Beim FC Bayern brodelt's: Corona ist nicht das einzige Reizthema

Die Impfverweigerer, die sich in Quarantäne befinden, sorgen für Unruhe beim FC Bayern. Leiten sie rechtliche Schritte gegen den Verein ein? Trainer Nagelsmann beklagt, dass Interna öffentlich werden.
| Patrick Strasser
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Bayern-Trainer Julian Nagelsmann versucht den internen Impf-Konflikt abzumoderieren: "Eine Gruppe muss nicht mega-homogen sein. Ich denke nicht, dass die Mannschaft daran zerbricht. Es ist eine Situation, an der man wachsen kann - und sollte."
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann versucht den internen Impf-Konflikt abzumoderieren: "Eine Gruppe muss nicht mega-homogen sein. Ich denke nicht, dass die Mannschaft daran zerbricht. Es ist eine Situation, an der man wachsen kann - und sollte." © Matthias Balk/dpa

München - In Kiew reicht dem FC Bayern ein Punkt zum Gruppensieg. Ein (erster) Pieks bei den fünf Betroffenen würde den ganzen Verein befrieden. Corona ist DAS Reizthema der vergangenen Wochen, das die Vereinsbosse kolossal nervt und das Team zu spalten droht.

Corona-Ausfälle sind weiter das bestimmende Thema beim FC Bayern

Die Corona-Fälle der letzten Zeit (Niklas Süle und Josip Stanisic), die neuerlichen Quarantäne-Kandidaten (Serge Gnabry, Jamal Musiala, Eric-Maxim Choupo-Moting und Michaël Cuisance) und an der Speerspitze der Problematik Joshua Kimmich - sie alle belasten den FC Bayern. Die positiv getestete Kontaktperson im unmittelbaren Umfeld der Mannschaft war laut "Bild" der Technische Direktor Marco Neppe.

Kimmich, der selbsterklärte Impfskeptiker, hatte sich am Donnerstag bereits ein zweites Mal für mindestens eine Woche - bestenfalls - in die häusliche Isolation begeben müssen. Klar, dass es vor der Abreise des Münchner Trosses in die ukrainische Hauptstadt zum - tabellarisch unbedeutenden - Gruppenspiel der Champions League bei Dynamo Kiew (18.45 Uhr, DAZN und im AZ-Liveticker) fast nur ein Thema gab auf der Pressekonferenz.

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Trainer Julian Nagelsmann musste erneut Auskunft zum Verlauf der Infektionen bzw. Quarantäne geben. Allen Profis gehe es "gut". Süle konnte sich am Montag freitesten und steht nach einer Untersuchung im Liga-Heimspiel gegen Bielefeld wohl wieder zur Verfügung. Stanisic ebenso, der Kroate könnte am Dienstag mit einem negativen PCR-Test wieder ins Training einsteigen.

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Und das Quarantäne-Quintett? Test nach je sieben Tagen, Kimmich am Donnerstag, die anderen am Samstag. Wenn symptomfrei, ab in die Freiheit. Nagelsmann: "Man kann das schwer prognostizieren. Ich habe nicht immer einen direkten Draht zum Virus und sage: Gefällst du den Menschen oder nicht?" Unterton: Latent genervt, mit einem Witzchen überspielt von Nagelsmann, dem andere Themen lieber wären.

Ist nicht drin. Längst geht es um mehr: um Solidarität, um den Teamgedanken, um eine möglicherweise separierte Trainingsgruppe - die der ungeimpften Profis, die sich ins Abseits manövriert haben. Und um Gehaltskürzungen. In Sachen Verdienstausfall sollen die Betroffenen laut "Bayerischem Rundfunk" überlegen, ob sie rechtliche Schritte einleiten wollen.

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Gegen den Verein - dann droht eine Eskalation. Mannschaftsarzt Dr. Roland Schmidt hatte mehrfach die Wichtigkeit einer Impfung hervorgehoben, die sportliche Führung um Sportvorstand Hasan Salihamidzic warnte vor einer Situation, wie sie nun eingetreten ist - und im Laufe der vierten Infektionswelle immer wieder auftreten kann. Nagelsmann versuchte den internen Konflikt etwas abzumoderieren: "Eine Gruppe muss nicht mega-homogen sein. Ich denke nicht, dass die Mannschaft daran zerbricht. Es ist eine Situation, an der man wachsen kann - und sollte."

Sané: "Ich bin geimpft und stehe dafür, dass man sich impfen soll" 

Seine Mahnung: "Durch eine Nicht-Impfung ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass was passiert. Das kann man einen Tick mehr beeinflussen als einen Kreuzbandriss." Leroy Sané, im Juli mit dem Spruch "Ich tu's für die Hobby-Kicker" selbst Testimonial einer Impfkampagne des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, sagte am Montag: "Ich bin geimpft und stehe dafür, dass man sich impfen soll. Ich habe es bei Serge erwähnt. Ich will, dass sie uns helfen können. Sie sind wichtige, gute Spieler. Wir als Team wollen sie dabei haben. Ich respektiere aber auch deren Entscheidung."

Klingt nach viel Redebedarf. Was immer Gefahren birgt bei einem Verein, der den Beinamen "FC Hollywood" zurecht trägt. "Die Störgeräusche gehören zum FC Bayern dazu", weiß Nagelsmann längst, beklagte sich jedoch: "Ich finde es nicht glücklich, dass Interna - von wem auch immer - ausgeplaudert werden. Das ist nicht förderlich. Aber es sind keine Dinge, die unseren sportlichen Erfolg extrem gefährden."

Der 34-Jährige wurde dennoch deutlich: "Die Frage ist, ob man sagt: Das war schon immer so, und wir machen weiter. Oder ob man versucht, der Sache Herr zu werden. Es wäre schön, wenn es verschlossener wäre. Es ist sicher nicht der gesündeste Teil des Business." Das nächste Reizthema ist ante portas.

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