Bayern-Coach Flick: Plötzlich unter Druck

Thiagos Wechsel zu Liverpool ist endlich fix: Mit dem Spanier verliert Hansi Flick einen Leistungsträger. Wer ihn ersetzen soll, ist längst nicht die einzige Frage, die den Triple-Trainer aktuell beschäftigt.
| Patrick Strasser
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"Klar habe ich öfters versucht, ihn umzustimmen", das sagt Bayern-Coach Hansi Flick (l.) zum endgültigen Abschied von Thiago.
imago images/Sven Simon/Frank Hoermann/ Pool 2 "Klar habe ich öfters versucht, ihn umzustimmen", das sagt Bayern-Coach Hansi Flick (l.) zum endgültigen Abschied von Thiago.
Könnte die Thiago-Lücke indirekt schließen: Sergino Dest.
imago images/Pro Shots 2 Könnte die Thiago-Lücke indirekt schließen: Sergino Dest.

München - Der monatelange Poker ist beendet - nix war's mit Thiagos Verbleib. Für rund 30 Millionen Euro Ablöse wechselt der 29-jährige Spanier nach sieben Jahren in München in die Premier League.

Karl-Heinz Rummenigge bestätigte am Donnerstag, "dass sich der FC Bayern mit dem FC Liverpool final geeinigt hat. Es war sein großer Wunsch, zum Ende seiner Karriere noch einmal etwas Neues zu machen", sagte Bayerns Vorstandschef bei "Bild live". 235 Pflichtspiele (31 Tore, 37 Vorlagen) - so die Bilanz von Thiago, der siebenmal Meister und viermal Pokalsieger wurde, zum Abschluss den Henkelpott der Königsklasse gewann.

Flick versuchte Thiago umzustimmen

Für die Bayern angesichts des 2021 auslaufenden Vertrages und der 25 Millionen Ablöse von 2013 ein gutes Geschäft. Aber sportlich ein zu großer Verlust? "Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, der der Mannschaft viel gegeben hat. Ich kann Kloppo (Liverpool-Coach Jürgen Klopp, d. Red.) nur gratulieren. Er bekommt einen Topspieler und einen super Menschen", sagte Bayern-Trainer Hansi Flick. Die Verabschiedung in der Kabine sei "sehr emotional" gewesen, es sei Thiago "schwergefallen". Flick: "Klar habe ich öfter versucht, ihn umzustimmen. Aber im Leben fängt vieles neu an."

Am Freitag etwa die neue Bundesliga-Saison mit dem Auftaktspiel der Bayern gegen den FC Schalke (20.30 Uhr/ZDF, DAZN und im AZ-Liveticker). Wird's ohne Thiago nix? Oder bekommt Flick nun rasch personellen Nachschlag? "Wir haben Alternativen und ich bin guter Dinge, dass Hasan (Sportdirektor Salihamidzic, d.Red.) und sein Team den Kader qualitativ aufrüsten. Wir sind guten Mutes, dass wir noch etwas machen können. Wir sind positiv und haben noch etwas Zeit." Bis spätestens 5. Oktober, so spät schließt Corona-bedingt dieses Jahr das Sommer-Transferfenster.

Wird Corentin Tolisso der Thiago-Ersatz?

Doch wie fängt Flick Thiagos Abgang auf? Intern und mit einem Rechtsverteidiger. Corentin Tolisso (26), seit 2017 bei Bayern und von vielen Blessuren geplagt, rückt in der Mittelfeld-Hierarchie auf. Er wird die erste Alternative zur Zentrale um Joshua Kimmich und Leon Goretzka. "Coco hat im letzten Jahr durch kleinere Verletzungen oft den Rhythmus verloren", erklärte Flick, "ich bin froh, dass wir aktuell einen topfitten Coco haben und gespannt, wie er seine Qualitäten einbringt." Dazu soll Sergiño Dest (19/Ajax Amsterdam) kommen, die Holländer fordern für den Rechtsverteidiger 15 bis 20 Millionen Euro Ablöse. Kommt Dest, kann Kimmich dauerhaft im Zentrum bleiben und muss nicht hinten rechts aushelfen, falls Benjamin Pavard mal fehlt.

Könnte die Thiago-Lücke indirekt schließen: Sergino Dest.
Könnte die Thiago-Lücke indirekt schließen: Sergino Dest. © imago images/Pro Shots

Transferthemen und Vertragspoker überlagern den Saisonstart, dazu kommt die extrem kurze Vorbereitung vor dem ersten Pflichtspiel. "Ich habe der Mannschaft gesagt, dass es nicht wichtig ist, wie groß der erste Schritt ist, sondern dass man auf dem richtigen Weg ist", meinte Flick, der gegen Schalke Leroy Sané, den teuersten Neuzugang der Liga in diesem Sommer, aufstellen wird - auch weil er auf Kingsley Coman weiter verzichten muss (Quarantäne nach Corona-Kontakt). Egal, wer spielt, Flick hat plötzlich Druck. Er kann nur verlieren - negativ formuliert. Andererseits kann er Sieg für Sieg, Trophäe für Trophäe an seinem eigenen Denkmal weiter bauen.

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Kann Flick sein Team nach dem Triple noch motivieren?

Die Saison wird für den 55-Jährigen eine Frage der richtigen Ansprache, um genau die Motivation, den Hunger und die Gier herauszukitzeln. Denn das Triple könnte bei so manchem wie ein Dimmer der eigenen Ansprüche und Erwartungen auftreten. Flick muss seine Spieler quasi im Dauerlauf bei Laune und in Form halten - was angesichts des enorm gedrängten Spielkalenders eine Herkulesaufgabe wird. Physisch wie mental.

Kleine Dellen werden kommen, möglicherweise sogar mal eine Niederlage. Dazu kommt die obligatorische Herbst-Krise der Bayern. Dann braucht es einen patenten Moderator, einen cleveren Krisenmanager, der in der Hitze des Tagesgeschäfts den Aufschrei von Medien und Fans in Energie verwandelt, die im Frühjahr zum Motor der Mannschaft wird.

Leicht ist was anderes.

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