Giesinger Rückenwind: Die Bosse des TSV 1860 sind die Sieger des Machtkampfs

Das Aus von Kultfigur Mölders hätte Trainer Köllner und Sportchef Gorenzel zum Verhängnis werden können. Nach dem 2:0-Sieg in Dortmund geht das Duo gestärkt aus einer turbulenten Woche hervor.
| Matthias Eicher
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So sehen Sieger aus - und Befreite: Torschütze Marcel Bär (l.) und Trainer Michael Köllner nach dem 2:0-Sieg bei Borussia Dortmund II.
So sehen Sieger aus - und Befreite: Torschütze Marcel Bär (l.) und Trainer Michael Köllner nach dem 2:0-Sieg bei Borussia Dortmund II. © imago images/Kirchner-Media

München - Der Triumph der Löwen war soeben unter Dach und Fach gebracht, da zeichneten sich auf dem Rasen und auf den Rängen Szenen ab, die nicht minder entscheidend sein könnten für die Zukunft.

Trainer Michael Köllner klatschte Marcel Bär, Torschütze des TSV 1860 zum entscheidenden 2:0 bei Borussia Dortmund II, mit seiner Hand ab und herzte den Angreifer. Beiden stand ein breites Grinsen im Gesicht geschrieben. Neuzugang Bär musste sich zuvor im wahrsten Sinne des Wortes hinter Alphalöwe Sascha Mölders einreihen, denn der geschasste Kapitän duldete ihn maximal als Joker oder im Mittelfeld.

Mit der Mölders-Freistellung gingen Köllner und Gorenzel großes Risiko ein

Köllner war aufgrund Sechzigs durchwachsener Bilanz erstmals in seiner zweijährigen Amtszeit als 1860-Coach unter Druck geraten. Doch beide Gesellschafter hatten ihm wiederholt das Vertrauen ausgesprochen. Und dann bekam auch noch Anthony Power den einstigen Nürnberger Aufstiegstrainer an seinen muskelbepackten Körper: Der verlängerte Arm von Investor Hasan Ismaik drückte den Übungsleiter lange, kräftig und herzlich. Mit der Maßnahme, Mölders zu streichen, gingen Köllner und Geschäftsführer Günther Gorenzel aufs Ganze. Sie wurden belohnt.

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"Wir haben eine gute Mannschaft, gute Charaktere. Es ist darum gegangen, die Themen, die Entscheidungen in dieser Woche auszublenden. Alle haben sich in den Dienst der Mannschaft gestellt", lobte Köllner. Der strenge Winter-Wind, der ihm und Gorenzel ins Gesicht blies, er hat sich gedreht: Zuerst, nachdem immer mehr Details über die Hintergründe der Mölders-Demission nach außen drangen. Am Samstag folgte das ungeheuer wichtige sportliche Statement: Die Befreiung der Blauen auf dem Rasen verleiht auch Köllner und Gorenzel Auftrieb. Auf Giesings Höhen weht eine sanfte Brise Rückenwind.

Die Mannschaft des TSV 1860 spielt nicht gegen Köllner

In erster Linie für Köllner: Der Chefcoach hat mit dem überzeugenden Auswärtssieg die Trendwende geschafft. Mit der richtigen Taktik (ein Mix aus 4-3-1-2 und 3-4-1-2), mit dem richtigen Personal (Bär für Mölders, Semi Belkahia für Quirin Moll), gewiss auch mit der richtigen Ansage an sein Team. In Dortmund, neben dem mächtigen Signal-Iduna-Park, den die 1860-Bosse um Präsident Robert Reisinger besichtigt hatten, zeigte sich: Das Löwen-Rudel auf dem Platz spielte nicht gegen, vielmehr für den Trainer. Nach dem Sieg folgten der Schulterschluss und die Laola-Welle mit den Fans. Was sich Köllner gefallen lassen muss: den Vorwurf, dass er Mölders zu lange gewähren ließ mit dessen allzu fragwürdigem Führungsstil in der Kabine.

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Doch der Oberpfälzer hat auch nicht tatenlos zugesehen: Er hat mit dem Team einen Verhaltenskatalog entwickelt, eigenen Aussagen zufolge unzählige Gespräche mit Mölders geführt, den Platzhirsch im bisherigen Saisonverlauf bekanntlich auch schon auf die Bank gesetzt. Gegen Verl und Viktoria Berlin (jeweils 1:1) hatten Ersatzkapitän Lex und Bär ganz im Gegensatz zum BVB-Spiel aber nicht geliefert, vielmehr schoss sich Mölders mit seinem Jokertor gegen Berlin zurück in Sechzigs erste Elf. Vergangene Woche ist das Fass endgültig übergelaufen - doch diesmal konnten Sechzigs Angreifer, nicht zuletzt durch das starke Kollektiv dahinter, das Aus vergessen machen.

Gorenzel handelte in der Causa Mölders klug

Auch wenn die Sympathiepunkte innerhalb Sechzigs Sportlicher Leitung bei den Fans und auch manchen Entscheidungsträgern klar zugunsten von Köllner verteilt zu sein scheint: Der Sieg gegen Dortmund stärkt auch Gorenzel, dessen Vertrag bis Jahresende gekündigt oder verlängert werden muss. In der Causa Mölders agierte der Österreicher taktisch klug, um der scheidenden Kultfigur im Zerren um die unausweichliche Vertragsauflösung keine Angriffsfläche zu bieten.

Zudem machen sich Gorenzels Sommer-Transfers mehr und mehr bezahlt: Torjäger Bär hat gegen den BVB II sein sechstes Saisontor erzielt - und damit Mölders überholt. Yannick Deichmann, der durch seine Umschulung zum Rechtsverteidiger mit Kämpferherz und Flexibilität punkten konnte, zeigte nun endlich im offensiven Mittelfeld gute Ansätze. Lediglich Kevin Goden konnte sich bisher kaum beweisen.

Klar ist auch: Das Ganze darf nicht nur ein laues Lüftchen gewesen sein, die Sechzger müssen auch am Montagabend in Würzburg performen (19 Uhr). Ein solcher Rückenwind könnte dann gehörig Auftrieb verleihen...

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