Die Bayern auf Speed FC Bayern: Das könnte sich mit Philippe Coutinho ändern

Geschwindigkeit ist Trumpf: Der neue Spielmacher Coutinho (r.) wird die Bayern-Sprinter wie Alphonso Davies (l.) und Kingsley Coman häufig steil schicken. Foto: firo (2), sampics, Minkoff/alle Augenklick; Fotomontage AZ/Buchner

Die neue Geschwindigkeit: Mit Philippe Coutinho könnte sich das sonst oft auf Abwarten ausgelegte Spiel des FC Bayern stark verändern. 

 

München - Klar war Niko Kovac zum Flachsen aufgelegt. 6:1 gewonnen, niemand verletzt, dem Publikum alle Neuen gezeigt – da kann man schon mal einen Spaß machen, und seine Pointe geht so: "Gegen den ist Kingsley Coman langsam." Coman langsam? Passen diese Worte wirklich zusammen? Muss man bei der irrsinnigen Raserei des Franzosen nicht eher an einen ICE, einen Geparden oder sonst irgendwas Lichtgeschwindiges denken? Und der soll langsam sein? Na ja, relativierte Kovac: "Nur ein bisschen langsamer."

Alphonso Davies: Der Schnellste des FC Bayern

Der schnellste Mann des FC Bayern heißt nämlich nicht Coman, sondern Alphonso Boyle Davies, hat liberianische Vorfahren, kam im ghanaischen Flüchtlingslager Buduburam zur Welt, wanderte nach Kanada aus und kickt seit Jahresbeginn für die Bayern, vier Mal bei den Amateuren, acht Mal bei den Profis. Glaubt man dem Flachser Kovac, werden noch so einige Spiele dazu kommen, eher nicht bei den Amateuren.

"Er wird viele Spiele spielen", sagte Kovac nach dem 25-minütigen Auftritt des Flügelflitzers, "er ist sehr talentiert, hat eine Wahnsinns-Geschwindigkeit." Beim Trainingslager am Tegernsee hatte Kovac seine Cracks gegeneinander sprinten lassen. Der Sieger: Davies.

Niko Kovac: Davies muss an seiner Defensive arbeiten

Gegen Mainz kam er nach 67 Minuten für Ivan Perisic. Der erste spektakuläre Flankenlauf ließ nicht lange auf sich warten, inklusive beinahe passender Hereingabe auf Lewandowski (73.). In Minute 80 staubte er nach Müller-Pass zum 6:1 ab. Seinen ersten Bundesligatreffer hatte er im März erzielt: beim 6:0-Sieg – gegen Mainz.

Kovac weiß auch, dass es für den Racer, der spätestens seit seinem sensationellen Karaoke-Auftritt (Whitney Houstons ‘I will always love you’) beim Mannschaftsabend auf den Spitznamen Fonse hört, nicht immer so einfach sein wird wie gegen Mainz. Der Trainer hat den jungen Kanadier auch als Linksverteidiger auf dem Plan: "Er kann beides, muss defensiv aber noch einiges lernen." Seinen kleinen Lapsus hat Kovac Davies offenbar verziehen: Wie die "Bild" berichtet, hat der Trainer den Kanadier vergangene Woche mit einer Geldstrafe von 20.000 Euro belegt, weil er nach einem Trip zu seiner Freundin nach Paris vier Stunden zu spät zum Training gekommen sein soll.

Philippe Coutinho: Spielerisches Element für den FCB

Davies ist aber nicht der einzige Außenbahn-Flitzer bei den Bayern, dort sind mit Coman und auch Serge Gnabry ja noch ein paar andere Speed-Könige unterwegs. Coach Kovac meinte nach dem Mainz-Spiel: "Wir haben gute Situationen über Außen kreiert." Und derjenige, der für diese Kreationen künftig einer der Hauptverantwortlichen sein wird, läuft sich ja noch warm: Philippe Coutinho.

Sportdirektor Hasan Salihamidzic erklärt, wie sich das Bayern-Spiel ändern könnte: "Mit Coutinho haben wir einen Spieler dazu bekommen, der im Mittelfeld Gegner ausspielen kann und vorne, im letzten Drittel zwischen den Linien, Überzahl schafft. Er wird Robert Lewandowski und unsere Außen anders einsetzen, er wird unser Spiel flexibler machen." Angedeutet hat der Brasilianer diese Arbeitsweise beim Heimdebüt gegen Mainz bereits, mit ein paar gedankenschnellen "Tiefenpässen" (Kovac) auf Coman und Perisic – ein spielerisches Element, das den Bayern in den vergangenen Jahren oft abgegangen ist. "Wenn das mit Coutinho funktioniert", sagte Salihamidzic dem "Kicker", "sehe ich eine große Chance, diese Mannschaft in der Offensive auf ein neues Level zu heben."

Der FC Bayern auf Speed. Kein auf Abwarten angelegter, reiner Ballbesitzfußball, sondern intelligentes Tempo-Spiel mitten rein in die sogenannten Schnittstellen der gegnerischen Abwehr: Es könnte eine torreiche, spektakuläre Saison werden. Mit elf Toren in drei Spielen ist der FCB schon mal Ligaspitze. Und die Defensive? Niklas Süle und Lucas Hernandez werden nicht viele Stürmer davonlaufen. Höchstens mal im Training.

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