Warum Thiagos Zukunft beim FC Bayern auf der Kippe steht

Thiago sorgt beim FC Bayern aktuell wieder für zauberhafte Momente. Der Spanier hat sogar den anfangs skeptischen Hansi Flick überzeugt. Dass er über den Sommer hinaus in München bleibt, ist trotzdem ungewiss. Bayern plant schon das Mittelfeld der Zukunft, und Thiagos Heimatverein lockt.
| AZ/Julian Huter
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Thiago bekam gegen Hoffenheim eine Pause. Am Sonntag gegen Leipzig dürfte er aber wieder von Beginn an spielen.
sampics/Augenklick 2 Thiago bekam gegen Hoffenheim eine Pause. Am Sonntag gegen Leipzig dürfte er aber wieder von Beginn an spielen.
Traf auch beim Rückrunden-Auftakt gegen Hertha: Thiago.
imago/Newspix 2 Traf auch beim Rückrunden-Auftakt gegen Hertha: Thiago.

Thiago sorgt beim FC Bayern aktuell wieder für zauberhafte Momente. Der Spanier hat sogar den anfangs skeptischen Hansi Flick überzeugt. Dass er über den Sommer hinaus in München bleibt, ist trotzdem ungewiss. Bayern plant schon das Mittelfeld der Zukunft, und Thiago Heimatverein lockt.  

München - Aktuell gibt es beim FC Bayern kaum einen Spieler, der sich in einer besseren Verfassung präsentiert als Thiago. Exemplarisch dafür war sein Tor beim 3:1-Sieg in Mainz. Erst ein entschlossener Antritt, dann ein Tänzchen: Am ersten Verteidiger vorbei, mit der Sohle am zweiten vorbeigestreichelt und den dritten Mainzer mit einem Übersteiger ausmanövriert. Dazu ein kraftvoller Abschluss ins lange Eck. Besser geht's nicht!

In den ersten drei Rückrundenspielen hat der Spanier jeweils getroffen, nachdem der 28-Jährige in der Hinserie noch torlos geblieben war. "Thiago hat die letzten drei Spiele sehr gute Leistungen gebracht", lobte auch Trainer Hansi Flick nach dem Mainz-Spiel. Dass Thiago beim 4:3-Sieg gegen Hoffenheim nur auf der Bank saß, darf als Indiz dafür gewertet werden, dass er sich in Flicks Stammelf festgespielt hat.

Thiago bekam gegen Hoffenheim eine Pause. Am Sonntag gegen Leipzig dürfte er aber wieder von Beginn an spielen.
Thiago bekam gegen Hoffenheim eine Pause. Am Sonntag gegen Leipzig dürfte er aber wieder von Beginn an spielen. © sampics/Augenklick

Thiago saß unter Flick zuerst auf der Bank

Thiago musste sich diesen Platz aber erst hart erarbeiten. In den ersten vier Spielen unter Flicks Regie musste sich der zentrale Mittelfeldspieler mit der Bank begnügen. Der Nachfolger von Niko Kovac forderte mehr defensive Stabilität von seinen Mittelfeld-Akteueren. Und Thiago nahm sich diesen Aufruf zu Herzen. Der Edeltechniker, dem oft vorgeworfen wurde, er sei ein Feingeist, der mit den körperlichen Duellen in der Verteidigung nichts zu tun haben will, kann plötzlich auch Defensive. In der bisherigen Rückrunde arbeitete er fleißig mit nach hinten, warf sich auch mal bissig in die Zweikämpfe und verlieh dem Bayern-Mittelfeld so mehr Stabilität in der Defensive.

Kein Wunder also, dass der Spanier laut "Sport Bild" ein Jahresgehalt von 15 Millionen Euro für eine Vertragsverlängerung in München fordert. Finanziell würde er damit in die Sphären eines Robert Lewandowskis aufsteigen. Mit seinen aktuellen Leistungen stärkt Thiago seine Verhandlungsposition – sein Verbleib in München ist dennoch ungewiss.

Havertz und Fein sollen die Zukunft beim FC Bayern werden

Denn bei allem Lob – die Zukunft im Bayern-Mittelfeld gehört wahrscheinlich anderen. Joshua Kimmich sieht sich selbst als Sechser und sollte Flick über die Saison hinaus Trainer bleiben, darf er diese Rolle wohl auch weiter spielen. Leon Goretzka befindet sich aktuell ebenfalls in Bestform. Dazu kommt noch Eigengewächs Adrian Fein, der derzeit noch an den Hamburger SV ausgeliehen ist und dort mit starken Leistungen auf sich aufmerksam macht. Der 20-Jährige steht bei den Bayern-Bossen hoch im Kurs. Corentin Tolisso ist momentan außen vor, aber immer noch ein amtierender Weltmeister, der auch auf seine Chance lauert. Und dann gibt es natürlich noch Kai Havertz: Die Bayern haben nie einen Hehl aus ihrem Interesse am Leverkusener Top-Talent gemacht.

Traf auch beim Rückrunden-Auftakt gegen Hertha: Thiago.
Traf auch beim Rückrunden-Auftakt gegen Hertha: Thiago. © imago/Newspix

Thiago wird auch in der kommenden Saison um seinen Stammplatz bangen müssen – ganz gleich, wer Trainer ist. Sind die Bayern bereit, ihn trotzdem zu einem der Top-Verdiener in der Mannschaft zu machen? Bisher hält sich die Führungsriege in Bezug auf Thiago Zukunft bedeckt. "Das klären wir intern", antwortete Hasan Salihamidzic nach dem Mainz-Spiel, als er darauf angesprochen wurde.

Nach dem Sieg im Pokal gegen Hoffenheim gab es vom Sportdirektor ähnlich uneindeutige Aussagen: "Wir werden sicher Gespräche führen, die Spieler wissen Bescheid. Aber wir konzentrieren uns die nächsten Wochen erst einmal auf das Sportliche", sagte Salihamidzic zu möglichen Vertragsverlängerungen von Thiago und Thomas Müller. Wenn es um potenzielle Wunschspieler wie Leroy Sané oder Callum Hudson-Odoi ging, waren die Ansagen des Bayern-Spordirektors in der Vergangenheit deutlich offensiver.

Will Thiago seine Gehaltsforderung rechtfertigen, muss er auch zeigen, dass er in den ganz großen Spielen den Unterschied ausmachen kann. Die Fähigkeiten dazu hat er, den Beweis dafür muss er aber noch liefern. Nimmt man den souveränen 3:0-Sieg im Pokalfinale 2019 gegen Leipzig aus, taucht der Spanier in den ganz wichtigen Spielen zu oft unter – ist mehr Mitläufer als Führungsspieler. Zudem soll er nach Informationen der "Sport Bild" mit einer Rückkehr nach Spanien liebäugeln – genauer gesagt zum FC Barcelona.

FC Barcelona sucht Nachfolger für Xavi und Iniesta

Thiago wurde in der berühmten "La Masia"-Akademie der Katalanen ausgebildet. Dass er den Verein verließ, lag vor allem am Lockruf des damaligen Bayern-Trainers Pep Guardiola und der Tatsache, dass im Barca-Mittelfeld neben Legenden wie Andrés Iniesta und Xavi kaum Platz war. Doch Xavi und Iniesta sind inzwischen weg und das Barca-Publikum sehnt sich nach einer neuen Identifikationsfigur. Für Thiago, der dort das Fußballspielen gelernt hat und dort aufgewachsen ist, dürfte das eine verlockende Aussicht sein. Selbst wenn er und seine Frau Julia in den letzten sechseinhalb Jahren in München heimisch geworden sind.

Können sich der FC Bayern und Thiago nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen, ist ein Abschied im Sommer wahrscheinlich. Nur dann könnte der Verein noch eine Ablösesumme kassieren. Die in Barcelona ansässige Zeitschrift "Don Balón" will sogar wissen, dass die Bayern ab einem Angebot von 50 Millionen Euro verhandlungsbereit wären und Thiago dem Verein bereits seine Wechselabsicht mitgeteilt hätte. Sollte der deutsche Rekordmeister im Sommer bei Sané und Havertz wirklich ernst machen, könnte er das Geld gut gebrauchen – für das Duo müssten die Bayern wohl über 200 Millionen hinblättern, das Gehalt noch nicht miteingerechnet. Und bei einem Thiago-Verkauf würde man sich auch dessen Lohnerhöhung sparen.   

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