Spieltag hängt an der Nachmittagspartie zwischen Fortuna Düsseldorf und Bayern-Verfolger Borussia Dortmund, die um 15.30 Uhr angepfiffen wird.

Nur, wenn der BVB verliert – was letzte Saison in Düsseldorf mit 1:2 tatsächlich geschah – könnten die Münchner am frühen Abend in der Allianz Arena mit einem Erfolg über Borussia Mönchengladbach den Titel einfahren. Denn dann wären es drei Spieltage vor Ende zehn Punkte Vorsprung auf die Schwarz-Gelben. Also: Zieldurchlauf zu Bayerns Meistertitel Nummer 30 der Vereinshistorie. Aber: Wäre, wäre – genau: Fahrradkette (Gruß an Lothar Matthäus!).

Flick: "So weit denken wir nicht. Ich rechne da null mit"

Was wäre, wenn... – Trainer lieben solche Reporterfragen. Die AZ hat sie dennoch Hansi Flick, dessen bisher einziger Titel als Chefcoach die Meisterschaft 2001 mit TSG Hoffenheim in der Oberliga Baden-Württemberg war, auf der Cyber-Pressekonferenz am Freitag gestellt. "So weit denken wir nicht. Ich rechne da null mit", sagte Bayerns Trainer und wehrte das Thema ab: "Wir müssen zuerst unser Spiel gegen Gladbach gewinnen, das Spiel ernst nehmen und nicht über eine mögliche Feier sprechen."

So tickt Flick. Authentisch, ehrlich. Ein Mensch der Gegenwart, wie er gerne betont. Der 55-Jährige, der als Spieler mit Bayern vier Mal Meister wurde (1986, 1987, 1989, 1990) denkt tatsächlich von Spiel zu Spiel, nicht von Titel zu Titel – auch wenn noch einige in dieser verlängerten Saison folgen könnten. Die Umstände und Kontaktbeschränkungen in Zeiten der Corona-Pandemie geben aktuell die Abläufe vor. "Ich weiß gar nicht, ob wir abends zusammenkommen dürften", meinte Flick, "dazu haben wir unseren Hygienebeauftragten." Vielleicht per Online-Schalte oder Video-Telefonaten. Ein Prosit auf die Meisterschaft im Gruppenchat! Virtuelles Anstoßen von heimischer Couch zu Couch – Vorteil: Dann muss auch keiner mehr fahren. Die Corona-Schale als Zeitgeist-Event, Geselligkeit auf Distanz.

Dank Corona: Meisterfeier wird eher steril und nüchtern

Die achte Meisterschaft in Serie wird – wann auch immer Stichtag ist – im Vergleich zu vorherigen Feten ganz anders als gewohnt ablaufen: eher steril und nüchtern.

Vor allem, weil der Hauptpart fehlt: die Emotionen der Fans im Stadion. Gestrichen sind außerdem für den zukünftigen Geister-Champion:

Der Einmarsch der Meisterspieler im Spalier der Klub-Legenden des Vereins, überwiegend in bayerischer Tracht, ein zuletzt lieb gewonnenes Ritual in der Allianz Arena. Sepp Maier gratuliert Manuel Neuer, Katsche Schwarzenbeck huldigt David Alaba, Giovane Elber witzelt mit Robert Lewandowski – alles nicht möglich.

Die Konfettikanonen und obligatorischen Weißbierduschen auf dem Rasen fallen wegen der Hygiene-Auflagen ebenfalls aus - zum Ärger des Biersponsors Paulaner.

Wann gibt es die Meisterschale?

Unklar ist noch, wann (am letzten Spieltag in zwei Wochen tritt Bayern in Wolfsburg an oder doch schon am kommenden Wochenende nach dem Heimspiel gegen Freiburg?) und mit welchen Personen die DFL die Meisterschale übergibt. Das ansonsten am Mittelkreis aufgebaute Podest wird fehlen. Zu eng, zu nah. Analog zur Pokalübergabe an den österreichischen Cupsieger RB Salzburg vor zwei Wochen könnten Spieler und Betreuer auf einem Sponsorenteppich "feiern". Mit vorgefertigten Kreisen, in denen sie sich aufstellen dürfen – inklusive Mindestabstand zum Nebenmann.

Die Marienplatz-Sause fällt ebenfalls aus, der Rathausbalkon wird leer bleiben. "Heuer wegen der coronabedingten Einschränkungen leider unvorstellbar", erklärte Oberbürgermeister und Bayern-Fan Dieter Reiter (SPD). Nicht auszuschließen: Falls die Bayern nach dem Champions-League-Finale (22. oder 23. August) mit dem Henkelpott nach München heimkehren, ist vielleicht doch eine öffentliche Party mit – wenigen – Fans möglich.

Wer weiß das heute schon?

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