Eine Rechnung mit Unbekannten Der AZ-Meistercheck vor dem Re-Start: "Wie eine EM"

Heiße Anwärter auf den Meistertitel (v.l.): Borussia Dortmund mit Erling Braut Haaland, der FC Bayern mit Robert Lewandowski und RB Leipzig mit Timo Werner. Foto: AZ-Montage, Jan Woitas/Sven Hoppe/Stefan Puchner/dpa

Nach der Corona-Pause ist der Titelkampf unwägbar wie selten zuvor. Julian Nagelsmann macht dem FC Bayern eine Kampfansage: "Diese neun Spiele sind wie eine EM, und die wollen wir gewinnen." Der AZ-Meistercheck.

 

München - Zumindest Julian Nagelsmann hat den Kampf um den Meistertitel noch nicht aufgegeben, RB Leipzig bleibt auch vor dem Wiederbeginn der Bundesliga am kommenden Wochenende titelhungrig. "Diese neun Spiele sind wie eine EM, und die wollen wir gewinnen", sagte der Trainer des Tabellendritten dem "Kicker".

Es ist eine Kampfansage an den FC Bayern, der die Tabelle vor dem Neustart mit vier Punkten Vorsprung vor Borussia Dortmund und fünf Punkten vor Leipzig anführt. "Wir versuchen, dieses Neun-Spiele-Turnier zu gewinnen und damit die theoretische Voraussetzung zu schaffen, ganz weit vorn zu landen", sagte Nagelsmann.

Spannend wird der Titelkampf auch deshalb, weil einige Unwägbarkeiten neu hinzukommen: Welches Team kommt mit den Geisterspielen am besten zurecht? Wer hat die lange Pause am besten genutzt? Und: Welche Mannschaft kommt am ungestörtesten durch die Corona-Krise?

Nicht auszudenken, wenn eines der Topteams für zwei Wochen aus dem Trainings- und Spielbetrieb gerissen wird, weil es positive Corona-Fälle im Klub gibt. Die AZ macht vor dem Bundesliga-Neustart den Meistercheck:

FC Bayern (55 Punkte, 73:26 Tore)

Der Lauf der Bayern unter Trainer Hansi Flick mit sieben Siegen und einem Unentschieden (0:0 gegen RB Leipzig) seit dem Winter wurde durch die Corona-Pause erstmal gestoppt. Dennoch: Die Bayern bleiben der Topfavorit auf den Titel.

Die Mannschaft ist so erfahren, dass sie sich auch auf die Situation mit den Geisterspielen einstellen kann, die zuletzt verletzten Robert Lewandowski, Ivan Perisic, Kingsley Coman und Javi Martinez sind zurück im Kader, Philippe Coutinho, Corentin Tolisso und Niklas Süle fehlen wohl bis Saisonende. "Wenn die Bayern eine Top-Verfassung haben, wird normalerweise die Meisterschaft über sie entschieden, erst recht bei diesem Vorsprung", räumte auch Nagelsmann ein.

Borussia Dortmund (51 Punkte, 68:33 Tore)

Beim BVB, der derzeit im Hotel l’Arrivée residiert, wo 2017 der Anschlag auf den Mannschaftsbus stattfand, blieb es während der Corona-Pause recht ruhig, der Neustart hat es aber in sich: Zunächst kommt am Samstag der FC Schalke 04 zum Revierderby in den Signal-Iduna-Park, am 26. Mai dann der FC Bayern. Dazwischen steht noch das Spiel beim VfL Wolfsburg an.

Dortmunder Handicap: Mit Kapitän Marco Reus (individuelles Training nach einer Muskelverletzung), Dan Axel Zagadou (Außenbandanriss), Axel Witsel und Emre Can (muskuläre Probleme) fallen wohl vier wichtige Spieler aus. Thomas Delaney und Julian Brandt könnten somit in der Zentrale spielen.

RB Leipzig (50 Punkte, 62:26 Tore)

Die Sachsen hatten in den vergangenen Wochen mit die besten Bedingungen aller Bundesliga-Klubs: Das Mannschaftstraining konnten sie als eine der ersten Mannschaften am 6. Mai wieder aufnehmen, die Quarantäne verbringen sie im vereinseigenen, hochmodernen Trainingszentrum – und mit Ibrahima Konaté und Kevin Kampl kehren zwei verletzte Spieler zurück, Kapitän Willi Orban (Knie-OP) soll bald folgen.

Die prekäre Personalsituation in der Abwehr entspannt sich damit. Nur die Spekulationen um die möglichen Abgänge von Timo Werner und Dayot Upamecano störten die Ruhe ein bisschen.

Borussia Mönchengladbach (49 Punkte, 49:30 Tore)

Die Borussia, bei der vergangene Woche ein Spieler und ein Physiotherapeut positiv auf das Coronavirus getestet wurden, hat bereits Erfahrung mit Geisterspielen: Am 11. März gab’s ein 2:1 gegen den 1. FC Köln.

Schwer wiegt nun der Ausfall von Mittelfeld-Stratege Denis Zakaria, der sich einem Eingriff am Knie unterziehen musste. "Grundsätzlich ändern sich unsere Ziele nicht. Wir sind vorne dabei und haben immer gesagt, dass wir da bleiben wollen", sagte Trainer Marco Rose.

Bayer Leverkusen (47 Punkte, 45:30 Tore)

Die Werkself hatte zuletzt sieben von neun Partien gewonnen und will auf jeden Fall noch in die Champions League. Die Mannschaft ist nahezu komplett, nur Stürmer Kevin Volland (Syndesmoseriss) fehlt. "Ich würde behaupten, dass auch Bayer Leverkusen noch Chancen auf die Meisterschaft besitzt", sagte Ex-Profi Michael Rummenigge im "Sportbuzzer". "Wir werden zahlreiche Überraschungen erleben." 

Der Meisterkampf der Bundesliga – er ist heuer eine Rechnung mit vielen Unbekannten.

Lesen Sie hier: Quarantäne-Hotel - Warum der FC Bayern im "Infinity" absteigt

 

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