Interview

Peter Hermann: "Jupp Heynckes kann sogar den Platzwart motivieren"

Bayerns Triple-Trainer Jupp Heynckes wird 75. Im AZ-Interview spricht sein langjähriger Co Peter Hermann über ihre gemeinsame Zeit, was den Kult-Coach auszeichnet und ihre Nachfolger Hansi Flick und Miroslav Klose.
| Krischan Kaufmann
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Jubel beim FC Bayern: Unter Jupp Heynckes haben sie das Triple geholt.
sampics/Augenklick 4 Jubel beim FC Bayern: Unter Jupp Heynckes haben sie das Triple geholt.
"Jupp gibt allen das Gefühl, wenn sie gute Arbeit leisten, dass sie bei ihm hoch angesehen sind, dass er Vertrauen zu ihnen hat", sagt Peter Hermann über Heynckes.
imago 4 "Jupp gibt allen das Gefühl, wenn sie gute Arbeit leisten, dass sie bei ihm hoch angesehen sind, dass er Vertrauen zu ihnen hat", sagt Peter Hermann über Heynckes.
"Das ist hundertprozentig die richtige Entscheidung", sagt Hermann über Bayerns Trainerwahl.
Uwe Anspach/dpa 4 "Das ist hundertprozentig die richtige Entscheidung", sagt Hermann über Bayerns Trainerwahl.
"Er hat viel geleistet für den deutschen Fußball", sagt Hermann über Miroslav Klose.
dpa 4 "Er hat viel geleistet für den deutschen Fußball", sagt Hermann über Miroslav Klose.

AZ-Interview mit Peter Hermann: Der 68-jährige Fußballlehrer war viele Jahre die rechte Hand von Bayerns TripleTrainer Jupp Heynckes.

AZ: Herr Hermann, Ihr ehemaliger Chef Jupp Heynckes wird am Samstag 75. Wegen der aktuellen Umstände muss eine Feier leider ausfallen. Hätten Sie ohne Corona mit einer Einladung gerechnet?
Peter Hermann:
Nein. Seinen 70. hat er damals ja auch nicht groß gefeiert. Ich glaube, Jupp hat am Geburtstag am liebsten nur seine Frau, seine Tochter und seinen Schwiegersohn um sich.

Sie haben erst spät zusammengefunden, dann aber vor allem den FC Bayern maßgeblich geprägt. War das eine Art spätes Glück?
Es war spät, aber für mich zum Glück nicht zu spät. (lacht) Unsere Zusammenarbeit war ja schon in Leverkusen gut. Einmal waren wir Vierter, dann im Jahr darauf sogar dran an der Meisterschaft. Aber das ist eben Leverkusen, da konnten auch wir nichts daran ändern.

Hermann über Heynckes: "Da muss ich echt meinen Hut ziehen"

Den berühmten Vizekusen-Fluch konnte selbst das Erfolgsgespann Heynckes & Hermann nicht brechen. Aber dafür wurden sie später bei Bayern mit dem Triple belohnt.
Nach dem Jahr zuvor, in dem wir in der Bundesliga nur zweiter wurden und dann auch noch das Pokal- und das Champions League-Finale verloren hatten, war das schon etwas Besonderes. In allen drei Wettbewerben nur Zweiter zu werden, das kannte ich ja von meiner Zeit in Leverkusen. Aber für unsere Führungsspieler wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Arjen Robben war das schlimm. Für sie hat es mich sehr gefreut, dass wir dann das Triple geholt haben.

Jubel beim FC Bayern: Unter Jupp Heynckes haben sie das Triple geholt.
Jubel beim FC Bayern: Unter Jupp Heynckes haben sie das Triple geholt. © sampics/Augenklick

Sie standen jahrelang zusammen auf dem Trainingsplatz, haben Sie da auch den Menschen hinter dem Trainer Jupp Heynckes kennengelernt?
Klar, wir haben uns ja gut verstanden. Ich will auch gar nicht so viel über den Trainer Jupp Heynckes reden, seine Erfolge sprechen für sich. Aber als Mensch bin ich unheimlich froh, ihn kennengelernt zu haben. Es gab Aktionen von ihm, da muss ich echt meinen Hut ziehen.

Zum Beispiel?
Einmal waren wir mit den Bayern im Trainingslager in Katar und in dieser Zeit ist meine Mutter verstorben. Ich bin einen Tag vorher abgereist und plötzlich stand dann Jupp Heynckes am Grab meiner Mutter. Damit hätte ich niemals gerechnet, denn es war ja ein ziemlicher Stress für ihn. Mit dem Flieger von Katar zurück über München nach Köln und dann mit dem Taxi weiter. Die Beerdigung war bei uns im Westerwald, also nicht gleich um die Ecke. Diese Aktion werde ich nie vergessen. Das zeigt seine große Menschlichkeit.

"Die Zeit mit Jupp war eine der wichtigsten in meiner Laufbahn"

Eine Eigenschaft, die von allen gerühmt wird, die je mit ihm zusammengearbeitet haben.
Jupp gibt allen das Gefühl, wenn sie gute Arbeit leisten, dass sie bei ihm hoch angesehen sind, dass er Vertrauen zu ihnen hat. Er hat nicht nur die Spieler hinter sich gebracht, sondern immer auch das gesamte Umfeld. Jupp kann sogar den Platzwart motivieren. Seine Menschenführung zeichnet ihn unheimlich aus.

Stimmt der Eindruck, dass sie fußballerisch gleich ticken, oder waren Sie beide auch mal unterschiedlicher Meinung?
Wir hatten wirklich ein Vertrauensverhältnis zueinander. Ich konnte Jupp alles sagen. Natürlich hat mir manchmal etwas nicht gepasst, aber das war kein Problem. Er hat andere Meinungen akzeptiert.

"Jupp gibt allen das Gefühl, wenn sie gute Arbeit leisten, dass sie bei ihm hoch angesehen sind, dass er Vertrauen zu ihnen hat", sagt Peter Hermann über Heynckes.
"Jupp gibt allen das Gefühl, wenn sie gute Arbeit leisten, dass sie bei ihm hoch angesehen sind, dass er Vertrauen zu ihnen hat", sagt Peter Hermann über Heynckes. © imago

Stepanovic, Daum, Toppmöller – in Ihrer Karriere haben Sie mit vielen Trainer-Persönlichkeiten zusammengearbeitet. Wo würden Sie Jupp Heynckes einordnen?
Ohne Zweifel war die Zeit mit Jupp eine der wichtigsten in meiner Laufbahn. Ich wäre ja sonst nie nach München gekommen. Bei Bayern zu arbeiten, ist etwas ganz Besonderes, davon träumen viele ihr Leben lang. Dass er mich damals mitgenommen hat, das war auch eine Auszeichnung für mich. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Über die letzten Jahre hat sich Jupp Heynckes zu einer Art Elder Statesman, zu einem Helmut Schmidt, des deutschen Fußballs entwickelt. Sein Wort hat enormes Gewicht.
Das stimmt. Jupp ist ja nicht wie manch anderer jede Woche im Fernsehen, sondern er gibt nur ab und zu mal einen Kommentar ab – und der ist dann immer richtig gut und passend.

Anderes Gefühl als in Leverkusen: "In München musst du immer gewinnen"

2017 kehrten sie zusammen nach München zurück, angeblich zahlten die Bayern zwei Millionen Euro – eine Rekord-Ablöse für einen Co-Trainer –, um sie von Fortuna Düsseldorf loszueisen.
Das war natürlich komisch für mich. Aber im Nachhinein hat es den Vorteil, dass ich bei Fortuna jetzt immer eine Freikarte bekomme. (lacht)

"Das ist hundertprozentig die richtige Entscheidung", sagt Hermann über Bayerns Trainerwahl.
"Das ist hundertprozentig die richtige Entscheidung", sagt Hermann über Bayerns Trainerwahl. © Uwe Anspach/dpa

Mit Hansi Flick hat Bayern nun den Co-Trainer zum Chef gemacht. Eine kluge Wahl?
Ich kann das nur aus der Ferne beurteilen, aber die Mannschaft spielt gut, es macht Spaß, ihr zuzuschauen. Ich denke, dass ist hundertprozentig die richtige Entscheidung.

Flicks Team ist ja zum Teil auch noch "Ihre" Mannschaft. Welche Spieler haben sich in der letzten Zeit besonders gut entwickelt?
Also zunächst einmal die älteren Spieler wie ein Thomas Müller, ein Manuel Neuer, ein David Alaba, die bringen seit Jahren Leistung auf Top-Niveau. Diese Einstellung habe ich bei Bayern immer bewundert. In Leverkusen hat man sich auch mal über einen Punkt gefreut, aber in München musst du immer gewinnen. Und dann dieser besondere 95er Jahrgang mit Joshua Kimmich, Serge Gnabry oder Leon Goretzka, das sind richtig gute Jungs. Aber auch ein Thiago, dem konnte man beim Training stundenlang zuzuschauen. Auch das habe ich Jupp Heynckes zu verdanken, dass ich so tolle Spieler trainieren durfte.

Hermann war nie am Chef-Posten interessiert: "Ich bin zufrieden"

Apropos Leon Goretzka: Er wird häufig mit Michael Ballack verglichen, den sie in Leverkusen einst ja auch unter Ihren Fittichen hatten.
Als ich Co-Trainer auf Schalke war, habe ich ihn immer mit Lothar Matthäus verglichen. Er kann mit Tempo durchs Mittelfeld marschieren, hat einen guten Schuss, einen guten Kopfball – Leon hat eine ganz ähnliche Spielweise wie Lothar.

"Er hat viel geleistet für den deutschen Fußball", sagt Hermann über Miroslav Klose.
"Er hat viel geleistet für den deutschen Fußball", sagt Hermann über Miroslav Klose. © dpa

Was muss Miroslav Klose beachten, um für Flick ein guter Co-Trainer zu werden?
Ich finde gut, dass Miro bei Bayern in der Jugend angefangen hat. Er hat ja viel geleistet für den deutschen Fußball. Trotzdem will er den Job von der Pike auf lernen. Ich denke, er wird seinen Weg machen.

Sie selbst hatten nie Ambitionen, einen Chef-Posten zu übernehmen?
Klar will jeder gerne Chef-Trainer werden, aber irgendwann merkt man dann doch, wo der eigene Weg hingeht. Ich habe ja 2015 nach der Entlassung von Frank Kramer bei Fortuna Düsseldorf vier Spiele als Chef-Trainer übernommen. Aber ich wollte das dann nicht mehr. Im Hintergrund zu arbeiten, war immer mehr mein Ding. Heute kann ich sagen, ich bin zufrieden mit dieser Entscheidung.

Lesen Sie hier: Fix! Klose ab Sommer neuer Co-Trainer von Hansi Flick

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