Zwei Spiele ohne Gegentreffer Plötzlich steht die Null: Das Geheimnis der neuen Bayern-Abwehr

Zweikampfstark: Joshua Kimmich (2.v.l.), Javi Martínez (2.v.r.) und Benjamin Pavard (r.). Foto: imago/Schreyer

Die ersten zwei Spiele unter Interimstrainer Hansi Flick zeigten vor allem eines: Der FC Bayern hat seine Defensiv-Probleme offenbar in den Griff bekommen. Die AZ zeigt, was die neuformierte Bayern-Abwehr so erfolgreich macht.

 

München - 2:0 gegen Olympiakos Piräus, 4:0 gegen Borussia Dortmund: Es waren nicht nur zwei souveräne Siege, sondern vor allem auch zwei Spiele ohne Gegentor – im Gegensatz zu den bisherigen Saisonspielen.

Bereits 16 Mal musste Kapitän Manuel Neuer in der Bundesliga hinter sich greifen, so oft wie kein anderer Torhüter der besten acht Vereine der Liga. Doch unter Neu-Trainer Hansi Flick scheint der deutsche Rekordmeister seine defensive Stabilität wiedergefunden zu haben. 

Manuel Neuer nahezu beschäftigungslos

"Wenn man sieht, wie viele Gegentore wir bekommen haben, war es wichtig, dass die Null steht und dass wir mutig nach vorne verteidigen. Alle gemeinsam, in einer kompakten Organisation und in einer guten Ordnung", sagte Flick nach dem Sieg gegen Dortmund. "Man kann die Mannschaft nur loben. Gerade heute war es sensationell. Die Aggressivität, die wir hatten, den Gegner immer wieder hoch verteidigt. Das hat mir sehr imponiert".

Neben Manuel Neuer, der in den vergangenen zwei Spielen nahezu beschäftigungslos war, besteht die defensive Betonmischung unter Flick aus fünf Namen: Benjamin Pavard, Javi Martínez, David Alaba, Alphonso Davies und Joshua Kimmich.

Pavard glänzt als Vorbereiter

"Wir haben versucht, uns auf die Defensive zu konzentrieren und klar festzulegen, wer wen anläuft und wie wir anlaufen – auch mit einer gewissen Aggressivität und einem gewissen Risiko", erklärte Kimmich. "Wir versuchen durchzuschieben und durchzudecken, dadurch haben wir viel mehr hohe Ballgewinne." Der deutsche Nationalspieler agierte gegen Piräus und Dortmund als alleiniger Sechser vor der Abwehr und zeichnet sich dort als Ballverteiler und Dirigent des Spiels aus – gepaart mit einer Grundaggressivität in den Zweikämpfen.

Der zuletzt viel kritisierte und teilweise schon als Fehleinkauf abgestempelte Benjamin Pavard zeigte gegen Dortmund wahrscheinlich eines seiner besten Spiel im Dress des FC Bayern. Der sehr aktive französische Weltmeister hatte mit 107 Ballkontakten die meisten auf dem Platz, bei einer Passquote von 89%. Zudem glänzte Pavard auch als Vorbereiter: Mit einer sehenswerten, präzisen Flanke legte er Lewandowskis Treffer zum 1:0 auf.

Kimmich: Alaba einer der besten Innenverteidiger der Welt

Javi Martínez überzeugte neben Pavard zuletzt wieder als Abräumer und rigoroser Zweikämpfer im Abwehrzentrum. Unter Ex-Coach Niko Kovac hatte der Triple-Held von 2013 immer wieder mit einem Platz auf der Bank vorliebnehmen müssen, Flick setzt nun wieder auf den Spanier in der Innenverteidigung – das ihm entgegengebrachte Vertrauen zahlte Martínez prompt mit seiner Zuverlässigkeit und guten Leistungen zurück.

Das Pendant zu Martínez gibt David Alaba. Da Lucas Hernàndez und Niklas Süle verletzungsbedingt längerfristig nicht zur Verfügung stehen werden und Jérôme Boateng gesperrt zum Zuschauen verdammt ist, funktionierte Flick Alaba, wie einst Pep Guardiola, kurzerhand wieder zum Innenverteidiger um – mit Erfolg. "In der Innenverteidigung ist er für mich mit einer der besten Spieler auf der ganzen Welt", schwärmte Teamkollege Kimmich.

Alaba agierte dabei nicht wie ein gewöhnlicher Innenverteidiger. Der Österreicher glänzte als erster Mann im Spielaufbau, gewann wichtige Sprintduelle und dirigierte seine Neben- und Vorderleute. "Er interpretiert die Innenverteidigerposition sehr eigen. Ich finde hervorragend, wie er das macht", sagte Leon Goretzka. "Er spricht viel mit uns, schiebt die Kette hoch, gibt uns dadurch die Möglichkeit, die Ketten eng zu halten. Er ist extrem zweikampfstark und gibt uns eine gute Stabilität, weil er nach vorne und offensiv denkt. Das macht es für die Mittelfeldspieler einfacher, weil der Raum in der Verteidigungszone kleiner wird."

Davies endgültig beim FC Bayern angekommen

Das neu formierte Innenverteidiger-Duo Martínez/Alaba ergänzt sich gut: Während der Spanier mehr den Part des Abräumers und zweikampfstarken Abwehrspielers übernimmt, ist der Österreicher vor allem für den Spielaufbau und knifflige Sprintduelle verantwortlich. Eine Mischung, die passt – das haben die beiden Spiele unter Flick gezeigt.

Alaba gilt auch als Dirigent von Nebenmann und Youngster Alphonso Davies: "Er hilft mir, redet mit mir, gibt mir viele Anweisungen", sagte der Kanadier kürzlich. Gegen Borussia Dortmund lieferte "Phonzy" eine bärenstarke Leistung ab – und dies obwohl seine Gegenspieler Achraf Hakimi und Jadon Sancho hießen.

"Er hat beide wirklich sehr gut im Griff gehabt, ihm ist keiner davongelaufen", lobte ihn Bayern-Trainer Flick. Der 19-Jährige gewann 85 Prozent seiner Zweikämpfe und hatte eine Passquote von 94 Prozent. Zudem überzeugte er mit seinen schnellen Antritten, insgesamt 37 Sprints spulte der unermüdliche Youngster gegen Dortmund ab. Für Mitspieler Goretzka ist Davies "eine absolute Maschine". Der scheidende Präsident Uli Hoeneß legte sogar nochmal eine Schippe drauf: "Er wird Weltklasse!" Wie Martínez ist auch Davies einer der Gewinner der Verletzungs-Problematik in der Defensive. Der Nachwuchsspieler scheint nun endgültig beim FC Bayern angekommen zu sein.

Lesen Sie hier: Servus, Uli! Bayern-Stars verabschieden sich in der AZ

 

5 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading