Fremdelnder Favorit: Warum sich der TSV 1860 in der Rolle unwohl fühlt

Der TSV 1860 wird von anderen Drittliga-Klubs und dem Umfeld zum Aufstiegsaspiranten gekürt. Doch so richtig wohl fühlen sich die Löwen dabei nicht. "Schlimmer wärs, wir wären ein Abstiegskandidat."
| Matthias Eicher
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
4  Kommentare Artikel empfehlen
Hoch will er schon, aber wenn da nur diese Erwartungshaltung und einige Probleme nicht wären: Löwen-Trainer Michael Köllner.
Hoch will er schon, aber wenn da nur diese Erwartungshaltung und einige Probleme nicht wären: Löwen-Trainer Michael Köllner. © sampics/Augenklick

München - Geballte Fäuste, Löwen-Luftsprünge, gewaltiges Gebrüll: Diese Szenen, hauptsächlich von Chef-Torjäger Sascha Mölders und seinen Offensiv-Kollegen um Stefan Lex, Merveille Biankadi und Neuzugang Marcel Bär, wurden am Donnerstag beim Dreh der Torjubel-Videos eingefangen. Wie oft es die wohl in der anstehenden Saison einzuspielen gilt?

Jubelpose mit dem Meister-Pokal: Sascha Mölders.
Jubelpose mit dem Meister-Pokal: Sascha Mölders. © MagentaSport

Der TSV 1860 bereitet sich derzeit in allen Belangen auf die Spielzeit 2021/22 vor. Nach zwei Aufholjagden, die auf den Plätzen acht und vier endeten, ist klar: Alle guten Aufstiegs-Dinge sind drei, im dritten Versuch soll die Rückkehr ins Unterhaus endlich klappen. Doch wie gut ist Sechzig dafür gerüstet, mit drei Zweitliga-Absteigern und einigen weiteren ambitionierten Teams um die ersten Plätze zu streiten?

Die Favoritenrolle wird 1860 vor Saisonauftakt jedenfalls nicht mehr los: 15 Drittliga-Trainer haben den TSV zum Topfavoriten erklärt, Alpha-Löwe Mölders ("Wir wollen hoch!") stemmte bei den Media Days schon mal vorsorglich den Meister-Pokal in die Höhe.

Aufstieg? Köllner und Gorenzel stapeln tief

Auf der Pro-Seite, weshalb die Giesinger in dieser Saison wieder ganz oben mitmischen könnten, steht neben dem grundsätzlichen Aufschwung unter Trainer Michael Köllner folgendes: ein eingespieltes und eingeschworenes Löwen-Rudel, das alle Leistungsträger halten konnte und sich sogar rekordverdächtig früh in der Spitze wie Breite punktuell verstärken konnte. So richtig wohl fühlt man sich in der Favoritenrolle dennoch nicht. Im Gegenteil: Die Löwen fremdeln.

Lesen Sie auch

Eine klare, selbstbewusste Aufstiegs-Ansage fehlt auch in diesem Sommer. Sport-Boss Günther Gorenzel verortete 1860 in der Etat-Rangliste auf "Rang fünf bis oder sechs", was zwar Ambitionen weckt, die Verhältnisse der Blauen aber auch realistisch einordnen soll: Ein absoluter Topfavorit wie Dynamo Dresden, das letzte Saison mit dem höchsten Budget in die Zweite Liga marschierte, sind die Löwen nicht. Und selbst wenn, aus taktischen Gründen stapeln Köllner und Gorenzel zumindest ein bisschen tiefer, um "die Mannschaft mit der Erwartungshaltung nicht zu erdrücken" (Zitat Gorenzel).

Sieg gegen Fürth: Löwen-Auftaktgegner Würzburg gut in Form

Köllner sagte bei der Vorstellung des neuen, weiß-blau gestreiften Heimtrikots mit hohem Erinnerungswert an jene Zeiten, in denen der TSV 1996/97 erstklassig spielte: "Schlimmer wärs, wenn wir als Abstiegskandidat eingeschätzt werden würden." Rundum zufrieden wirkt der meist gutgelaunte Oberpfälzer aber nicht, denn er weiß um seine Baustellen.

Die Testspiele verbreiteten bisher nicht gerade Angst und Schrecken: Beim 8:2 gegen den SV Heimstetten, dem 0:1 gegen den SV Ried, dem 2:1 gegen Austria Klagenfurt und dem 4:2 gegen Wacker Burghausen agierten die Sechzger ordentlich. Ohne große Blamage, aber auch ohne Glanzlichter. Anders die Würzburger Kickers: Der Zweitliga-Absteiger sorgte zuletzt mit einem 1:0 über Neu-Bundesligist SpVgg Greuther Fürth für Aufsehen.

TSV 1860 vor Härtetest gegen Nürnberg am Samstag

Womit wir beim Auftaktprogramm wären: Würzburg (24. Juli, 14 Uhr) ist nur der Auftakt des Mammut-Sechserpacks. Ob die Generalprobe am Samstag bei Köllners Ex-Klub und dem Wiedersehen mit Ex-Löwe Chris Schindler in Nürnberg (13 Uhr im AZ-Liveticker) gelingt?

Lesen Sie auch

Die Ausfälle von Marius Willsch und Daniel Wein sowie der Rückstand von Neulöwe Kevin Goden zwangen Köllner zudem, Neuzugang Yannick Deichmann nach rechts zu beordern. Insgesamt also schon verständlich, dass die Sportliche Leitung keine großen Töne spuckt. Es soll schließlich so laufen wie in den letzten beiden Jahren: Leise ranpirschen, dann zupacken. Nur diesmal eben, ohne die Beute nochmal loszulassen.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 4  Kommentare – mitdiskutieren Artikel empfehlen
4 Kommentare
Artikel kommentieren