Macht und Wechsel: Die Ergebnisse aller Bundestagswahlen

Alle Augen richten sich auf den 24. September. Doch wie war das bei früheren Bundestagswahlen? Worüber wurde gestritten? Und wer gewann am Ende? Ein Rückblick von 1949 bis heute.
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Kämpfen 2017 um das Amt des Bundeskanzlers: Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz.
dpa/AZ Kämpfen 2017 um das Amt des Bundeskanzlers: Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz.

Berlin - Trotz ihres riesigen Vorsprungs in den Umfragen zur Bundestagswahl nimmt Kanzlerin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Duell mit ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz nicht auf die leichte Schulter. "Ich unterschätze meine Mitbewerber nie. Ich schätze meine Mitbewerber", sagte die CDU-Vorsitzende zuletzt. Konkurrenz belebe das Geschäft. Auch sie müsse alles geben.

Eine Präferenz für eine der zahlreichen Koalitionsoptionen will Bundeskanzlerin Angela Merkel in den restlichen Wochen bis zur Wahl am 24. September nicht erkennen lassen. "Da gibt es keine natürlichen Koalitionen, da kämpft jeder jetzt erst einmal für sich."

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CDU und CSU liegen in den Umfragen mit 37 bis 40 Prozent klar vorne. Nach jetzigem Stand könnte es für eine hauchdünne Mehrheit mit Grünen oder FDP reichen. Klare Mehrheiten gibt es für eine große Koalition mit der SPD als Juniorpartner oder eine so genannte Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen. Theoretisch gibt es also vier realistische Koalitionsoptionen für die Union. Bündnisse mit der Linken oder der AfD kommen für Merkel nicht in Frage.

Ihr gegenüber steht Martin Schulz der für die SPD als Kanzlerkandidat ins Rennen geht. Nach der anfänglichen Euphoriewelle nahmen die Umfragewerte für den 61-Jährigen in den letzten Wochen rapide ab. Auf dem Papier scheint die Sache also klar zu sein: Bundeskanzlerin Angela Merkel wird erneut Bundeskanzlerin.

Doch wie war die Situation bei den früheren Bundestagswahlen? Ein Rückblick – von 1949 bis heute.



Konrad Adenauer (CDU) wird am 20. September 1949 durch Bundestagspräsident Erich Köhler (r.) als erster Kanzler der Bundesrepublik Deutschland in Bonn vereidigt. Fotos: dpa

Vier Jahre nach Kriegsende liegt Deutschland noch am Boden. Aber die Basis für einen Aufschwung ist im Westen mit Marshallplan und Währungsreform bereits gelegt. Der beginnende Kalte Krieg hat die Ost-West-Spaltung jedoch vertieft, die Angst vor "den Russen" ist groß. Nach einem harten Wahlkampf setzt sich Konrad Adenauer (CDU), der Spitzenkandidat der neu gegründeten Unionsparteien, 1949 mit knapper Mehrheit durch. Der erste Bundeskanzler prägt Westdeutschland bis 1963.

Die SPD sieht sich bereits als führende Kraft des Neuaufbaus. Doch ihr Vorsitzender Kurt Schumacher unterschätzt die Konkurrenten und ihr Aushängeschild Adenauer. Der rückt die SPD in die Nähe der Kommunisten. Wahllokomotive der Unionsparteien ist Wirtschaftsexperte Ludwig Erhard. Mit ihm setzt die Union auf das Modell einer sozialen Marktwirtschaft und eine Anbindung an den Westen. Die SPD will eine regulierte Planwirtschaft und hält an der Gestaltung Deutschlands als Gesamtstaat fest.

Wahlergebnis am 14. August 1949: CDU/CSU 31,0 Prozent; SPD 29,2; FDP 11,9; KPD 5,7; BP 4,2; DP 4,0; WAV 2,9; Sonstige 11,1; Mandate der CDU/CSU/FDP/DP-Koalition: 208 von 402 (ohne Berliner und saarländische Abgeordnete).



Nach Schließung der Wahllokale am 06.09.1953 in Hamburg werden die Wahlurnen ausgeleert.

Ähnlich wie heute scheint 1953 die Bundestagswahl in den Umfragen schon vorher gelaufen zu sein. Doch am Abend des 6. September übertrifft das Ergebnis alle Erwartungen: Die Union erringt einen triumphalen Sieg. Der bereits 77-jährige Kanzler Konrad Adenauer (CDU) kann seinen Kurs der Westbindung fortsetzen und absichern.

Nicht zuletzt der DDR-Volksaufstand vom 17. Juni kommt ihm im Wahlkampf zugute. Unter dem Eindruck der von Sowjetpanzern niedergewalzten Proteste warnt die Kanzlerpartei mit einer drastischen Parole vor der SPD: "Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau!" Als Garant für wachsenden Wohlstand wird Ludwig Erhards soziale Marktwirtschaft gepriesen.

Dem haben die Sozialdemokraten wenig entgegenzusetzen. Ihr Kanzlerkandidat und Parteichef Erich Ollenhauer gilt als farblose Gestalt. Auch der Slogan "Deutsche Einheit. Darum SPD" verfängt angesichts der Ereignisse in der DDR nicht.

Wahlergebnis am 6. September 1953 (erstmals 2 Stimmen): CDU/CSU 45,2 Prozent; SPD 28,8; FDP 9,5; GB/BHE 5,9; DP 3,3; KPD 2,2; Sonstige 5,1; Mandate der Koalition von CDU/CSU, FDP, GB/BHE und DP: 333 von 487 (ohne Berliner und saarländische Abgeordnete).



Bundeskanzler Konrad Adenauer (M) nimmt nach seiner erneuten Wahl zum Bundeskanzler am 22.10.1957 im Bonner Bundestag die Glückwünsche seiner Parteifreunde entgegen.

"Keine Experimente! Konrad Adenauer." Der Slogan ist schlicht und der Kanzler schon 81. Und dennoch: Die CDU/CSU erringt bei der Bundestagswahl 1957 erst- und einmalig die absolute Mehrheit. Das einstige französische Saarprotektorat darf jetzt mitwählen.

Der Patriarch Adenauer setzt erfolgreich darauf, dass die Westdeutschen die Erfolge des Wirtschaftswunders und seine Politik der Westbindung nicht aufs Spiel setzen wollen. Wie 1953 spielt ihm die Angst vor dem Kommunismus in die Hände. Die Niederschlagung des Ungarnaufstands durch die Sowjetunion 1956 belebt sie neu. Ein Sieg der SPD würde den "Untergang Deutschlands" bedeuten, warnt Adenauer im Wahlkampf.

Der SPD-Slogan "Hör' auf Deine Frau - wähl' SPD" zündet nicht. Die Partei und ihr Kandidat Erich Ollenhauer können mit der Forderung nach einem Nato-Austritt und der Warnung vor Atomwaffen wenig ausrichten. Auch ihre Zustimmung zu Adenauers Rentenreform von Anfang 1957 honorieren die Wähler nicht.

Wahlergebnis am 15. September 1957: CDU/CSU 50,2 Prozent; SPD 31,8; FDP 7,7; GB/BHE 4,6; DP 3,4; Mandate der Koalition von CDU/CSU und DP: 287 von 497 (ohne Berliner Abgeordnete, erstmals mit saarländischen Abgeordneten)



Bundeskanzler Konrad Adenauer (l.) am 07.11.1961 im Bonner Bundestag bei der Abgabe seiner Stimme. Adenauer wird an diesem Tag bei einer geheimen Wahl mit 258 Stimmen zum vierten Mal wiedergewählt.

Es ist der Anfang vom Ende einer 14-jährigen Ära. Bei der Wahl am 17. September 1961 kann Konrad Adenauer (CDU) seine Kanzlerschaft ein letztes Mal verteidigen - allerdings nur befristet. In Koalitionsgesprächen mit der FDP muss sich der schon 85-Jährige verpflichten, nach zwei Jahren zurückzutreten. Erstmals gibt es nur noch drei Fraktionen im Parlament.

Der Wahlkampf wird in der Schlussphase vom Bau der Berliner Mauer überschattet. Adenauer besucht die geteilte Stadt erst neun Tage später. Das wird ihm ebenso verübelt wie seine öffentlichen Hinweise auf die Exiljahre und die uneheliche Geburt seines SPD-Herausforderers Willy Brandt ("Brandt alias Frahm").

Die Vollbeschäftigung mit unter einem Prozent Arbeitslosigkeit kommt der Union kaum zugute. Brandt, der populäre Regierende Bürgermeister von Berlin, soll den Eindruck von Jugend und Erneuerung vermitteln. Seine Partei hat sich 1959 auf den Weg von der Arbeiter- zur Volkspartei gemacht.

Wahlergebnis am 17. September 1961: CDU/CSU 45,3 Prozent; SPD 36,2; FDP 12,8; Sonstige 5,7; Mandate der Koalition von CDU/CSU und FDP: 309 von 499 (ohne Berliner Abgeordnete).



Bundeskanzler Ludwig Erhard gibt nach Bekanntwerden des Sieges der Unionsparteien bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag am 19. September 1965 eine erste Erklärung ab.

Ludwig Erhard, seit 1963 Konrad Adenauers ungeliebter Nachfolger, präsentiert sich den Wählern 1965 als "Volkskanzler". Wochenlang haben Meinungsumfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem SPD-Kontrahenten Willy Brandt vorausgesagt. Die Popularität des CDU-Politikers als "Vater des Wirtschaftswunders" zahlt sich jedoch am Wahltag ein letztes Mal aus. Er regiert weiter mit der FDP. Bereits ein Jahr später drängt ihn die eigene Partei aus dem Amt.

Zentrales Thema der SPD ist eine "neue Ostpolitik" der kleinen Schritte. Für Brandt und einen Regierungswechsel setzen sich viele Prominente aus Literatur und Kunst ein. Erhard nennt sie verächtlich "Banausen" und "Pinscher". Sie hätten von "Tuten und Blasen keine Ahnung". Erhards Nimbus als Garant des Wohlstands sichert der Union das bis dato zweitbeste Ergebnis.

Wahlergebnis am 19. September 1965: CDU/CSU 47,6 Prozent; SPD 39,3; FDP 9,5; Sonstige 3,6; Mandate der Koalition von CDU/CSU und FDP: 294 von 496 (ohne Berliner Abgeordnete).



Der Vorsitzende der SPD, Bundesaußenminister und Vizekanzler Willy Brandt, bei einer Stellungnahme vor Journalisten am späten Abend in Bonn am Wahltag, dem 28.09.1969.

Es ist ein spannender Wahlkrimi. Als am 28. September 1969 spätabends feststeht, dass die rechtsextreme NPD an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist, bietet SPD-Kanzlerkandidat Willy Brandt FDP-Chef Walter Scheel ein Regierungsbündnis an. Sein "Wir machen es" ist der Startschuss zur ersten sozialliberalen Koalition. Der seit 1966 amtierende Kanzler der ersten großen Koalition von Union und SPD, Kurt Georg Kiesinger (CDU), nimmt schon siegessicher die Glückwünsche von US-Präsident Richard Nixon entgegen.

Bereits seit März 1969 gibt es heftigen Streit zwischen den Regierungsparteien. SPD-Mann Gustav Heinemann sieht in seiner Wahl zum Bundespräsidenten mit Stimmen der FDP und gegen die Union "ein Stück Machtwechsel". Die SPD wirbt mit den Erfolgen ihres Außenministers Willy Brandt und gemeinsam mit der FDP für Reformen. Die Union stellt den in Umfragen beliebteren Kiesinger ganz in den Mittelpunkt ihrer Kampagne: "Auf den Kanzler kommt es an." Die FDP kann mit dem Versprechen "Wir schaffen die alten Zöpfe ab" nicht punkten.

Wahlergebnis am 28. September 1969: CDU/CSU 46,1 Prozent; SPD 42,7; FDP 5,8; Sonstige 5,5; Mandate der Koalition von SPD und FDP: 254 von 496 (ohne Berliner Abgeordnete).



Willy Brandt (SPD) legt wenige Stunden nach seiner Wiederwahl am 14.12.1972 im Deutschen Bundestag in Bonn den Amtseid ab.

Im erbitterten Streit über die Ostverträge der sozialliberalen Regierung verlieren SPD und FDP im Mai 1972 durch Übertritte ihre Mehrheit im Bundestag. Im November kommt es zu einer vorgezogenen Wahl. Die Koalition gewinnt, die SPD wird erstmals stärkste Fraktion. Wegen einer Spionageaffäre tritt Willy Brandt (SPD) allerdings schon 1974 als Kanzler zurück.

Die von der sozialliberalen Koalition umgekrempelte Ostpolitik ist das alles beherrschende und polarisierende Wahlkampfthema. Bereits im April 1972 hat die Union vergeblich versucht, Brandt mit einem Misstrauensvotum zu stürzen und CDU-Chef Rainer Barzel zum Kanzler zu wählen.

Besonders umworben sind die vielen Erstwähler, die schon im Alter von 18 Jahren mitentscheiden dürfen. Schriftsteller und Künstler eilen dem charismatischen Brandt erneut zu Hilfe: "Willy wählen!" Die Union setzt mit Barzel auf den Slogan "Fortschritt und Stabilität", die FDP auf "Vorfahrt für Vernunft".

Wahlergebnis am 19. November 1972: CDU/CSU 44,9 Prozent; SPD 45,8; FDP 8,4; Sonstige 0,9; Mandate der Koalition von SPD und FDP: 271 von 496 (ohne Berliner Abgeordnete).



Knapp zwei Stunden nach seiner erneuten Wahl durch den Deutschen Bundestag wird Helmut Schmidt (l., SPD) am 15.12.1976 von Parlamentspräsident Karl Carstens als Bundeskanzler vereidigt.

"Freiheit statt Sozialismus" - mit diesem polarisierenden Slogan sagt die Union im Wahlkampf 1976 der sozialliberalen Koalition unter Helmut Schmidt (SPD) den Kampf an. Für sie tritt erstmals der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Helmut Kohl (CDU) als Kanzlerkandidat an. Im Oktober kann sich die rot-gelbe Koalition knapp behaupten.

Angesichts anhaltender Konjunkturflaute infolge der Ölkrise und hoher Arbeitslosigkeit setzt die SPD auf das Macher-Image des Wirtschaftsexperten Schmidt. Er hat 1974 den über die Guillaume-Affäre gestürzten Willy Brandt als Kanzler abgelöst.

Die Rote Armee Fraktion (RAF) hält die Republik in Atem, entsprechend groß ist das Thema Innere Sicherheit. Daneben bestimmen die Renten-, Steuer- und Finanzpolitik den Wahlkampf. Die Rezession hat große Löcher in die öffentlichen Kassen gerissen, die Finanzierung des Sozialstaats wird schwieriger. Dennoch fehlt es an zündenden Themen, die wie Brandts Ostpolitik vier Jahre zuvor alle bewegten.

Wahlergebnis am 3. Oktober 1976: CDU/CSU 48,6 Prozent; SPD 42,6; FDP 7,9; Sonstige 0,9; Mandate der Koalition von SPD und FDP: 253 von 496 (ohne Berliner Abgeordnete).



Bundeskanzler Helmut Schmidt und seine Frau Loki verlassen am 05.10.1980 das Bundeskanzleramt in Bonn nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse.

Das Ergebnis der Wahl im Oktober 1980 rettet die sozialliberale Koalition von Kanzler Helmut Schmidt (SPD) in die nächste Wahlperiode. Der Sieg über den Unionskandidaten Franz Josef Strauß (CSU) währt aber nicht lange - schon 1982 zerbricht das Bündnis. Die FDP wechselt zur CDU/CSU von Helmut Kohl.

Der Wahlkampf ist auf die beiden Spitzenkandidaten konzentriert. Schmidt gilt als Krisenmanager, außen- wie innenpolitisch. Als treibende Kraft der Nachrüstung mit Mittelstreckenraketen stößt er in der eigenen Partei jedoch auf Vorbehalte.

Strauß, der "Frieden und Freiheit" verspricht, polarisiert wegen einer Reihe von früheren Skandalen. Die Kampagne "Stoppt Strauß" mobilisiert die Wähler der Regierungsparteien. Der Bayer fährt das schlechteste Ergebnis der Union nach 1953 ein. Klar zulegen können nur die Liberalen.

Wahlergebnis am 5. Oktober 1980: CDU/CSU 44,5 Prozent; SPD 42,9; FDP 10,6; Sonstige 2,0; Mandate der Koalition von SPD und FDP: 271 von 497 (ohne Berliner Abgeordnete).



Nach den Wahlen zum deutschen Bundestag wird der in seinem Amt bestätigte Bundeskanzler Helmut Kohl (l., CDU) am 29.03.1983 von Bundestagspräsident Rainer Barzel vereidigt.

Der neue Bundeskanzler ist noch kein halbes Jahr im Amt, doch Helmut Kohls (CDU) Kalkül geht auf. Um eineinhalb Jahre wird die Bundestagswahl vorgezogen, auf März 1983, und seine Union wird klar bestätigt. Sein Herausforderer Hans-Jochen Vogel (SPD) verzeichnet deutliche Verluste. Erstmals ziehen die Grünen ins Parlament ein.

Vorausgegangen war der Bruch der sozialliberalen Regierung, der im Oktober 1982 mit der Abwahl von Kanzler Helmut Schmidt (SPD) durch ein konstruktives Misstrauensvotum endgültig vollzogen ist. Schwere wirtschafts- und finanzpolitische Differenzen sowie der Nato-Doppelbeschluss haben das Bündnis zerrüttet. Koalitionspartner FDP wechselt die Seiten und verhilft Kohl ins Kanzleramt. Dessen gewollt verlorene Vertrauensfrage führt zur gewünschten Neuwahl.

Die gesellschaftliche Stimmung ist angespannt. Die Zahl der Arbeitslosen übersteigt erstmals die Zwei-Millionen-Marke. Die Gewerkschaften demonstrieren gegen "soziale Demontage". Die USA und die Sowjetunion rüsten mit immer mehr Atomwaffen auf, in der Bundesrepublik sollen US-Mittelstreckenraketen stationiert werden. Entsprechend hart ist der Wahlkampf.

Wahlergebnis am 6. März 1983: CDU/CSU 48,8 Prozent; SPD 38,2; FDP 7,0; Grüne 5,6; Sonstige 0,5; Mandate der Koalition von CDU/CSU und FDP: 278 von 498 (ohne Berliner Abgeordnete)



Bei der Kanzlerwahl im Deutschen Bundestag am 11.03.1987 in Bonn wurde Helmut Kohl (r.) als Bundeskanzler bestätigt, jedoch haben 15 Abgeordnete von CDU, CSU und FDP Kohl ihre Stimme verweigert.

Die Koalition von Union und FDP schreibt sich vor der Bundestagswahl 1987 eine Reihe von Erfolgen zu, der Wahlkampf-Slogan der Christdemokraten lautet schlicht "Weiter so, Deutschland". Mit einem harten Sparkurs hat die Regierung den Haushalt konsolidiert, die Wirtschaft wächst. Trotz eigener Verluste kann die Union dann auch mit der FDP unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) weiterregieren.

Pannen und Peinlichkeiten haben zuvor das Image von Kohl geschwächt. In Wahlumfragen schneidet er deutlich schlechter ab als SPD-Herausforderer Johannes Rau. Auch in Unionsreihen halten sich Zweifel, ob der Pfälzer der richtige Mann ist.

Der Wahlkampf der Sozialdemokraten ist auf "Bruder Johannes" zugeschnitten, Nordrhein-Westfalens populären Regierungschef. Rau will "versöhnen statt spalten" und fordert mehr Gerechtigkeit, weniger "soziale Kälte".

Neben der hohen Arbeitslosigkeit ist die Umweltpolitik ein zentrales Thema. Aufgeschreckt haben 1986 der Super-GAU im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl und die Verseuchung des Rheins nach einem Brand im Schweizer Chemiekonzern Sandoz.

Wahlergebnis am 25. Januar 1987: CDU/CSU 44,3 Prozent; SPD 37,0; FDP 9,1; Grüne 8,3; Sonstige 1,4; Mandate der Koalition von CDU/CSU und FDP: 269 von 497 (ohne Berliner Abgeordnete).



Bundeskanzler Helmut Kohl nimmt am 05.09.1990 während einer Wahlkampfveranstaltung in Heiligenstadt in Thüringen ein Bad in der Menge.

Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl im Dezember 1990 läuft die Kanzlerkandidatur von Oskar Lafontaine (SPD) von Anfang an holprig. Mit seinen Warnungen vor einer schnellen Wiedervereinigung unterschätzt er die Einheitseuphorie. Amtsinhaber Helmut Kohl (CDU) siegt deutlich, auch mit dem Versprechen von "blühenden Landschaften" im Osten. Er holt die Ostdeutsche und spätere Kanzlerin Bundeskanzlerin Angela Merkel an seinen Bonner Kabinettstisch.

Viele Argumente sind bereits vor der Wiedervereinigung im Oktober ausgetauscht. Hauptstreitpunkt ist die Finanzierung der Einheit. Lafontaine warnt vor explodierenden Kosten, steigender Staatsverschuldung und unausweichlichen Steuererhöhungen. Kohl verkündet optimistisch: "Gemeinsam schaffen wir das!" Sein Koalitionspartner FDP verlangt, "im vereinten Deutschland die Chancen zu sehen". Die skeptischen Grünen ("Alle reden von Deutschland. Wir reden vom Wetter") und die damalige PDS kommen nur wegen der in West und Ost getrennten Wahlgebiete in den Bundestag.

Wahlergebnis am 2. Dezember 1990 (nach West und Ost getrennte Wahlgebiete zusammen): CDU/CSU 43,8 Prozent; SPD 33,5; FDP 11,0; Grüne+B90/Gr 5,1; PDS 2,4; Sonstige 4,2; Mandate der Koalition von CDU/CSU und FDP: 398 von 662 (erstmals mit Berliner Abgeordneten).



CDU-Generalsekretär Peter Hintze (l.), Helmut Kohl und Hannelore Kohl auf der Wahlparty im Konrad-Adenauer-Haus in Bonn.

Die wirtschaftliche Entwicklung und soziale Sicherheit in Ost und West bestimmen den Wahlkampf 1994. Bei der zweiten gesamtdeutschen Bundestagswahl sichert Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) seiner schwarz-gelben Koalition den Machterhalt, allerdings nur knapp. Er zeigt sich froh, noch einmal davongekommen zu sein: "Mehrheit ist Mehrheit!" Die SPD schickt den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Rudolf Scharping als vierten Kanzlerkandidaten seit 1983 gegen Kohl ins Rennen und gewinnt leicht hinzu.

"Sicher in die Zukunft. CDU" lautet die selbstbewusste Parole der Kanzler-Partei. Doch zu Jahresbeginn sehen Umfragen die Union bei unter 35 Prozent. Auch Koalitionspartner FDP muss zittern. FDP-Chef Klaus Kinkel meint mit Blick auf den Kanzler: "Der Dicke schafft es nicht allein." Die wirtschaftlichen Probleme beim Aufbau Ost und die weit mehr als drei Millionen Arbeitslosen sind nicht wegzudiskutieren. Noch Mitte des Jahres liegt SPD-Kanzlerkandidat Scharping bei den Sympathiewerten deutlich vor Kohl.

Wahlergebnis am 16. Oktober 1994: CDU/CSU 41,4 Prozent; SPD 36,4; Grüne 7,3; FDP 6,9; PDS 4,4 (wegen vier Direktmandaten im Parlament); Sonstige 3,6; Mandate der Koalition von CDU/CSU und FDP: 341 von 672.



Der zum Bundeskanzler gewählte SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder jubelt am 27.09.1998 in der Bonner Parteizentrale.

Historischer Machtwechsel nach 16 Jahren: 1998 beendet SPD-Herausforderer Gerhard Schröder die lange Kanzlerschaft von Helmut Kohl (CDU). Viele hatten ihre ganze Jugend unter dem Einheitskanzler erlebt. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik war es zuvor einem Kandidaten der Opposition gelungen, den amtierenden Kanzler aus dem Amt zu drängen. Allein an Kohl waren vier SPD-Herausforderer gescheitert: Hans-Jochen Vogel, Johannes Rau, Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping.

Bereits im Wahlkampf deutet sich nun ein Machtwechsel an. In den Umfragen liegt Niedersachsens Ministerpräsident Schröder durchgehend vorn. Er setzt auf das Motto "Veränderung ohne Risiko". Kohls Wahlslogan "Sicherheit statt Risiko" verpufft.

Der Wahlsieg der SPD mit ihrem Spitzenmann Schröder ist auch eine krachende Abwahl Kohls. Nach 16 Jahren hatten die Bürger genug vom Einheitskanzler - trotz seiner Verdienste für die deutsche Vereinigung und die Europapolitik. Fortan regiert Rot-Grün.

Wahlergebnis am 27. September 1998: SPD 40,9 Prozent; CDU/CSU 35,1; Grüne 6,7; FDP 6,2; PDS 5,1; Sonstige 5,9; Mandate der Koalition von SPD und Grünen: 345 von 669.



Bundeskanzler Gerhard Schröder (r.) und der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff, winken am 21.09.2002 beim Wahlkampfabschluss der SPD vor der Bundes- und Landtagswahl in Rostock den Teilnehmern der Veranstaltung zu.

Nach dem fulminanten Sieg gegen Helmut Kohl dauert es nicht einmal eine Legislaturperiode - und Rot-Grün hat die Sympathie der Wähler schon wieder verloren. Die hohe Arbeitslosigkeit - mehr als vier Millionen Erwerbslose - hängt an SPD-Kanzler Gerhard Schröder 2002 wie ein Klotz am Bein. Den Grünen wiederum läuft im Streit um Auslandseinsätze der Bundeswehr die Basis weg.

Der Herausforderer, Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), hat sich den Job im Ringen mit CDU-Chefin Bundeskanzlerin Angela Merkel gesichert: beim legendären Frühstück in Wolfratshausen. Er gilt als dröge, erreicht mit seinem Wirtschaftskurs aber Umfragewerte über 40 Prozent.

Mit zwei Schachzügen kann Schröder das Blatt wenden: Bei der Flutkatastrophe in Ostdeutschland demonstriert er in Gummistiefeln und Regenjacke Tatkraft. Und sein Nein zu einer deutschen Beteiligung an einem möglichen Irak-Krieg verärgert zwar die Amerikaner, freut aber die Wähler daheim. Am Wahlabend liegen Union und SPD gleichauf, doch die Sozialdemokraten erhalten noch drei Überhangmandate.

Wahlergebnis am 22. September 2002: CDU/CSU 38,5 Prozent; SPD 38,5; Grüne 8,6; FDP 7,4; PDS 4,0 (ausgeschieden, nur zwei direkt gewählte Abgeordnete bleiben im Parlament); Sonstige 3,0; Mandate der Koalition von SPD und Grünen: 306 von 603.



Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht am 28.11.2005 während einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt in Berlin vor dem  Bundesadler.

Am Abend des 18. September 2005 ist klar: SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder und Rot-Grün können nicht weiterregieren. Auch für die Spitzenkandidatin der Union, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), reicht es nicht für ein Wunschbündnis mit den Liberalen. So bleibt am Ende nur die Bildung einer großen Koalition unter Merkel als erster Frau an der Spitze.

Schröder hat die vorzeitige Neuwahl herbeigeführt, weil die eigene Partei nach der verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gegen seine Arbeitsmarkt-"Agenda 2010" aufbegehrt. Sein Wahlkampf konzentriert sich bald auf das "ungerechte" Steuermodell des Finanzexperten Paul Kirchhof aus Merkels Team. Nach einem TV-Duell mit Merkel steigen die SPD-Umfragewerte zunächst sprunghaft. "Deutschland braucht den Wechsel", verlangt die Union wegen der hohen Arbeitslosigkeit.

Noch am Wahlabend gibt sich der knapp unterlegene Schröder in der TV-"Elefantenrunde" siegessicher. Merkel könne nicht Kanzlerin werden: "Nun wollen wir doch die Kirche auch mal im Dorf lassen."

Wahlergebnis am 18. September 2005: CDU/CSU 35,2 Prozent; SPD 34,2; FDP 9,8; PDS 8,7; Grüne 8,1; Sonstige 3,9; Mandate der Koalition von CDU/CSU und SPD: 448 von 614.



Bundeskanzlerin Angela Merkel (m.) winkt am 06.09.2009 in Düsseldorf nach ihrer Rede beim Wahlkampfauftakt der CDU.

Am 27. September 2009 geht der Plan von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) voll auf. Sie kann mit ihrem Wunschpartner FDP eine schwarz-gelbe Regierung bilden. Die SPD erleidet bei der Bundestagswahl eine historische Niederlage. Wie die FDP erzielen Linke und Grüne Rekordergebnisse.

Nach vier Jahren gemeinsamer Regierungsarbeit führen Merkel und ihr SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier einen eher zurückhaltenden Wahlkampf. Beide loben die vier Jahre der gemeinsamen Regierungsarbeit zur Bewältigung der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise - "unter meiner Führung", wie Merkel betont.

Ihr Noch-Vizekanzler empfiehlt sich in einem Fernsehduell als "bessere Alternative" und verlangt einen "Neustart". Mit einer Abkehr vom ehemals wirtschaftsliberalen Programm nimmt die CDU-Chefin der SPD und Steinmeier aber die Argumente. In der Kanzlerfrage rangiert Merkel zweistellig vor ihrem Konkurrenten.

Wahlergebnis am 27. September 2009: CDU/CSU 33,8 Prozent; SPD 23,0; FDP 14,6; Linke 11,9; Grüne 10,7; Sonstige 6,0; Mandate der Koalition von CDU/CSU und FDP: 332 von 622.



Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verabschiedet sich am 22.09.2013 von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (l.) und Jürgen Trittin, Spitzenkandidat von Bündnis 90/Die Grünen, nach der sogenannten «Elefantenrunde» im ZDF-Fernsehstudio in Berlin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will es bei der Bundestagswahl 2013 ein drittes Mal wissen. Die SPD schickt als Rivalen den einstigen Finanzminister Peer Steinbrück ins Rennen. Die Sozialdemokraten erholen sich allerdings nur leicht von ihrem Allzeittief aus dem Jahr 2009. Weil Merkels bisheriger Partner FDP spektakulär scheitert und erstmals aus dem Bundestag ausscheidet, kommt es wie 2005 zu einer großen Koalition unter Merkel.

Der Erfolg der CDU/CSU hat auch 2013 vor allem einen Namen: Bundeskanzlerin Angela Merkel. So setzt die Union im Wahlkampf auch voll auf diesen Trumpf, nicht so sehr auf ein Programm. Bereits in Umfragen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bei wichtigen Themen wie Eurokrise und Jobs weit vorn gelegen.

Steinbrück kontert im eher schleppend verlaufenen Wahlkampf mit der Parole "Mehr Wir, weniger Ich". Dabei muss er ein linkes SPD-Programm vertreten, das nicht zu seinen früheren Positionen passt. Die FDP hatte 2009 viel versprochen, was sie dann in der Koalition mit der Union nicht halten konnte, und verabschiedet sich ganz aus dem Parlament. Auch Grüne und Linke gehören zu den Verlierern.

Wahlergebnis am 22. September 2013: CDU/CSU 41,5 Prozent; SPD 25,7; Linke 8,6; Grüne 8,4; FDP 4,8 (ausgeschieden); Sonstige 10,9 (darunter AfD 4,7); Mandate der Koalition aus CDU/CSU und SPD: 504 von 631.

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