Deals des neuen Sportvorstands FC Bayern: Die Transfer-Bilanz von Hasan Salihamidzic im Check

Für die Transfers beim FC Bayern verantwortlich: Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Foto: Sven Hoppe/dpa

Drei Jahre nach seiner Rückkehr zum FC Bayern ist Hasan Salihamidzic in den Vorstand aufgestiegen. Die AZ wirft einen Blick auf seine bisherigen Transfers.

 

München - Am 1. Juli 2020 stieg Hasan Salihamidzic in den Sportvorstand des FC Bayern auf. Zuvor war er drei Jahre lang Sportdirektor bei den Münchnern. Insgesamt dreizehn Spieler hat der Bosnier seitdem verpflichtet – Ausgaben in Höhe von rund 200 Millionen Euro stehen dabei 140 Millionen Euro an Einnahmen gegenüber.

Seit seiner Einstellung musste der langjährige Mittelfeldspieler der Münchner immer wieder Kritik über sich ergehen lassen. Als Neuling im Fußball-Business gab Salihamidzic öffentlich nicht immer das beste Bild ab, intern wird seine Arbeit aber positiv bewertet. Folglich auch die Beförderung zum Sportvorstand. Damit zählt der 43-Jährige mittlerweile zu den mächtigsten Männern beim deutschen Rekordmeister.

Die AZ wirft einen Blick zurück auf "Brazzos" bisherige Verpflichtungen.

Winter 2018: Sandro Wagner

Der exzentrische Angreifer wurde im Winter 2018 für kolportierte 13 Millionen Euro von der TSG Hoffenheim verpflichtet – als klare Nummer zwei im Sturmzentrum hinter Robert Lewandowski. Der gebürtige Münchner, der zwischen 1995 und 2008 in der Bayern-Jugend ausgebildet wurde, nahm die Rolle als Backup an und verschaffte Vielspieler Lewandowski zwischenzeitlich immer wieder Ruhepausen.

Bis zu seinem Abgang im Winter 2019 zu Tianjin Teda kam Wagner auf zehn Treffer und zwei Vorlagen in 30 Spielen, wobei er meist als Einwechselspieler zum Einsatz kam. Unterm Strich eine gute Verpflichtung.

Sommer 2018: Leon Goretzka

Ein junger, flexibler deutscher Nationalspieler, demütig und mental stark – über die Verpflichtung von Leon Goretzka mussten die Bayern nicht lange nachdenken. Der Mittelfeldspieler wechselte im Sommer 2018 nach Ablauf seines Vertrages beim FC Schalke ablösefrei nach München und zählt mittlerweile zum Kern der 95er-Generation um Joshua Kimmich, Niklas Süle und Serge Gnabry, die den Rekordmeister in den kommenden Jahren zu Erfolgen führen soll.

Sowohl bei Bayern als auch in der Nationalmannschaft zählt Goretzka, wenn er denn fit ist, zum Stammpersonal und besticht mit hoher Laufbereitschaft und großem Offensivdrang. Der Ex-Schalker zählt zu den großen Gewinnern der Corona-Pause. Er hat Thiago im defensiven Mittelfeld verdrängt und besticht auf der Sechs neben Kimmich. Eine absolute Top-Verpflichtung!

Winter 2019: Alphonso Davies

Bisher DIE Entdeckung des Bayern-Vorstands! Die Verpflichtung von Alphonso Davies wurde bereits im Sommer 2018 perfekt gemacht, aufgrund der Altersbeschränkung für internationale Transfers durfte er aber erst im Winter nach München wechseln.

In seinem ersten Halbjahr bei den Bayern pendelte der Flügelflitzer noch zwischen erster und zweiter Mannschaft. Seit der Amtsübernahme von Hansi Flick im November ist der junge Kanadier jedoch als Linksverteidiger gesetzt und hat sich mit seinen spektakulären Flügelläufen ins Herz der Bayern-Fans gespielt. Jüngst wurde er zum "Rookie der Saison 2019/20" gekürt. Eine absolute Top-Verpflichtung!

Sommer 2019: Lucas Hernández

Gut ein Jahr ist die Bekanntgabe des Wechsels von Lucas Hernández mittlerweile her – eine Erfolgsgeschichte ist der Wechsel des mit kolportierten 80 Millionen Euro teuersten Transfers der Bundesliga-Geschichte noch nicht.

Schon bei der Verpflichtung des französischen Weltmeisters, der sowohl als Innen- als auch als Linksverteidiger eingesetzt werden kann, wurde eine Innenbandverletzung festgestellt. Hernández musste operiert werden und stieg erst im August ins Training ein. Noch bevor er seinen alten Leistungsstand wiedererreicht hatte, zog er sich im Oktober erneut eine Innenbandverletzung zu und fiel bis Februar aus.

In seinen Einsätzen nach der Verletzungpause konnte der Franzose nur selten überzeugen. Bislang keine gute Verpflichtung – das ist noch Luft nach oben!

Sommer 2019: Benjamin Pavard

Deutlich vielversprechender verlief bislang die Bayern-Zeit von Benjamin Pavard. Wie Landsmann Hernández ist auch er sowohl im Abwehrzentrum als auch auf der Außenbahn einsetzbar, allerdings auf der rechten Seite.

Seine Verpflichtung für 35 Millionen Euro vom VfB Stuttgart rief bei vielen Beobachtern Skepsis hervor, mittlerweile dürfte der 24-Jährige seine Zweifler aber ruhiggestellt haben: Pavard ist praktisch seit Saisonbeginn in der Abwehr gesetzt und bringt konstant gute Leistungen, wodurch Joshua Kimmich von der Rechtsverteidigerposition ins Mittelfeld verschoben werden konnte. Bislang eine gute Verpflichtung.

Sommer 2019: Fiete Arp

Der 20-Jährige kam im Sommer für drei Millionen Euro vom Hamburger SV aus der 2. Bundesliga und deutete sein Potenzial einzig in der Sommervorbereitung an. Mittlerweile kommt Arp überwiegend in der U23 zum Einsatz – von der ersten Mannschaft ist er aktuell weit entfernt. Auch seine Verletzungsanfälligkeit wirft den Youngster immer wieder zurück. Bislang keine gute Verpflichtung.

Sommer 2019: Michael Cuisance

Der französische Mittelfeldspieler, der für rund von Borussia Mönchengladbach kam, gilt als hochveranlagt, aber manchmal schwierig im Umgang. Zunächst bekam Michael Cuisance kaum Einsatzminuten. Nach der Corona-Pause setzte Flick aber deutlich häufiger auf den jungen Franzosen, Cuisance zahlte das Vertrauen mit guten Leistungen zurück. Nach leichten Anfangsschwierigkeiten eine gute Verpflichtung.

Sommer 2019: Philippe Coutinho

Nach dem geplatzten Wechsel von Leroy Sané mussten sich die Bayern nach einer namhaften Alternative umsehen, um die Offensive zu verstärken. Die Wahl fiel am Ende auf Philippe Coutinho, der beim FC Barcelona praktisch keine Rolle mehr spielte.

Beim FC Bayern blieb die brasilianische Leihgabe (bislang) weit hinter den Erwartungen zurück und liegt in der internen Hackordnung für das offensive Mittelfeld klar hinter Thomas Müller, auch auf den Flügeln wusste Coutinho bislang nicht zu überzeugen.

In der Corona-Pause musste der Brasilaner am Sprunggelenk operiert werden. Die Kaufoption von 120 Millionen Euro hat der FC Bayern bislang nicht gezogen, nach der Saison wird der Brasilianer die Münchner wieder verlassen. Bislang keine gute Verpflichtung.

Sommer 2019: Ivan Perisic

Der Kroate wurde im Sommer auf Empfehlung des damaligen Trainers Niko Kovac von Inter Mailand ausgeliehen und füllt seine Rolle als torgefährlicher Backup für die verletzungsanfälligen Serge Gnabry und Kingsley Coman sehr gut aus. Allerdings ließen die Bayern die Kaufoption in Höhe von 20 Millionen Euro bereits verstreichen. Inter soll nun 15 Millionen Euro fordern, aber auch dies ist den Münchnern zu teuer. Dennoch bislang eine gute Verpflichtung.

Winter 2019: Álvaro Odriozola

Nachdem sich Hansi Flick im Winter für Verstärkungen ausgesprochen hatte, wurde der Spanier für die Rückrunde von Real Madrid ausgeliehen. Bei den Bayern kam Odriozola jedoch kaum zum Zug und stand in der Bundesliga lediglich 153 Minuten auf dem Platz. Nach der Saison kehrt der 24-Jährige wieder nach Spanien zurück. Bislang keine gute Verpflichtung.

Sommer 2020: Alexander Nübel

Bereits Anfang Januar gab der Rekordmeister den ersten Transfer für die Saison 2020/21 bekannt. Torwart Alexander Nübel wechselt von Schalke 04 an die Isar. Der ehemalige S04-Kapitän soll als Nachfolger von Manuel Neuer aufgebaut werden. Das bemerkenswerte an dem Deal: Der U21-Vizeeuropameister kommt ablösefrei aus Gelsenkirchen.

Sommer 2020: Tanguy Nianzou Kouassi

Der nächste ablösefreie Transfer des Rekordmeisters! Mit Tanguy Nianzou Kouassi hat der FC Bayern ein hoffnungsvolles Talent von Paris Saint-Germain verpflichtet. "Er ist einer der besten Spieler Europas im Jahrgang 2002", so Salihamidzic. Der 18-jähre Franzose wird künftig die Defensive der Münchner verstärken. Ein Transfer mit Weitblick.

Sommer 2020: Leroy Sané

Leroy Sané darf nicht nur als Königstransfer des FC Bayern bezeichnet werden, sondern auch als das bisherige Meisterstück von Salihamidzic. Der deutsche Nationalspieler wechselt nach monatelangem Hickhack zum Rekordmeister und erhält einen Vertrag bis 2025. Berichten zufolge sollen die Münchner rund 50 Millionen Euro Ablöse an Manchester City gezahlt haben. 

"Ich möchte Hasan Salihamidzic für die erfolgreiche Umsetzung des Transfers ein großes Kompliment aussprechen", lobte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge seinen Kollegen. Das Ziel des FC Bayern sei es immer, "die besten deutschen Spieler beim FC Bayern zu versammeln und die Verpflichtung von Leroy unterstreicht diesen Weg". Zusammen mit Robert Lewandowski und Serge Gnabry bildet der 24-Jährige nun eine der besten Offensivreihen in Europa. 


Hinweis: Da Hasan Salihamidzic erst im Sommer 2017 das Amt als Sportdirektor in München übernommen hat, wurden die Wechsel aus jenem Transferfenster in dieser Übersicht nicht berücksichtigt. Dies betrifft die Wechsel von Corentin Tolisso, Niklas Süle, Serge Gnabry, James Rodríguez und Sebastian Rudy.

 

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