AZ-Interview Bixente Lizarazu: "Kimmich und Thiago sind das beste Mittelfeld-Duo der Welt"

Jubelnd: Kimmich und Thiago. Foto: imago/Eibner

Bayerns Abwehrlegende Bixente Lizarazu spricht im exklusiven AZ-Interview über die Säulen der Flick-Elf und Lucas Hernández: "Ich glaube sehr an ihn. Er wird noch ganz wichtig für den FC Bayern."

 

München - Bixente Lizarazu im AZ-Interview: Der 50-jährige Franzose spielte von 1997 bis 2004 und von 2005 bis 2006 für den FC Bayern. Heute ist er als Markenbotschafter für die Münchner tätig.

AZ: Herr Lizarazu, darf man dem FC Bayern nach dem 1:0-Sieg bei Borussia Dortmund schon zur achten Meisterschaft in Serie gratulieren?
BIXENTE LIZARAZU: Der Sieg gegen Dortmund war natürlich ein großer Schritt Richtung Titel, aber man darf noch nicht davon sprechen, dass es vorbei ist. Und das werden die Bayern auch nicht tun. Die Mannschaft und die verantwortlichen Personen im Verein sind so erfahren, sie werden bis zum Ende konzentriert bleiben, da habe ich keine Angst.

Trainer Hansi Flick hat das Team im November nach der Trennung von Niko Kovac übernommen und wieder an die Spitze geführt. Wie ist ihm das gelungen?
Das Wichtigste ist, dass er den Spielern Selbstvertrauen gegeben hat. Es gibt manchmal Situationen im Fußball, in denen Spannungen herrschen zwischen Trainer und Mannschaft, Situationen, in den das Verhältnis nicht mehr so gut ist. Das war bei Kovac und Bayern der Fall. Es sieht so aus, dass die Spieler nun unter Flick wieder befreit auftreten und mehr Sicherheit haben. Als Kovacs Team 1:5 in Frankfurt verloren hat, war für jeden klar, dass es ein großes Problem gibt und etwas kaputt gegangen ist. Jetzt fühlt sich jeder wieder gut, Bayern ist zurück.

"Kimmich und Thiago sind derzeit das beste Mittelfeld-Duo der Welt"

Wer zählt aktuell zu den entscheidenden Bayern-Spielern?
Joshua Kimmich und Thiago Alcántara. Sie sind derzeit das beste Mittelfeld-Duo der Welt, spielen auf einem sehr hohen Level. Technisch sind beide perfekt und sie wollen immer den Ball haben. Das ist ganz wichtig fürs Team, weil es Sicherheit gibt. Kimmich und Thiago zusammen sind wirklich fantastisch, ich sehe kein besseres Duo im Weltfußball.

Thiago ist noch immer angeschlagen, Kimmich hingegen topfit und in herausragender Verfassung. Karl-Heinz Rummenigge und Lothar Matthäus sehen ihn schon als Kapitän der Zukunft. Sie auch?
Wenn du im zentralen Mittelfeld bei Bayern spielst, kannst du auch Kapitän sein. Kimmich versteht es, dem Team die richtige Balance zu geben. Ich bin beeindruckt von seinem Niveau, denn ich dachte eigentlich, dass die rechte Abwehrseite seine beste Position ist. Jetzt muss ich sagen: Im Mittelfeld ist er noch besser als rechts. Ja, ich denke, Kimmich wäre geeignet als Kapitän.

Zumal Kimmich auf dem Platz manchmal fast schon so böse schaut wie Stefan Effenberg in Ihrer gemeinsamen Bayern-Zeit ...
Es ist unmöglich, so böse wie Stefan Effenberg zu schauen, unmöglich (lacht). Er war ein wahrer Krieger auf dem Platz, ihn wolltest du in deinem Team haben und nicht als Gegner. Er ist wirklich sehr weit gegangen für den Erfolg. Nein, es tut mir leid, wir können Effenberg nicht mit Kimmich vergleichen. Effe war ein besonderer Charakter.

Wie wichtig ist es, dass Trainer Flick mit Kimmich und Thiago, aber auch anderen Stars wie Manuel Neuer, David Alaba, Thomas Müller und Robert Lewandowski Flick eine funktionierende Achse etabliert hat?
Das gibt der Mannschaft Halt. Neuer ist zurück auf seinem Toplevel und sehr wichtig für die Mannschaft. Auf der linken Seite spielt der überragende Alphonso Davies, der so schnell und offensivstark ist – unglaublich. Im Abwehrzentrum harmonieren David Alaba und Jérôme Boateng wirklich gut, im Sturm schießt Robert Lewandowski ein Tor nach dem anderen. Und auch Thomas Müller ist wieder auf einem hohen Niveau. Das ist wichtig für die Stimmung in der Mannschaft, für den Spirit.

Lizarazu: Keine Zweifel an Hernández

Für manche Spieler ist es aktuell schwer, zum Beispiel für Ihren Landsmann Lucas Hernández. Warum hat er bei Bayern noch nicht überzeugt?
Ich glaube sehr stark an Lucas Hernández. Wegen der Verletzungen haben wir noch nicht sein ganzes Potenzial gesehen. Im Moment ist es natürlich schwierig für ihn, er spielt sehr wenig. Dadurch kommt er auch nicht in seinen Rhythmus, hat weniger Selbstvertrauen. Aber an seiner Klasse gibt es keinen Zweifel. Lassen Sie uns zu einem späteren Zeitpunkt nochmal über ihn sprechen.

In Ordnung: Aber wen soll Hernández aus dieser starken Abwehr verdrängen?
Aktuell ist es kompliziert, denn Alaba spielt sehr gut im Zentrum und Davies auf der linken Seite. Es gibt also keinen Grund für Flick, etwas zu ändern. Aber es kann immer Verletzungen und Formschwächen geben, dann ändert sich die Situation, weil sich vielleicht auch das Gefühl des Trainers ändert. Es ist nicht vorbei für Hernández, er muss kämpfen. Und nochmal: Ich glaube ganz fest an ihn!

Welche ist denn seine beste Position?
Ich sehe ihn am liebsten auf der linken Abwehrseite, aber ich glaube, dass er selbst am liebsten als linker Innenverteidiger spielt. Klar ist, dass er noch ein ganz wichtiger Spieler für den FC Bayern wird, wenn er das Niveau erreicht, das er in der französischen Nationalmannschaft zeigt. Und daran habe ich keinen Zweifel. Es gibt nicht so viele Außenverteidiger auf der Welt, die defensiv und offensiv herausragend sind. Hernández kann beides. Was man auch sagen muss: Das erste Jahr bei einem großen Klub wie Bayern ist nie einfach, das habe ich damals selbst erfahren. Du musst die Mentalität kennenlernen, die Sprache, den Klub verstehen. Und bei Hernández kamen auch noch die Verletzungen dazu. Ich würde ihn gern mal in Topform bei Bayern sehen. Dann können wir darüber diskutieren, auf welcher Position er spielen wird.

Bei Benjamin Pavard stellt sich diese Frage nicht, er hat sich als Rechtsverteidiger einen Stammplatz erkämpft.
In seinem ersten Bayern-Jahr macht er es wirklich gut. Um ehrlich zu sein, hatte ich vor der Saison ein bisschen Angst um ihn. Ich war nicht sicher, ob Pavard das hohe Niveau von Kimmich als Rechtsverteidiger erreichen würde, aber er hat es meiner Meinung nach geschafft. Es ist großartig, welche Leistungen er in dieser Saison gebracht hat. Großen Respekt vor Pavard! Eigentlich dachte ich, dass es für Hernández leichter sein würde, auf Spielzeit zu kommen, als für Pavard. Aber da habe ich mich ein bisschen getäuscht.

Lesen Sie hier: AZ-Analyse - Acht Gründe für den achten Bayern-Titel in Serie

 

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