FC Bayern: Schönflieger Flick ist auf den Spuren von Heynckes

Die Spieler lassen Trainer Flick nach dem Pokalsieg der Bayern über Leverkusen hochleben – eine Ehre, die zuletzt Triple-Coach Jupp Heynckes zuteilwurde. "Was die Mannschaft geleistet hat, ist sensationell", sagt der Double-Coach.
| Patrick Strasser
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Die Bayern-Stars ließen ihren Coach nach dem Pokal-Erfolg hochleben.
Robert Michael/dpa Die Bayern-Stars ließen ihren Coach nach dem Pokal-Erfolg hochleben.

München - Um eine Dusche war Double-Macher Hansi Flick nicht herumgekommen und so setzte er sich am späten Samstagabend mit dem Duft von Champagner an Körper und Kleidern in die Pressekonferenz.

Kurz zuvor hatten seine Spieler ihren Coach mit dem Getränk der Champions getauft. Zurecht! Denn: Der 55-Jährige ist nach dem klaren 4:2 im Finale des DFB-Pokals gegen Bayer Leverkusen der erste deutsche Trainer, der das Double hierzulande sowohl als Spieler als auch als Trainer gewonnen hat. Was zuvor lediglich dem Kroaten Niko Kovac gelungen war. Doch an den Coach, der vor etwas mehr als 13 Monaten an Ort und Stelle das 3:0 gegen RB Leipzig feierte, dachte keiner mehr in der Berliner Partynacht.

FC Bayern: Spieler lassen Flick hochleben

Flick schon. War es doch Kovac, der den gebürtigen Heidelberger im Sommer 2019 nach München lockte und zu seinem Assistenten machte. Der Beginn einer ungeahnten Erfolgsstory mit einer Herbst-Krise, die zur Entlassung von Kovac und Beförderung seines Co-Trainers führte. Der Lauf des Schicksals.

Nach dem 13. Double, dem 50. nationalen Titel (30 Meisterschaften, 20 Pokalsiege), ließen Verantwortliche und Profis den Erfolgscoach hochleben – mit Händen und Worten. Anlässlich Bayerns Goldener (Titel-) Hochzeit flog Flick. Kapitän Manuel Neuer und Abwehrboss David Alaba schnappten sich den Trainer und warfen ihn mit vereinten Kräften der Spielertraube in die Luft.

Eine Ehrerweisung der besonderen Art, die zuletzt Jupp Heynckes zuteilwurde. Die Bilder erinnerten an den Triple-Triumph von 2013, der damals mit einem 3:2 im Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart zementiert wurde. "Ich wusste nicht, dass meine Mannschaft so stark ist, um dieses Gewicht hochzuwerfen", meinte Flick glücklich, "ein schönes Gefühl, mal so zu fliegen." Nach elf Erfolgen in elf Geisterspielen sagte der Trainer: "Was die Mannschaft in den letzten Wochen geleistet hat, ist sensationell. Die Einstellung ist einfach fantastisch. Ich bin sehr, sehr happy."

Rummenigge: "Hansi hat das top gemacht"

Das meiste Lob kassierte der Double-Macher selbst. "Hansi hat das top gemacht. Er hat es geschafft, dass die Mannschaft wieder Bayern-like spielt und die Empathie zurückgebracht", meinte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, der strahlend resümierte: "Alles top bei uns im Moment." Bei einer kleinen Ansprache im Mannschaftshotel "Marriott" am Potsdamer Platz gab Rummenigge den Feier-Befehl aus: "Wenn man das Double holt, ist es wichtig, dass man die Mannschaft mal hochleben lässt."

Es wurde eine lange Nacht. "Deutscher Pokal-Sieger" schmetternd tanzten die Profis in "Dou13le"-T-Shirts in den Saal, Partytier Thomas Müller trug eine thailändische Kickbox-Hose mit seinem Namen drauf. Wenn’s schee macht...

Noch auf dem Rasen hallten nach der Pokalübergabe spitze "Jaaaaaa!"-Schreie durch das fast komplett leere Olympiastadion, in der lediglich die beiden 125-köpfigen Delegationen der Klubs etwas für Stimmung gesorgt hatten. Besonders gefeiert von den Kollegen wurde Niklas Süle, der nach seinem Kreuzbandriss im Oktober und langwieriger Reha erstmals wieder im Kader stand (allerdings ohne Einsatz). Vor der Ostkurve machten die Spieler die Welle als wären die Fans leibhaftig zugegen und nicht nur die herbeigeschafften 900 Fanklub-Banner.

Müller hadert mit Pokalfeier vor leeren Rängen

"Um ehrlich zu sein, ist es ein bisschen ein trauriger Moment", meinte Müller am ARD-Mikrofon trotz der bajuwarischen Feierstimmung. "Wenn in einem Pokalfinale in so einem herrlichen Stadion die Fans fehlen da hatte ich bei der Siegerehrung schon eine nachdenkliche Minute, das tut auch ein bisschen weh." Corona macht eben alles anders.

Nach dem Double ist vor dem Triple: "Wir haben noch den dritten Pokal, haben große Ziele", sagte Rummenigge vor dem Champions-League-Finalturnier, das im August in Lissabon ausgetragen wird. Sein Rat an die Mannschaft: "Macht es unaufgeregt. Alle, die 2013 schon dabei waren, wissen, dass es ein langer und schwieriger Weg ist. Aber wenn ich euch in den letzten Wochen und Monaten so beobachtet habe, ist es ein Weg, der möglich ist."

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