Hohe Ablösen trotz Corona: Verabschiedet sich der FC Bayern vom Hoeneß-Weg?

Dem FC Bayern droht wegen der Corona-Pandemie ein Umsatzverlust von bis zu 150 Millionen Euro, zahlt aber aller Voraussicht nach dennoch eine Rekordablöse für Wunschtrainer Julian Nagelsmann. Ein untypisches Vorgehen für den sonst so sparsamen Rekordmeister.
| Bernhard Lackner
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Vorgänger und Nachfolger: Bayerns amtierender Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Oliver Kahn, der den Vorsitz im Januar 2022 übernimmt.
Vorgänger und Nachfolger: Bayerns amtierender Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Oliver Kahn, der den Vorsitz im Januar 2022 übernimmt. © IMAGO / Sven Simon

München - Aufs Wirtschaften hat man sich beim FC Bayern schon immer gut verstanden. Dass bei Feierabend die Kasse stimmt, war vor allem Uli Hoeneß seit jeher ein Bedürfnis. Während seiner jahrzehntelangen Amtszeit als Manager machte der Sohn einer Ulmer Metzger-Familie die Ende der 70er Jahre mit satten sieben Millionen Mark in der Kreide stehenden Bayern zu einem milliardenschweren Weltklub - und das ganz ohne Kredite und Investoren.

Trotz allem gelang es dem deutschen Rekordmeister auch in den vergangenen Jahren, mit hochgezüchteten Investorenklubs (Paris Saint-Germain, Manchester City) und staatlich generös alimentierten Traditionsklubs (Real Madrid, FC Barcelona) schrittzuhalten. Ein krasses Beispiel dafür, wie ausgewogen die Balance zwischen wirtschaftlicher Vernunft und höchsten sportlichen Ambitionen ist, zeigte sich spätestens im Sommer vergangenen Jahres.

FC Bayern ging bei der Kaderplanung einen Sonderweg

Im Finale der Champions League trafen die Münchner auf die millionenschwere Luxus-Truppe von Paris Saint-Germain, die in den Jahren zuvor unter anderem mit den Mega-Stars Neymar (222 Millionen Ablöse), Kylian Mbappé (180 Millionen) und Angel di Maria (65 Millionen) verstärkt worden war. Laut dem Portal "transfermarkt.de" flossen alleine in die Pariser Startelf des Finals rund 600 Millionen Euro!

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Bei den Bayern, die in ihrer Kaderplanung im vergangenen Jahrzehnt auch gerne mal günstige Vertragskonstellationen ausnutzten, belief sich die Summe dagegen auf vergleichsweise geringe 108 Millionen Euro. So kamen beispielsweise Robert Lewandowski oder Leon Goretzka ablösefrei nach München, für sie wurde lediglich das Handgeld fällig. Welttorhüter Manuel Neuer wurde 2011 ein Jahr vor Vertragsablauf für überschaubare 30 Millionen Euro vom FC Schalke verpflichtet, bei Thiago griff 2013 eine Ausstiegsklausel in Höhe von 25 Millionen Euro.

Dazu kamen Eigengewächse wie David Alaba oder Thomas Müller und Spieler wie Joshua Kimmich oder Serge Gnabry, die noch vor ihrem großen Durchbruch für einstellige Millionenbeträge nach München kamen. Am Ende stand eine über die Jahre gewachsene Mannschaft auf Weltklasse-Niveau für einen vergleichsweise überschaubaren Preis.

Vor Corona: Bayern betrat auf dem Transfermarkt Neuland

Finanziell hat sich der deutsche Rekordmeister in den vergangenen Jahren etwas mehr ins Risiko getraut. 2019 kam Innenverteidiger Lucas Hernández von Atlético Madrid für 80 Millionen Euro und ist bis heute der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte. Beinahe wäre er noch im selben Sommer von Leroy Sané abgelöst worden, für den gar eine Ablöse in dreistelliger Millionenhöhe aufgerufen worden sein soll. Während Transfers in dieser Größenordnung im europäischen Spitzenfußball längst keine Ausnahme mehr sind, hätten sich die Bayern damit auf Neuland begeben.

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Sané kam schließlich ein Jahr später für die Hälfte des Preises. Die Corona-Pandemie hatte seit dem Frühjahr für einen massiven Marktwertverfall gesorgt, innerhalb kürzester Zeit waren selbst die Topklubs des Kontinents zum Sparen gezwungen. Auch der FC Bayern muss den finanziellen Einbußen Rechnung tragen und kalkuliert laut Präsident Herbert Hainer mit einem Umsatzeinbruch von satten 150 Millionen Euro.

Bayern nimmt für Upamecano und Nagelsmann viel Geld in die Hand

Was vor dem zweiten Corona-Transfersommer auffällt: Sofern nötig, sind die Bayern dennoch bereit, tief in die Tasche zu greifen. Mit Dayot Upamecano steht bereits ein großer Transfer fest. Der französische Innenverteidiger kommt für 42,5 Millionen Euro von RB Leipzig - in Corona-Zeiten eine stattliche Summe für einen 22-jährigen Innenverteidiger, der im europäischen Spitzenfußball bislang kaum Erfahrungen gesammelt hat.

Genauso nachvollziehbar, aber ebenfalls riskant, ist die sich abzeichnende Verpflichtung von Julian Nagelsmann. Für den 33-jährigen Landsberger sollen die Bayern eine Ablöse zwischen 20 und 25 Millionen Euro an RB Leipzig überweisen. Damit wäre Nagelsmann der mit Abstand teuerste Trainer der Bundesliga-Geschichte. Den bisherigen Rekord hält Adi Hütter, der in diesem Sommer für 7,5 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt zu Borussia Mönchengladbach wechselt. 

Trotz der Corona-Pandemie gehen die Bayern in diesem Jahr also durchaus in erhebliche finanzielle Vorleistung, um den Umbruch in der Mannschaft und auf dem Trainerstuhl zu bewältigen. Dank jahrzehntelanger, seriöser Finanzpolitik kann sich der Klub das erlauben. Weitere große Ausgaben sind in diesem Sommer aber nicht mehr zu erwarten. Bei Feierabend muss schließlich die Kasse stimmen.

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