FC Bayern: Jürgen Kohler erklärt, wo Süle besser ist als Hummels

Jürgen Kohler vergleicht in der AZ die Stärken von Mats Hummels und Niklas Süle. Im Supercup treffen die beiden Ex-Teamkollegen am Samstag erstmals aufeinander.
| Interview: Patrick Strasser
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Jürgen Kohler (Mitte) hält viel von Niklas Süle (links) und Mats Hummels (rechts).
Rolf Vennenbernd/dpa, firo/Augenklick Jürgen Kohler (Mitte) hält viel von Niklas Süle (links) und Mats Hummels (rechts).

Jürgen Kohler vergleicht in der AZ die Stärken von Mats Hummels und Niklas Süle. Im Supercup treffen die beiden Ex-Teamkollegen am Samstag erstmals aufeinander.

München - Jürgen Kohler, Welt- und Europameister (1990/96) war einer der besten Innenverteidiger der Welt. Er spielte sowohl für Bayern als auch Dortmund. Im Interview mit der AZ spricht er über Mats Hummels und Niklas Süle.

AZ: Herr Kohler, Sie gelten als Instanz in Sachen Innenverteidigung. Wer ist der beste deutsche Innenverteidiger? BVB-Sportdirektor Michael Zorc hatte Dortmund-Rückkehrer Mats Hummels auf den Thron gehoben, Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge konterte mit Niklas Süle.
JÜRGEN KOHLER: Ich möchte keinen der beiden bevorzugen. Mats Hummels hat für Bayern eine gute Rückrunde gespielt, wieder seine Leistung gebracht. Zuvor hatte ich ihn kritischer gesehen. An die Form, die er im Jahr 2014 hatte, als er Weltmeister wurde, konnte er nicht mehr heranreichen. Für Hummels sprechen Erfahrung und Spielübersicht.

Und für Süle, der bei Bayern und nach Hummels’ Ausbootung durch Joachim Löw auch im DFB-Team zum Abwehrchef befördert wurde?
Auch Süle hatte über die Saison betrachtet Licht und Schatten in seinen Leistungen, spielte jedoch eine sehr stabile Rückrunde. Seine Pluspunkte sind Schnelligkeit und Robustheit.

Waren Sie überrascht, dass Hummels nach drei Jahren in München wieder zum BVB zurückgekehrt ist?
Nein, das ist immer eine Sache von Angebot und Nachfrage. Die Bayern haben ein gutes Geschäft gemacht, für einen 30-Jährigen noch viel Geld kassiert. Und bei Spielern, die zu ihren früheren Klubs zurückkehren, bin ich stets skeptisch. Hummels hatte früher mit Dortmund große Erfolge (Meisterschaft 2011, Double 2012, d. Red.). Dies zu bestätigen oder gar zu toppen, wird sehr schwierig. Die Erwartungen an ihn sind sehr hoch. Es gibt genügend Negativbeispiele, die zeigen, dass ein Comeback beim früheren Verein nicht immer funktioniert – siehe etwa Mario Götze.

Was erhoffen sich die Dortmunder von Hummels?
Er soll die jüngeren Abwehrspieler führen, seine Routine einbringen. Andererseits: Letzte Saison hatte der BVB neun Punkte Vorsprung auf Bayern, bis zu einem gewissen Zeitpunkt also auch defensiv auf sehr hohem Niveau gespielt. Leichter als vergangene Spielzeit hat man nie Meister werden können – aber man hat es noch verspielt.

Jérôme Boateng wollte Bayern 2018 verlassen, diesen Sommer wurde es ihm von Präsident Uli Hoeneß nahegelegt. Nun spielt er konstant gut, ist topfit.
Die Spieler haben ihr Schicksal immer selbst in der Hand – wenn sie ihre Leistung bringen. Wenn Jérôme gesund ist, kann er auf gutem Niveau spielen. Aber weder er noch Hummels können noch ihr früheres Weltklasse-Niveau erreichen, höchstens über Wochen oder ein paar Monate. Außerdem sind sie verletzungsanfälliger als früher.

Daher hat Bayern investiert. Für Lucas Hernández, der noch in der Reha ist, und Benjamin Pavard zusammen 115 Millionen ausgegeben.
#Pavard ist ein hochinteressanter Spieler, perspektivisch mit enormem Entwicklungspotenzial. Wie Hernández wurde er als Außenverteidiger mit Frankreich Weltmeister, dann stieg Pavard mit Stuttgart ab. Wofür er natürlich nicht alleine verantwortlich war – aber der Kontrast ist schon sehr groß. Dennoch bringt er Bayern die nötige Frische. Mit Innenverteidigern ist es wie mit einem guten Rotwein: Sie reifen im Laufe ihrer Karriere – so lange der Körper mitmacht. Das Anforderungsprofil für Verteidiger hat sich aber in den letzten Jahren maßgeblich verändert.

Und zwar?
Heutzutage sind Innenverteidiger für die Spieleröffnung zuständig, das ist scheinbar das Wichtigste. Außerdem soll ein Abwehrspieler im besten Fall pro Saison sechs Torvorlagen geben und vier Treffer erzielen – nebenbei natürlich noch einige Bälle von der Torlinie klären. Das eigentliche Verteidigen können meiner Meinung nach nur noch die wenigsten.

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