Flick und die Qual der Wahl In der Defensive des FC Bayern spitzt sich der Konkurrenzkampf zu

Hansi Flick hat bei der Wahl seiner Hintermannschaft einige Optionen. Foto: AZ-Montage, Peter Kneffel/dpa, Rauchensteiner/firo/sampics/Augenklick

Mit der Rückkehr von Lucas Hernández spitzt sich der Konkurrenzkampf in der Defensive des FC Bayern weiter zu. Der Rekordeinkauf schielt auf sein Comeback im Pokal gegen Hoffenheim - Real-Leihgabe Álvaro Odriozola drängt derweil auf sein Debüt.

 

München - Es könnte aktuell schlechter laufen für Hansi Flick und den FC Bayern: Nach zuletzt sechs Siegen in Folge grüßt der Rekordmeister seit dem vergangenen Wochenende wieder von der Tabellenspitze - erstmals seit Ende September. "Wir sind ins Rollen gekommen und haben unsere Spiele gewonnen", konstatierte David Alaba relativ nüchtern nach dem neuerlichen Erfolg gegen den FSV Mainz 05 (3:1).

Der Österreicher zeigt sich seit Wochen in absoluter Topform - und das auf ungewohnter Position: Nach den schmerzhaften Ausfällen von Niklas Süle und Rekordeinkauf Lucas Hernández Ende Oktober wurde Alaba ins Abwehrzentrum gezogen und glänzt seitdem mit abgeklärter Defensivarbeit und umsichtigem Spielaufbau. Seit seiner Versetzung steht die Hintermannschaft wieder deutlich stabiler - auch die verhängnisvolle Anfälligkeit für schnelle Konter haben die Bayern mittlerweile abgelegt.

Idealposition Innenverteidiger? David Alaba wiegelt ab

Alaba, so wirkt es von außen, scheint auf seiner Idealposition angekommen. Ganz so weit will der gelernte Mittelfeldspieler aber nicht gehen. "Das werden wir noch sehen. Ich habe sie jetzt ein paar Mal gespielt. In der Mannschaft funktioniert es sehr gut, weil wir sehr viel den Ball haben und hoch stehen. Das liegt mir gut", sagte der 27-Jährige am Wochenende gegenüber dem "kicker". Eine Rückkehr auf die Linksverteidigerposition, wo sich in der Zwischenzeit Alphonso Davies festgespielt hat, scheint aber ohnehin unwahrscheinlich.

Tatsächlich dürfte sich der Konkurrenzkampf in der Hintermannschaft der Bayern demnächst noch einmal deutlich verschärfen. In Rekordneuzugang Lucas Hernández steht Hansi Flick eine weitere hochkarätige Option für die Verteidigung zur Verfügung. Der Weltmeister, der seit Ende Oktober aufgrund eines Innenbandrisses im Sprunggelenk ausgefallen war, befindet sich seit knapp zwei Wochen wieder im Mannschaftstraining und darf sich Hoffnungen auf ein Comeback im Spitzenspiel gegen RB Leipzig am kommenden Wochenende machen.

Hernández drängt auf Comeback - wann spielt Odriozola?

Zunächst wird sich der 80-Millionen-Mann jedoch hinter Jérôme Boateng anstellen müssen. Der Innenverteidiger, der seit Monaten als Verkaufskandidat bei den Bayern gilt, hat sich in den vergangenen Wochen zurück in die erste Mannschaft gekämpft und stand in allen drei Partien der Rückrunde in der Startelf. "Er hat im Urlaub viel getan und genauso spielt er auch. Ich glaube, er hat vier Kilo abgenommen", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach dem Sieg in Mainz. Auch Trainer Hansi Flick äußerte sich positiv über seinen Innenverteidiger. "Jeder Spieler braucht Zuspruch, Wertschätzung. Die bekommt er – auch von den Mitspielern. Er ist sehr anerkannt in der Mannschaft", erzählte der Übungsleiter am Samstagabend.

Eben jene Anerkennung muss sich ein anderer Kandidat für die Verteidigung noch erarbeiten: Álvaro Odriozola. Der offensivstarke Rechtsverteidiger, der im Winter von Real Madrid ausgeliehen wurde, wartet noch auf sein Debüt im Trikot des Rekordmeisters. "Alvaro ist ein sehr guter Junge, er macht einen tollen Eindruck im Training und ist topfit. Am Ende muss der Trainer entscheiden, wann er ihn bringt", sagte Hasan Salihamidzic am Wochenende über seinen Winter-Neuzugang.

FC Bayern: Benjamin Pavard ist gesetzt

Großer Handlungsbedarf herrscht dort allerdings nicht: Benjamin Pavard ist mittlerweile auf der Rechtsverteidigerposition der Bayern gesetzt und füllt die Lücke, die nach der Versetzung von Joshua Kimmich ins zentrale Mittelfeld entstand, zuverlässig aus. Ohnehin zählt der Weltmeister von 2018 zu den positiven Überraschungen dieser über weite Strecken holprigen Bayern-Saison. Einzig Manuel Neuer kommt in der laufenden Spielzeit auf mehr Einsatzminuten (2.610) als Pavard (2.440), der die Rolle als Außenverteidiger mit seinen Flügelläufen ähnlich offensiv interpretiert wie Shootingstar Alphonso Davies auf der linken Seite.

Auch Torhüter Manuel Neuer, im Herbst noch einer der Hauptkritiker der wackeligen Defensive, zeigt sich mittlerweile überzeugt von der Leistung seiner Vorderleute. "Ich bin mit jedem Einzelnen aus der Viererkette und auch davor zufrieden", meinte der Kapitän am Samstag. Es könnte derzeit tatsächlich schlechter laufen für die Bayern.

 

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