FC Bayern München: Herbstdepression nach Niederlage gegen Dortmund

Die Mannschaft von Trainer Carlo Ancelotti verliert gegen Dortmund – und muss die Tabellenführung abgeben. „Das ist doch schön für die Liga“, sagt Lahm sarkastisch. Watzke jubelt: „Es gibt nichts Geileres!
| Patrick Strasser
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Noch ohne Treffer in dieser Bundesliga-Saison: Bayerns Stürmer Thomas Müller (Mitte) bei der 0:1-Niederlage bei Borussia Dortmund. Ebenfalls enttäuscht: Bayern-Trainer Carlo Ancelotti.
imago/dpa/az Noch ohne Treffer in dieser Bundesliga-Saison: Bayerns Stürmer Thomas Müller (Mitte) bei der 0:1-Niederlage bei Borussia Dortmund. Ebenfalls enttäuscht: Bayern-Trainer Carlo Ancelotti.

Die Mannschaft von Trainer Carlo Ancelotti verliert gegen Dortmund – und muss die Tabellenführung abgeben. "Das ist doch schön für die Liga", sagt Lahm sarkastisch. Watzke jubelt: "Es gibt nichts Geileres!"

Dortmund - Ein Häuflein Weltklasse schlich nach Abpfiff zu den Bayern-Fans vor die Gästekurve. Zu viert waren sie, das Häuflein, im Elend vereint. Manuel Neuer, David Alaba, Mats Hummels und Thomas Müller blickten sich um, doch ihre Mitspieler waren in den Katakomben verschwunden. Lothar Matthäus, für Sky nahe der Eckfahne als Experte im Einsatz, nahm Müller tröstend in den Arm. „Da müssen natürlich mehr Spieler von uns nach dem Spiel dahingehen“, schimpfte Neuer, nach Philipp Lahms Auswechslung Kapitän, später. Es war der Bayern geringstes Problem an diesem Abend, nach dem 0:1 bei Borussia Dortmund.

Nicht irgendeine Niederlage. Die erste Liga-Pleite der Saison war auch die erste in der Bundesliga von Carlo Ancelotti. „Früher oder später musste die ja kommen“, sagte er wie ein Meteorologe über den ersten Schnee. Aber die Pleite kam so überraschend wie Schneefall in den Alpen. Platz eins ist weg, RB Leipzig hat Bayern überholt, erstmals seit dem fünften Spieltag der Vorsaison ist man nicht mehr Spitzenreiter. Eine logische Entwicklung.

Was die Fakten belegen: Nur zwei der letzten sechs Ligaspiele gewonnen, neun Punkte von möglichen 18, das war zuletzt am Ende der Saison 2014/2015 der Fall – als Bayern unter Trainer Pep Guardiola längst über der Meister-Ziellinie war. Eine Zeitenwende hat eingesetzt. Spätestens durch – und für viele dank – des BVB hat der Rest der Liga verstanden, dass die Ära der nahezu unverwundbaren Pep-Bayern vorbei ist.

Stimmen zum Spitzenspiel: Bayern-Coach Ancelotti -

BVB-Boss Watzke: heimsieg als "befreienden Akt"

Für BVB-Trainer Tuchel bedeutet der Erfolg einen „absoluten Meilenstein“. Es sei „das Statement schlechthin, wenn du es schaffst, die Bayern zu schlagen.“ Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach am Sonntag auf der Mitgliederversammlung angesichts des Endes von viereinhalb Jahren ohne Heimsieg gegen Bayern von einem „befreienden Akt“, es gebe „nichts Geileres!“

Nach dem frühen Treffer von Pierre-Emerick Aubameyang (11.) kam Bayern nicht zurück, Ancelotti hatte keine Antworten auf die Tuchel-Taktik, der erst Überfall-Fußball spielen und dann mit einer Fünferkette verteidigen ließ. Ausgetrickst. Taktisch besiegt. Das hat es in der Bundesliga unter Guardiola nicht gegeben. Trotz Überlegenheit. 66 Prozent Ballbesitz, 85 Prozent Passquote, neun Ecken, 18 Torschüsse. Null Ertrag. Totaler Frust.

„Sehr ärgerlich“, nannte Neuer dieses 0:1. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge raunte lediglich beim Verlassen des Stadions: „Unglücklich gelaufen.“ Wozu Neuer eine klare Meinung hatte: „Das hilft uns nichts. Wir haben die Möglichkeit gehabt, gegen eine nicht ganz so starke Dortmunder Mannschaft zu punkten.“ Schwierig bei Überlegenheit ohne zwingende Zielstrebigkeit. „Die Genauigkeit im letzten Pass hat uns gefehlt“, monierte Lahm, „sonst hätten wir uns viele Großchancen erarbeiten können – so war es zu wenig.“

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Erste Herbstdepression seit Jahren

Und plötzlich ist sie da, die erste Herbstdepression seit vielen Jahren. Man ist Zweiter. Hinter einem Aufsteiger. „Das ist doch schön für die Liga, das haben sich doch alle gewünscht – wir nicht“, sagte Lahm sarkastisch auf die Leipziger angesprochen. Lothar Matthäus, der Müller-Tröster, hatte übrigens bei Sky ziemlich draufgehauen auf seinen Ex-Verein: „Sie suchen ihre Form. Den Bayern fehlt die Fitness, die Freude und die Selbstverständlichkeit. Viele Dinge, die sie im letzten Jahr starkgemacht haben, vermisst man hier.“ Fitness? Freude? Selbstverständlichkeit? Für solche Dinge ist ein Trainer verantwortlich. Matthäus weiß das. Er war Trainer.

Die Bayern sind nun plötzlich Jäger. „Wir haben in den letzten drei Jahren immer gesagt, wie schwierig es ist, ganz oben zu stehen, die Erfolge zu bestätigen“, erklärte Lahm, „es wollte uns keiner glauben.“ Unter der Woche geht es in der Champions League zum FK Rostow, am Samstag in der Liga gegen Leverkusen. Wichtiger ist der Vorabend. Uli Hoeneß wird wieder zum Präsidenten gewählt. Eine Ruckrede ist zu erwarten, auch in sportlicher Hinsicht.

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