Der FC Bayern und die Krise "Eine Wohltat, zu gewinnen" – Der Cup der guten Hoffnung

, aktualisiert am 07.08.2017 - 06:02 Uhr
Endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis: Die Bayern feiern den Supercup. Foto: sampics/Augenklick//AZ

Der FC Bayern gewinnt gegen Borussia Dortmund den Supercup – endlich mal wieder ein Erfolg. "Es war eine Wohltat, zu gewinnen", sagt Kapitän Thomas Müller. War’s das jetzt mit der Krise?

 

Die Bayern bekommen einen Pokal in die Hand gedrückt, nichts Neues – und doch war irgendwas ganz anders am Samstagabend im Konfettiregen nach dem Supercup-Gewinn in Dortmund. Erstens: Philipp Lahm fehlte, der frühere Kapitän und routinierte Trophäen-Adressat. Und zweitens: Die Bayern freuten sich aber so richtig über den Erfolg nach 5:4 im Elfmeterschießen gegen den BVB. Das 2:2 nach 90 Minuten hatte man gerade noch so gepackt, der Billard-Ausgleich fiel erst kurz vor Schluss. Egal. Übung macht den Meister und eine Krise erst so richtig glücklich. Wenn sie vorbei ist.

"Das lag am Druck", sagte Thomas Müller, der den Supercup entgegennehmen durfte. "Für uns war es sehr wichtig, um die Niederlagen in der Vorbereitung abzustreifen. Es war eine Wohltat, zu gewinnen. Wenn wir verloren hätten, hätten wir gesagt, der Supercup ist nicht so wichtig." Lautes Müller-Lachen, breites Müller-Grinsen.

Die Wohltäter in eigener Sache hatten den Frust nach fünf Pleiten in den vergangenen sechs Testspielen in Jubel-Energie umgewandelt. Sehr kreativ, wie Arturo Vidal & Co. sich als Stillleben-Bande mit Pokal inszenierten. In der Spielerkabine zeigten sie ihre Muckis, die größten Bedenken und Sorgen waren kurzfristig verflogen.

Auch der Trainer- und Betreuerstab feierte ausgelassen in Mannschaftsstärke, Carlo Ancelotti postete das Foto bei Twitter. Mittendrin ein Mann im weißen Hemd, der neue Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Besonders für Brazzo schien der Supercup ein Brustlöser zu sein. Ein Titelchen fürs Bürschchen. Als die Bosse Uli Hoeneß – von den Fans mit Sprechhören gefeiert – und Karl-Heinz Rummenigge von der Tribüne heruntergekommen waren, herzten sie besonders innig Ancelotti und feixten mit ihrem neuen Sportdirektor.

Während des Elfmeterschießens war der Bosnier, seit letzten Montag im Amt, an der Seitenlinie total aufgelöst herumgetigert, nervöser als alle anderen von der Bank. Nach den zwei von Neuers Stellvertreter Sven Ulreich gehaltenen Elfmetern war klar: Bayern hat ein neues Feierbiest.


Bayerische Muskelspiele: Die Spieler jubeln mit der Supercup-Trophäe in der Kabine. Foto: twitter.com/FCBayern

"Ich bin richtig glücklich und stolz auf die Mannschaft", sprudelte es aus Salihamidzic heraus. "Die Mannschaft hat Charakter gezeigt und super gekämpft, ist immer wieder zurückgekommen. Es war wichtig, dass wir wie Bayern München aufgetreten sind." Was Müller etwas nüchterner relativierte: "Das Spiel war nicht perfekt, vor allem nicht in der zweiten Halbzeit, aber der Siegeswille absolut zu erkennen."

"Sind nicht am Limit"

Staatsmännisch gab der Vorstandsvorsitzende Rummenigge bekannt: "Wir haben gezeigt, dass wir in keiner Krise sind. Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie sich auf den Punkt konzentrieren kann."

Ancelotti hatte auf ein 4-4-2-System umgestellt, vor allem der ablösefreie Neuzugang Sebastian Rudy aus Hoffenheim überzeugte als ruhige, ordnende Hand im Mittelfeld und bereitete den 1:1-Ausgleich von Robert Lewandowski mit einem klugen Pass auf Vorlagengeber Joshua Kimmich vor. "Das war eine sehr klare Steigerung trotz der dünnen Personaldecke", sagte Mats Hummels und erinnerte an die sieben Verletzten, das Weltklasse-Personal Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Arjen Robben, David Alaba, Juan Bernat, Thiago und Real-Leihgabe James Rodríguez.

Alles wieder gut also? "Wir sind auch jetzt nicht am Limit, aber auf einem guten Weg", sagte Ulreich. Hummels wollte den Erfolg "nicht als Ansage an die Konkurrenz" verstehen, drohte ihr dann aber doch: "Wir werden uns jetzt jede Woche unserer Topform nähern." In "normalen Trainingswochen", ergänzte Hummels, mit "nicht so vielen nicht-sportlichen Terminen". Die Asien-Tour ist weit weg, der Cup der guten Hoffnung in der Vitrine.

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