Unter Flick aufgeblüht Jérôme Boateng beim FC Bayern: Die Wiederauferstehung des "Fremdkörpers"

Bejubelt den Pokal-Triumph: Bayern-Star Jérôme Boateng (m.). Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images Europe/Pool/dpa

Unter Hansi Flick gehört Jérôme Boateng zu den Überraschungen der Saison, er ist einer der ganz großen Gewinner. Vor einem Jahr war er fast weg. Nun schwärmt sogar Uli Hoeneß.

 

München - Einen größeren Kontrast kann man sich ja gar nicht vorstellen. Im vergangenen Jahr, nach dem 3:0-Erfolg im DFB-Pokal-Finale gegen RB Leipzig, ließ Jérôme Boateng (31) die Feierlichkeiten noch mehr oder weniger über sich ergehen. Er ging kurz mit in die Fankurve und verschwand anschließend umgehend in die Kabine. Zuvor hatte er 90 Minuten auf der Bank gesessen.

Und diesmal? Da sah man einen ausgelassenen Boateng, der gemeinsam mit seinen Teamkollegen Trainer Hansi Flick hochleben ließ, der in der Kabine tanzte und freudestrahlend den Pokal in den Berliner Himmel reckte. Zuvor hatte er sehr stark gespielt, ehe ihn eine Wadenverletzung zur Auswechslung in der 64. Minute zwang. Doch zum Glück für Boateng und die Bayern hat es den Weltmeister von 2014 wohl nicht schlimmer erwischt.

Boateng-Verbleib in München ist wahrscheinlich

Inzwischen muss man es so formulieren: Ein Boateng in dieser Form wäre bei der Fortsetzung der Champions League im August kaum zu ersetzen. "Jérôme ist in einer blendenden Verfassung", sagte Trainer Hansi Flick, der große Boateng-Förderer, erst neulich. "Wenn er bleiben sollte, bin ich nicht traurig. Ich weiß aber nicht, was seine Gedanken sind." Nach AZ-Informationen kann sich Boateng gut vorstellen, auch in der kommenden Saison für Bayern zu spielen. Sein Vertrag läuft ohnehin bis 2021. Ein Verbleib in München ist wahrscheinlich. Wenn man ein gutes Jahr zurückdenkt, war diese Entwicklung nicht absehbar. Da stand Boateng kurz vor dem Abschied.

Hoeneß riet Boateng zu Wechsel

"Ich glaube, für ihn wäre es besser, wenn er mal andere Luft genießen könnte", sagte damals Ex-Präsident Uli Hoeneß in erstaunlicher Deutlichkeit. "Ich glaube, er muss eine neue Herausforderung suchen, das ist besser für ihn. Er wirkt wie ein Fremdkörper." Ein Wechsel zu Juventus Turin scheiterte auf der Zielgeraden, weil sich die Italiener kurzfristig andere Pläne für ihre Abwehrkette überlegten, Boateng musste bleiben. Ein Jahr zuvor wurde sein fast schon sicherer Transfer zu Paris Saint-Germain ebenfalls kurz vor der Unterschrift noch abgesagt. "Ich war mit dem Kopf schon weg", räumte Boateng später ein.

Im Sommer 2020 ist er vom Fremdkörper wieder zum Unverzichtbaren geworden. Rekordneuzugang Lucas Hernández (24) ist nur Ersatzspieler, die Innenverteidigung mit Boateng und David Alaba (28) harmoniert prächtig. Es war bemerkenswert, wie der Österreicher Boateng nach dessen Rettungstat gegen Leverkusens Leon Bailey am Samstag feierte. Bei dieser Grätsch-Aktion, die ein sicheres Tor verhinderte, verletzte sich Boateng leicht. Auch Niklas Süle (24), der nach seinem Kreuzbandriss nun wieder einsatzfähig ist, wird es schwer haben, Boateng zu verdrängen.

Boateng: Die Renaissance des Weltmeisters

Die Renaissance des Weltmeisters ist ganz eng mit Flick verbunden. Der Coach vermittelt ihm jene Wertschätzung, die er unter Ex-Trainer Niko Kovac und auch von der Vereinsspitze vermisst hatte. "Er ist menschlich top, hat ein super Gespür für uns", sagte Boateng bereits kurz nach Flicks Beförderung zum Chefcoach der AZ: "Hansi geht sehr respektvoll und professionell mit uns Spielern um, mit denen, die spielen, und denen, die nicht spielen. Er gibt jedem das Gefühl, dass er wichtig ist. Und das ist bei einem Verein wie Bayern von großer Bedeutung."

Es sei "wie bei Jupp Heynckes, der das wirklich hervorragend gemacht hat mit seiner ganzen Erfahrung", ergänzte Boateng: "Hansi ist nicht weit weg davon." Und Boateng ist nicht weit weg von jener Form, die ihn vor allem zwischen 2013 und 2016 zu einem der weltbesten Innenverteidiger machte. Ähnlich wie Thomas Müller (30) hat er extrem vom Trainerwechsel profitiert. Nun greifen die unverzichtbaren Routiniers nach ihrem zweiten Triple-Triumph nach 2013.

Plötzlich schwärmt Hoeneß von Boateng

Sogar Uli Hoeneß hat seine Meinung über Boateng geändert und schwärmt nun von ihm. "Ich möchte nicht über einzelne Spieler sprechen, das ist Sache der Vereinsführung und des Trainers", sagte der Ehrenpräsident bei "Sport1". "Ich freue mich sehr, dass die Mannschaft und natürlich auch Jérôme so hervorragend spielt."

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