DFB-Elf bei der WM 2018 Problemzone Bayern: Die Münchner schwächeln in Russland

Der Bayern-Block in der Nationalelf wackelte im ersten Spiel bedenklich. Foto: dpa, AZ-Montage

Ausgerechnet die sonst so verlässlichen Münchner schwächeln bei der Nationalmannschaft. Kimmich wirkt fahrig, Müller kommt nicht in Fahrt und das Innenverteidiger-Duo Hummels/Boateng wackelt.

Watutinki - Das Ding war gesetzt, ein Qualitätsmerkmal, verlässlich, zuverlässig: der Bayern-Block. Ein Gütesiegel für frühere deutsche Nationalmannschaften.

Die Abteilung "Mia san Deutschland" schwächelt seit Wochen, was besonders im Auftaktspiel dieser WM gegen Mexiko augenscheinlich wurde. Die Abwehrbosse Jérôme Boateng und Mats Hummels, selbst mit großen Defiziten, beklagten sich nach dem 0:1 vehement, in der Defensive an akuter Einsamkeit gelitten zu haben. Auch weil Rechtsverteidiger Joshua Kimmich stets zu mittig und zu weit vorne rumturnte.

Schon in den vorherigen Testländerspielen wirkte Kimmich teils fahrig und unkonzentriert, nicht auf seinem gewohnt stabilen Leistungsniveau.

Thomas Müller lief als Rechtsaußen mehr im Nirgendwo umher, konnte seine Raumdeuter-Fähigkeiten nicht unter Beweis stellen. Wo Müller doch eigentlich WM-Liebhaber ist, in den 13 WM-Spielen vor Turnierbeginn zehn Treffer erzielt und sechs vorbereitet hatte.

Doch auch in seiner Bayern-Saison kam Müller nicht recht in Schwung, am Ende standen lediglich 15 Tore in 45 Pflichtspielen. Und die Enttäuschung, unter Trainer Jupp Heynckes nicht das anvisierte Triple, sondern nur die Meisterschaft gewonnen zu haben. Die überraschende 1:3-Schlappe im Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt drückte kurz vor der Abreise ins WM-Trainingslager zusätzlich auf die Stimmung.

Manuel Neuer: "Ab jetzt haben wir nur noch Finals"

Kapitän Manuel Neuer, der einzige Lichtblick unter den Bayern-Profis im Auftaktspiel, machte am Dienstag vor der Abreise der Mannschaft nach Sotschi auf Optimismus mit Blick auf das zweite Gruppenspiel gegen Schweden am Samstag. "Wir haben ab jetzt nur noch Finals. Jetzt muss von uns was kommen, wir müssen zeigen, was uns in der Vergangenheit stark gemacht hat. Wir glauben und wissen, dass wir das schaffen. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir uns für die K.o.-Runde qualifizieren."

Dazu braucht es zwei Siege gegen Schweden und Südkorea sowie eine deutliche Reaktion der Führungsspieler, speziell des Bayern-Blocks. "Ich sehe alle in der Verantwortung", betonte Neuer, "viele erfahrene Spieler wollen und müssen nun Verantwortung übernehmen. Wir haben Spieler dabei, die einige Turniere gespielt haben."

Die Bayernspieler kennen sich - eigentlich

Die Vorteile des Bayern-Blocks liegen – in der Theorie zumindest – auf der Hand. "Wir spielen im Verein und in der Nationalmannschaft jetzt schon lange zusammen", sagte Boateng, "wir kennen uns gut, das ist natürlich von Vorteil und besser, als wenn jeder aus einem anderen Verein kommt."

Thomas Müller erklärt: "Man kennt die Eigenschaften, die ein Spieler auf den Platz bringt, besser. Welche Wege er geht, sowohl offensiv als auch defensiv." Doch schon vor dem Mexiko-Spiel warnte der Bayer, sich zu sehr auf die bayerische Blockbildung zu verlassen: "Natürlich kennt man sich besser, was nicht heißt, dass es automatisch besser funktioniert!"

Womöglich kommen Mittelfeldspieler Sebastian Rudy und Innenverteidiger Niklas Süle in den letzten beiden Gruppenspielen zu Einsatzminuten, darauf hofft auch Leon Goretzka, der zum Stichtag 1. Juli nicht mehr Schalker, sondern Bayern-Profi ist. Dann wären es insgesamt acht Münchner Profis im aktuellen WM-Kader – falls Deutschland im Juli noch im Turnier ist.

Beim Triumph 2014 bildete Bayern die Achse des Weltmeisters

Wie stark war der Bayern-Block bei den letzten drei Titelgewinnen vertreten? Bei der Heim-WM 1974 bildete ein Münchner Sextett das Gerüst für den Titel: Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Katsche Schwarzenbeck, Uli Hoeneß und Gerd Müller hatten wenige Wochen zuvor den Europapokal der Landesmeister gewonnen.

Der Kern um Kaiser Franz regierte auch 1990 in der DFB-Elf. Als man unter Teamchef Beckenbauer Weltmeister wurde, waren sechs Bayern-Spieler in Italien dabei, im Finale von Rom liefen allerdings nur zwei (Klaus Augenthaler und Jürgen Kohler) auf, mit Stefan Reuter wurde ein weiterer eingewechselt.

Die Weltmeister-Achse von Rio 2014 bildeten Kapitän Philipp Lahm, Neuer, Boateng, Müller, Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos (verabschiedete sich nach der WM zu Real Madrid), dazu kam Finalsiegtorschütze Mario Götze, der ein Jahr zuvor aus Dortmund nach München gewechselt war – bis zu seinem Abschied 2016 kam er auch nie richtig an bei Bayern.

Ob wie 1974 (Müller) und 2014 (Götze) auch diesmal wieder ein Bayern-Profi den entscheidenden Treffer im Finale erzielt? Ein schöner Traum – und ein weiter, weiter Weg.

 
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