Der große Integrator: Kahns Mission beim FC Bayern

Oliver Kahn beerbt Karl-Heinz Rummenigge Anfang 2022 als Bayern-Boss - und übernimmt damit auch dessen Rolle als Vermittler zwischen den Lagern im Klub. Die AZ erklärt die Münchner Machtverteilung.
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"Streitkultur" gehöre "zur DNA des FC Bayern München" und sei auch ein "wichtiger Erfolgsfaktor", sagt Oliver Kahn.
"Streitkultur" gehöre "zur DNA des FC Bayern München" und sei auch ein "wichtiger Erfolgsfaktor", sagt Oliver Kahn. © Markus Scholz/dpa/Archivbild

München - Karl-Heinz Rummenigge (65) ist der größte Förderer von Hansi Flick (55) beim FC Bayern - und das hat genau zwei Gründe. Erstens: Triple-Trainer Flick hat riesigen Erfolg, in der kommenden Woche bei der Klub-WM in Katar greift er mit seinem Team nach dem sechsten Titel - das gelang bisher nur dem FC Barcelona im Jahr 2009.

Flick bei Bayern mit offensivem Fußball erfolgreich 

Und zweitens: Flick erreicht diesen Erfolg mit dominantem, offensivem, oft wunderschönem Fußball. Das ist für Rummenigge ebenfalls wichtig, wie der Vorstandsvorsitzende nun im Bayern-Magazin "51" noch einmal deutlich machte: "Unser Ziel: gewinnen mit Stil - im FC Bayern-Stil. Wir werden gierig bleiben, über die Klub-WM hinaus. Denn wir haben auch 2021 viele große Ziele."

Die gemeinsam mit Flick in Angriff genommen werden - trotz interner Meinungsverschiedenheiten, die es zuletzt immer wieder gab. Besonders mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic (44) rund ums Thema Kaderplanung. Ab dem 1. Januar 2022, wenn Rummenigge sich von seinem Posten zurückgezogen hat ("Meine Frau entscheidet dann, wo ich bin"), wird Oliver Kahn (51) diese Rolle als Vermittler zwischen den verschiedenen Lagern im Klub übernehmen. Kahn, der große Torhüter von einst, ist als großer Integrator gefragt. Denn auch wenn Flicks Vertrag bis 2023 läuft, kann heute niemand sagen, ob er diesen tatsächlich erfüllen wird. Dafür muss neben der sportlichen Bilanz auch die interne Machtverteilung passen.

Wirtschaftlich stabil: Bayern um Kahn (l.) und Rummenigge.
Wirtschaftlich stabil: Bayern um Kahn (l.) und Rummenigge. © Rauchensteiner/Augenklick

Rummenigge ist Flicks wichtigster Ansprechpartner beim FC Bayern

Aktuell und noch bis Jahresende ist Rummenigge Flicks wichtigster Ansprechpartner, die beiden tauschen sich regelmäßig aus, vertrauen einander. Und so wandte sich Flick auch mit einem dringenden Anliegen direkt an Rummenigge. "Im Herbst saßen unser Coach und die Führungsspieler in meinem Büro, weil es so aussah, als würde die Klub-WM ausfallen", erzählte der Vorstandschef weiter im Magazin "51": "Sie baten mich, bei der Fifa für eine Austragung des Turniers einzutreten, denn sie wollten unbedingt die historische Chance bekommen, den sechsten Titel binnen weniger Monate zu gewinnen."

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Das klappte - nicht zuletzt dank Rummenigges engem Draht zu Fifa-Präsident Gianni Infantino (50). Kommenden Montag und am darauffolgenden Donnerstag in einem möglichen Finale kämpft Flick mit seiner Mannschaft in Katar um den Titel-Sixpack. Und in den Wochen danach - parallel zur Jagd nach der Meisterschaft und dem Champions-League-Sieg - auch an anderer Front. Der Trainer hofft, dass seine Wünsche bei Transfers und Vertragsverlängerungen mehr berücksichtigt werden. Gleichzeitig weiß er um die finanziellen Sparzwänge in der Corona-Pandemie. Ein Spannungsfeld, das Bayern wie alle anderen Klubs noch länger beschäftigen wird.

Flick bekommt wohl Upamecano als Ersatz für Alaba

Bei der Besetzung der künftigen Abwehr ohne David Alaba (28) scheint Flick erhört zu werden. "Wenn ein Spieler mit der Qualität den Verein verlässt, ist es klar, dass man einen anderen Spieler holen muss, holen wird", hatte der Trainer über Alaba gesagt. Mit Leipzigs Dayot Upamecano (22) bekommt Flick im Sommer wohl einen Top-Ersatz. Die Frage ist dann: Was passiert mit Lucas Hernández (24)?

Von den Bayern heiß begehrt: Dayot Upamecano.
Von den Bayern heiß begehrt: Dayot Upamecano. © imago images/motivio

Flick setzt Salihamidzics 80-Millionen-Euro-Rekordeinkauf meist auf der linken Abwehrseite ein, wenn Alphonso Davies (20) mal nicht spielt. Innen vertraut Flick anderen Stars wie Jérôme Boateng (32), dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Flick will Boateng halten - aber was will der oberste Kaderplaner Salihamidzic, der im Aufsichtsrat um den Vorsitzenden und Präsidenten Herbert Hainer (66), Uli Hoeneß (69) oder auch Edmund Stoiber (79) sehr hohes Ansehen genießt?

"Streitkultur" gehöre zu "DNA des FC Bayern" sagt Oliver Kahn

Bei Boateng, Hernández und weiteren Personalien könnte es in den kommenden Monaten kontrovers zugehen. Und das finden die Bosse auch gar nicht so schlimm. Diese "Streitkultur" gehöre "zur DNA des FC Bayern" und sei auch ein "wichtiger Erfolgsfaktor", sagte Kahn. Rummenigge meinte mit Blick auf Flick und Salihamidzic: "Ich hatte auch mit Uli Hoeneß hin und wieder mal eine unterschiedliche Meinung, aber deshalb habe ich nie ein großes Problem mit Uli gehabt. Das muss man auch mal aushalten." Sollte das nicht klappen, ist spätestens ab 1. Januar 2022 Kahn als Integrator gefragt.

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