Kommentar

Bayern kann schon den zehnten Titel in Folge einplanen

Der AZ-Bayern-Reporter Patrick Strasser über den neunten Münchner Titel in Serie.
| Patrick Strasser
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Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge kam zu Chefcoach Hansi Flick ins Trainerbüro, um mit Champagner auf dessen zweiten Meistertitel anzustoßen. Die Spieler tanzten nach der 6:0-Machtdemonstration gegen Gladbach rund um den Mittelkreis Arm in Arm, Schulter an Schulter und brüllten "Campeones! Campeones!". Doch ohne Fans in der Arena und - noch - ohne Schale war's nicht mal die halbe Meisterstimmung. Beim neunten Titel hintereinander mischten sich Freude und Routine.

Zumal die Bayern Titel Nummer zehn im Grunde schon einplanen können. Selbst in einer Spielzeit, in der sich die Münchner keineswegs krisenfest zeigten und der Machtkampf um Kompetenzen zwischen Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic den Verein erschütterte, war die Konkurrenz chancenlos. Dabei wirkte die Mannschaft nicht mehr so unschlagbar wie in der Triple-Saison. 40 Gegentreffer zeugen von Instabilität in einem Team, das keine qualitative Kadertiefe auf höchstem Niveau hat. Das viel zu frühe Pokal-Aus in Runde zwei bei Zweitligist Kiel und der unglückliche K.o. im Champions-League-Viertelfinale bei Paris St.-Germain waren die Folgen und trüben das Gesamtbild.

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Tritt Julian Nagelsmann ein zu schweres Erbe an? 

Erfolgstrainer Flick bat um vorzeitige Vertragsauflösung - natürlich auch, weil ihm der Bundestrainerjob winkt. Reißt nun das bayerische Meister-Abo? Tritt Julian Nagelsmann ein zu schweres Erbe an? Keineswegs! Mit Nagelsmann kommt der hoffnungsvollste und talentierteste Trainer der Szene zum Branchenprimus.

Er bringt den Schalensammlern von der Säbener einen neuen Impuls, Top-Innenverteidiger Dayot Upamecano hatte man bereits zuvor verpflichtet. Damit ist Leipzig, zuletzt aussichtsreichster Verfolger der Bayern, geschwächt, steht vor einem Neuanfang. Und die Wundertüte BVB sortiert sich mit Trainer Marco Rose neu, kann mit dem Verbleib von Erling Haaland nicht sicher rechnen. Die Bayern verlieren mit den Abgängen von David Alaba (freiwillig zu Real Madrid) und Jérôme Boateng (unfreiwillig) zwei Säulen der Meisterelf - und weil auch Javi Martínez gehen muss, drei Autoritäten in der Kabine. Doch hinter den Oldies Manuel Neuer, Thomas Müller und Robert Lewandowski wächst längst die nächste Führungsspieler-Generation um Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Kingsley Coman, Serge Gnabry und Leroy Sané heran. Deren Verträge (mit Ausnahme des erst letzten Sommer verpflichteten Sané) in der nächsten Saison zu verlängern, wird schwieriger, als 2022 den nächsten Meistertanz aufführen zu können.

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