Vorbild Barca - oder doch Real?

Ex-Keeper Kahn vermisst beim FC Bayern die „wirkliche Idee vom Fußball“ und kritisiert das „Kaufen von Namen“. Nun soll Heynckes eine Ära an der Säbener Straße prägen. .
| Patrick Strasser
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Jupp Heynckes, der neue Trainer des FC Bayern.
dpa Jupp Heynckes, der neue Trainer des FC Bayern.

Ex-Keeper Kahn vermisst beim FC Bayern die „wirkliche Idee vom Fußball“ und kritisiert das „Kaufen von Namen“. Nun soll  Heynckes eine Ära an der Säbener Straße prägen.

München - Jupp Heynckes hatte darüber nachgedacht, seine Trainerkarriere zu beenden. Letzten Montag ist er 66 Jahre alt geworden, Rang zwei mit Bayer Leverkusen wäre ein veritabler Abschluss gewesen. Doch dann kam das Angebot des FC Bayern – und Heynckes geht in seine dritte Ära in München, mit einem Vertrag bis 2013. „Es wäre ein großer Fehler zu glauben, jetzt kommt ein älterer Herr, der hier noch zum Schluss ein wenig Spaß haben will”, mahnte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge im „kicker”.

Er will vorbeugen. Soll ja keiner behaupten, Heynckes könne mit 66 keine Ära prägen. Davon träumen sie an der Säbener Straße – bei jedem Trainer wurde der Name in einem Atemzug mit dem Traum einer „Ära” genannt. Ob Felix Magath, Jürgen Klinsmann oder Louis van Gaal. Nach spätestens zwei Jahren war’s wieder vorbei und die Sehnsucht nach einem neuen Ottmar Hitzfeld groß.

Nur eingestehen will man sich das nicht. Oliver Kahn, bis 2008 Torhüter beim FC Bayern, sprach es beim „Audi Star-Talk” direkt an. Dass Jupp Heynckes kommt, sei „die logische Konsequenz”.

Kahn zweifelt jedoch, „ob es wirklich die nachhaltige Lösung” sei. Seine These: „Kontinuität auf der Trainerposition ist letztlich immer die Basis für Erfolg. Was ich vermisse, ist, wie auch bei Real Madrid: Wo ist die wirkliche Idee vom Fußball? Wo ist die wirkliche Philosophie? Nach welchen Kriterien werden Spieler zusammengestellt? Wie wird eine Mannschaft zusammengebaut? Bei Real werden halt immer Namen zusammengekauft.”

Harte Vorwürfe. Doch hat der ehemalige Welttorhüter Recht? Ist Bayern mehr Real als Barcelona? Die AZ hat den aktuellen wie frühere Kader durchgesehen.

Spieler aus der eigenen Jugend: Hier wurden in den letzten Jahren Weltstars wie Bastian Schweinsteiger oder Philipp Lahm, die Kapitäne und Führungsspieler, hervorgebracht. Dazu kommen Thomas Müller und Holger Badstuber, gefördert von van Gaal. Plus Toni Kroos und David Alaba, die ausgeliehen waren oder sind. Gute Arbeit!

Gezielte Einkäufe: Mit Superstars wurde die Mannschaft positionsbezogen verstärkt, etwa durch die Flügelspieler Arjen Robben und Franck Ribéry oder 2009 durch Mario Gomez. Mittels ihrer Klasse haben sie sich durchgesetzt wie der ehemalige Kapitän Mark van Bommel oder – bis zu seiner Verletzung – Ivica Olic. Auch die Einkäufe von Jörg Butt, damals als Ersatzkeeper, sowie Miroslav Klose und Hamit Altintop machten Sinn.

Wunschspieler bestimmter Trainer: Das Paradebeispiel war Ali Karimi. Den iranischen Fummler stellte sich Ex-Trainer Felix Magath unbedingt vor – eine kaum zu durchschauender Plan. Denn Karimi hatte weder Tempo- noch Wettkampfhärte für die Bundesliga, blieb ab 2005 als „Liebhaber-Objekt” zwei Jahre. Jürgen Klinsmann wollte unbedingt Anatoliy Tymoshchuk, van Gaal konnte mit ihm zunächst wenig anfangen. Der Holländer holte 2009 Danijel Pranjic und Edson Braafheid – nicht die glücklichsten Transfers.

Try-and-Error-Kicker: Solche Versuche mit immer günstigen Einkäufen müssen schon mal drin sein. Etwa Julio dos Santos, der 2005 aus Paraguay kam. Oder José Ernesto Sosa, ein weiterer Flop aus Südamerika. Auch der teuerste des Trios, Verteidiger Breno, oft verletzt, hat den Durchbruch nicht geschafft.

Nun soll Heynckes den Kader begradigen. Die Verträge von Ottl und Altintop wurden nicht verlängert, für Kroos und Luiz Gustavo – im Winter der Wunschsspieler – wird jetzt eine Position gesucht.

„Phasenweise fragt man sich schon, wie passen jetzt die oder der Spieler wirklich zusammen”, meinte Kahn, „es geht nicht immer nur darum, und das zeigt Barcelona sehr schön, dass man bestimmte Namen, oder die einmal gut gegen Bayern gespielt haben, kauft.” Erinnert sei an Jan Schlaudraff oder Alexander Baumjohann. 

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