Thomas Müller kann auch ernst: Wie der Star des FC Bayern übers Impfen denkt

Der Bayern-Star, sonst der Humorbeauftragte bei der Nationalmannschaft, schlägt beim Thema Corona nachdenkliche Töne an. Setzt Bundestrainer Hansi Flick bald nur noch auf geimpfte Spieler?
| Patrick Strasser
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"Welche Regeln aufgestellt werden, obliegt nicht uns Spielern", sagt Nationalspieler Thomas Müller zur Corona-Thematik.
"Welche Regeln aufgestellt werden, obliegt nicht uns Spielern", sagt Nationalspieler Thomas Müller zur Corona-Thematik. © GES/Augenklick

Wolfsburg - Thomas Müller ließ sich nicht locken - keine Chance. Dabei hatte der DFB sicher einen ganz bestimmten Hintergedanken bei der Besetzung der Pressekonferenz am Tag vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Liechtenstein. Und zwar: Mit Müller einen aufs Podium setzen, der neben seinen Torjäger- und Torvorlagengeberqualitäten auch so vieles andere in einer Person vereint.

Man wählte also den allseits beliebten Humorbeauftragten der Nationalmannschaft, den Sprücheklopfer (obwohl das so negativ klingt!), den Launeaufheller gegen den Stimmungskiller vom Montagabend, den Corona-Alarm. Niklas Süle wurde positiv getestet, der Bayern-Profi musste ebenso abreisen wie seine Teamkollegen Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Jamal Musiala (alle FC Bayern) und Karim Adeyemi (RB Salzburg), die als enge Kontaktpersonen gelten. Das Quintett befindet sich zu Hause in Quarantäne.

Müller beim Impf-Thema ernst statt humorvoll

Es müllerte und witzelte also nicht wie von DFB-Direktor Oliver Bierhoff hoffnungsvoll angekündigt. Er habe selbst zum Thema Corona "überraschenderweise noch keinen Spruch von Thomas Müller gehört", meinte Bierhoff lächelnd und war sich sicher: "Aber ich gehe davon aus, dass das in den nächsten Tagen kommt."

Erstens kommt es anders und zweitens als Bierhoff denkt. Müller kann auch ernst. Für den selbsternannten Raumdeuter war kein Platz für Späße an diesem Mittwoch, auch wenn er per se keine schlechte Laune hatte. Müller, bekennender Befürworter der Impfung, bemühte sich, die Sache nüchtern einzuordnen.

"Man darf das auch nicht überdramatisieren, damit ist die gesamte Gesellschaft konfrontiert. Wir Spieler sind damit umgegangen, wie es in den Regeln steht. Das ist der aktuelle Status quo, daran müssen wir uns immer wieder anpassen und ein gewisses Vertrauen mitbringen", sagte der 32-Jährige: "Welche Regeln aufgestellt werden, obliegt nicht uns Spielern. Das ist eine politische Entscheidung. Es ist schwierig und deswegen diskutiert die ganze Welt darüber. Streitpunkte gibt es immer. Aktuell kann ich aber nur mit dem arbeiten, was das Regelwerk hergibt. Im Fußball darf auch nur der Torwart im Sechzehner die Hand benutzen, weil es so festgelegt wurde."

Bei der Klub-WM: Müller war selbst mit Corona infiziert

Müller selbst war im Februar bei der Klub-WM in Katar positiv auf Corona getestet worden, hat sich nach einer gewissen Frist impfen lassen. Daher musste er trotz Kontakt zu Süle wie auch Manuel Neuer, Leon Goretzka und Leroy Sané nun nicht abreisen und in Quarantäne, kann am Donnerstag auflaufen.

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Mit seinem 109. Länderspiel überholt Müller gegen Liechtenstein den ehemaligen Stürmer Jürgen Klinsmann (auch 108 Einsätze), der jedoch sieben Treffer mehr auf seinem DFB-Konto stehen hat. Er rangiert dann alleine auf Rang sechs, bis zu Ex-Mitspieler Philipp Lahm (113) sind es nur noch eine Hand voll Partien. "Ich kann kein Torfestival versprechen", betonte Müller mit Blick aufs Liechtenstein-Match, "unser Ziel ist es, das Spiel zu gewinnen." Auch sehr nüchtern formuliert.

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Künftig nur noch geimpfte Spieler in der Nationalmannschaft?

Bundestrainer Hansi Flick kündigte aufgrund der "Hektik und Unruhe" nach den Vorfällen nochmalige Gespräche mit den Spielern an. "Wir haben hier nur kurz gesprochen, werden das aber in den nächsten Wochen nachholen", betonte der 56-Jährige, der selbst als Testimonial für die Impfkampagne wirbt: "Für mich ist der einzige Weg raus aus der Pandemie, dass man sich impfen lässt." Allerdings dürfe man Menschen, die dies aus Sorge vor negativen Folgen nicht tun wollen, "nicht verurteilen".

Impf-Testimonial: Bundestrainer Hansi Flick.
Impf-Testimonial: Bundestrainer Hansi Flick. © GES/Augenklick

Siehe Kimmich. Ob er angesichts der nun aufgetretenen Folgen künftig nur noch geimpfte Spieler für die Länderspiele einladen wolle? Flick: "Das lasse ich erstmal alles auf mich zukommen und mache mir nach dem Lehrgang Gedanken." Kein ja, kein nein. Aber eine Botschaft zwischen den Zeilen.

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