FC Bayern: Boateng und Lewandowski - Aussprache mit Bossen?

Die Bayern-Bosse führen klärende Gespräche mit den zuletzt unzufriedenen Robert Lewandowski und Jérôme Boateng. Waren diese Aussprachen ein Mitauslöser für die Krawall-Pressekonferenz?
| Matthias Kerber
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Der FC Bayern erobert die New Yorker Börse: Karl-Heinz Rummenigge und Jérôme Boateng beim Besuch der New York Stock Exchange.
dpa Der FC Bayern erobert die New Yorker Börse: Karl-Heinz Rummenigge und Jérôme Boateng beim Besuch der New York Stock Exchange.

München - Meinungsstark sind sie beim FC Bayern unzweifelhaft. Die Ansammlung von Alphatieren führt zwangsläufig zu wortgewaltigen Auslassungen. Doch hatte man zuletzt des Öfteren das Gefühl, dass die Herrschaften des Aushängeschilds des deutschen Fußballs lieber übereinander als miteinander reden.

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge stichelte einst gegen Jérôme Boateng, dem er mangelnde Bodenhaftung unterstellte und den "Back to earth"-Auftrag erteilt hatte. Boatengs Konter folgte via "Süddeutsche Zeitung", als er sich über mangelnde öffentliche Unterstützung beklagte. Oder Stürmer Robert Lewandowski, der sich gerne über eine vermeintlich nicht angemessene Wertschätzung beklagt und dann Unzufriedenheit publik macht und Wechselabsichten zumindest über seinen Berater Pini Zahavi in den Raum stellen lässt. In der "Sport Bild" hatte sich Lewandowski beschwert, dass er "keinen Schutz vom Verein" erhalten habe, als er angesichts einer Torflaute glatt Kritik über sich ergehen lassen musste. "Keiner der Bosse hat mich verteidigt."

Der FC Bayern erobert die New Yorker Börse: Karl-Heinz Rummenigge und Jérôme Boateng beim Besuch der New York Stock Exchange.
Der FC Bayern erobert die New Yorker Börse: Karl-Heinz Rummenigge und Jérôme Boateng beim Besuch der New York Stock Exchange. © dpa

Aussprachen sollen Auslöser für Wut-PK gewesen sein

Präsident Uli Hoeneß hatte in seiner unnachahmlichen Art bei der Sky-Sendung "Wontorra – der Fußball-Talk" dann natürlich Zahavi persönlich und den Beraterberufsstand ganz allgemein populistisch angeprangert. Jetzt soll es endlich zu Aussprachen gekommen sein. Nach dem Länderspiel gegen die Niederlande, das Deutschland 0:3 verloren hatte, gab es das Treffen mit Boateng. "Es war ein gutes Gespräch. Wir alle wollen das Gleiche: Erfolg mit dem FC Bayern. Dafür tun wir alles, was wir können", bestätigte der 30-Jährige der "Sport Bild". Die Bosse sollen ihm dabei das Vertrauen ausgesprochen haben. Endlich wieder vertraut.

Auch mit Lewandowski soll es ein klärendes Gespräch gegeben haben. Diese Unterhaltungen sollen - laut der Publikation - einer der Auslöser für die Krawall-Pressekonferenz der Bayern-Bosse (mit Beisitzer Hasan Salihamidzic), die jetzt schon Kult-Status erreicht hat, gewesen sein. Man wollte ein Zeichen setzen, dass man sich schützend vor die Mannschaft stellt, dass man plötzlich nicht mehr selbst die Spieler angreift und abwatscht, sondern sie auf einmal gegen jede Form der Kritik verteidigt. Rummenigge zitierte dabei bekanntlich sogar Artikel 1 des Grundgesetzes, dass "die Würde des Menschen unantastbar" sei. "Mit dem heutigen Tag werden wir unsere Spieler, unseren Trainer und auch den Klub schützen", erklärte Rummenigge weiter: "Wir werden uns mit diesem Tag diese herabwürdigende, hämische, faktische Berichterstattung nicht mehr bieten lassen."

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Vertrauen muss man sich verdienen

Die Bayern wollen wieder zu alter Gemeinsamkeit finden. Das bekannte und klischeebeladene "Mia san mia", das ja nicht nur Ausdruck des bayerischen Selbstverständnisses, sondern auch einer "Mia gegen den Rest der Welt"-Mentalität sein soll, soll endgültig wieder aus der Floskel-Kammer befreit und mit echtem Innenleben erfüllt werden. Dafür braucht es aber Einigkeit. Und eine Einheit, die der FC Bayern nicht nur in der Chefetage zuletzt vermissen ließ. Die Spieler, die sich ja gerne über zu wenig Einsatzzeiten, Auswechslungen und andere Entscheidungen beklagen, sollten durch die Pressekonferenz sehen, dass man nicht nur hinter ihnen steht, sondern sich auch vor sie stellt.

Doch die tieferliegende Message, die bei all dem an Realsatire grenzenden Getöse nur für die zu vernehmen war, die sie auch hören wollten, war, dass alle - auch und gerade die Spieler - gefordert sind. Vertrauen ist keine Einbahnstraße, man muss es sich verdienen.

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