Reservist beim FC Bayern Jérôme Boateng wird nach geplatztem Transfer zum Ladenhüter

Hat seinen Stammplatz beim FC Bayern verloren: Jérôme Boateng. Foto: firo/Augenklick

Der Wechsel von Jérôme Boateng zu Juventus Turin ist kurz vor Transferschluss geplatzt. Beim FC Bayern wird der Weltmeister von 2014 zum Ladenhüter, seine Perspektive in München ist wenig erbaulich.

 

München - In seinem noblen Heim in Grünwald vollführte Jérôme Boateng mit seinen Töchtern Lamia und Soley ein Geburtstags-Tänzchen. Kurz danach stand er zusammen mit Michael Cuisance und Jann-Fiete Arp an der Säbener Straße auf dem Trainingsplatz.

Dabei hätte Boateng seinen 31. Geburtstag am Dienstag so gerne in England oder Italien gefeiert – und nicht auf dem Gelände des FC Bayern. Doch schon im zweiten Jahr in Folge platzte der erhoffte Transfer des wechselwilligen Abwehrspielers, der vom einst gefeierten Weltmeister zum Ladenhüter geworden ist.

Boateng: Nur noch Nebenrolle bei Bayern

Nachdem die Münchner im vergangenen Sommer trotz eines konkreten Angebots von Paris St. Germain noch ihr Veto eingelegt hatten, gab es diesmal schlicht nicht den passenden Abnehmer für den ehemaligen Nationalspieler. Kurz vor Transferschluss hatte auch Juventus Turin abgewunken. Dabei ist es noch keine drei Jahre her, da gehörte Boateng als All-Star der EM in Frankreich und Deutschlands "Fußballer des Jahres" zu den Führungsfiguren.

"Boss" Boateng war bei den Bayern der Abwehrchef, er war einer der Stars der Szene, eine Marke mit eigener Sonnenbrillen- und Kopfhörer-Edition. Sogar das Lifestyle-Magazin "Boa" hob der gebürtige Berliner aus der Taufe. Und jetzt? In der Nationalmannschaft wurde Boateng im Frühjahr nach 76 Länderspielen von Bundestrainer Joachim Löw auf wenig elegante Weise ausgebootet. Und beim FC Bayern kommt der Innenverteidiger schon länger nicht mehr über eine Nebenrolle hinaus.

Boateng als "Fremdkörper"

Vorstandschef Karl-Heinz-Rummenigge riet Boateng Ende 2016, er solle doch endlich wieder "back to earth" kommen. Sein Abschied von den Bayern war spätestens beschlossene Sache, als Präsident Uli Hoeneß ihn nach den Meisterfeierlichkeiten Ende Mai als "Fremdkörper" bezeichnet und Boateng zu einem Wechsel geraten hatte. Die Bayern machten sogar Abstriche bei der Ablöse, die im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen sollte – ein Käufer fand sich dennoch nicht.

Für Boateng, der seit 2011 bei den Bayern spielt und dessen Vertrag noch bis 2021 läuft, ist es eine schwierige Situation. Die Perspektiven haben sich für den Innenverteidiger auch in der neuen Saison nicht verbessert, im Gegenteil: Die Konkurrenz ist trotz des Abgangs von Mats Hummels im Vergleich zum Vorjahr noch größer. In Rekordeinkauf Lucas Hernández, der für 80 Millionen Euro von Atlético Madrid kam, und Benjamin Pavard (Stuttgart, 35 Millionen) haben die Bayern für ihre Abwehr zwei aktuelle Weltmeister verpflichtet.

Jérôme Boateng noch ohne Einsatz in Pokal und Liga

Niklas Süle ist als neuer Chef ohnehin gesetzt. Die Konsequenz: Boateng kam im DFB-Pokal und in den ersten drei Ligaspielen nicht zum Einsatz. Spannend wird in den kommenden Wochen sein, wie er mit seiner undankbaren Rolle umgeht. In der Vorbereitung zeigte sich der 31-Jährige äußerst engagiert und war noch um gute Laune bemüht. Sogar für seinen lustlosen Auftritt bei der Meisterfeier entschuldigte er sich. Er habe "wirklich niemanden verärgern oder beleidigen wollen. Ich habe nur aus tiefer Enttäuschung über meine Situation gehandelt."

Seine aktuelle sportliche Lage hat Boateng noch nicht kommentiert. Vor Wochen hatte er allerdings betont, dass er seine Karriere keinesfalls "ausklingen lassen will, im Gegenteil". Nachdem er in der vergangenen Saison "so oft gebremst wurde, will ich zeigen: Ich bin noch voll da. Ich brenne immer noch. Ich bin heiß."

Die Frage bleibt, ob er das überhaupt noch zeigen darf.

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