Der Fall Palhinha zeigt die neue Härte des FC Bayern
Es waren schon sehr deutliche Worte, die Christoph Freund in Richtung João Palhinha und Sacha Boey formulierte. Sätze, die man in dieser Klarheit vielleicht nicht immer gehört hat in der jüngeren Vergangenheit beim FC Bayern. "Sie wissen Bescheid", sagte Freund nach dem1:2 im Testspiel bei Drittligist SV Wehen Wiesbaden, als die AZ ihn auf die Zukunft von Sechser Palhinha und Rechtsverteidiger Boey ansprach: "Sie trainieren mit, werden aber in unseren Planungen keine große Rolle mehr spielen." Der Plan sei, so Freund weiter, "dass sie ihre nächsten Schritte woanders gehen".
Aufsichtsrat drängt auf Verkäufe
Da blieb nicht viel Interpretationsspielraum. Auch wenn Palhinha kurz danach der AZ sagte, dass er bei Bayern bleiben möchte ("Der Plan ist, die Position hier zu behalten"), stehen die Zeichen weiter auf Verkauf. Das ist nach AZ-Informationen die Vorgabe des Aufsichtsrats – sowohl bei Palhinha als auch bei Boey und Offensivtalent Bryan Zaragoza. Verteidiger Hiroki Ito könnte bei einem guten Angebot ebenfalls noch gehen. Die neue Härte des FC Bayern.

Finanzlücke von 70 Millionen Euro
Damit soll die etwa 70 Millionen Euro große finanzielle Lücke in dieser Transferperiode geschlossen werden. Davon abgesehen, wird bei Bayern "nichts Großes mehr passieren Richtung Zugänge", wie Freund verriet: "Wir sind sehr gut aufgestellt, haben zwei Wunschtransfers gemacht. Wir wollen auch nächstes Jahr nicht zu groß sein im Kader. Daher wird nicht mehr viel passieren."

Zufriedenheit mit den Neuzugängen
Mit den Verpflichtungen von Nathaniel Brown, Ismael Saibari und Bara Ndiaye (Vertrag bis 2031 in Kürze offiziell) sind die Verantwortlichen und Trainer Vincent Kompany zufrieden. Es könnte sich nur dann noch etwas tun, wenn zuvor Spieler verkauft werden. Der Druck ist also da für Eberl und Freund (Vertrag jeweils bis 2027), sie sollen den neuen Kurs des Klubs konsequent durchsetzen.

Konsequente Trennung von Spielern
Übrigens: Schon bei den Verkäufen von Alexander Nübel (für 6,25 Millionen Euro zu Besiktas Istanbul), Noël Aséko (für zwölf Millionen zu Eintracht Frankfurt), Daniel Peretz (für acht Millionen zum FC Southampton) und Jonah Kusi-Asare (für sechs Millionen zum FC Fulham) zeigte sich die neue Bayern-Härte. Allen Spielern wurde klar mitgeteilt, dass nicht mehr mit ihnen geplant wird.
Poker um Palhinha-Ablöse
Bei Palhinha beharrte Bayern in den Gesprächen mit Tottenham Hotspur auf der Kaufoption in Höhe von 30 Millionen Euro für den Portugiesen. Die Spurs, die Palhinha in der vergangenen Saison ausgeliehen hatten, zogen die Option nicht. Der 31-Jährige wird aktuell von Aston Villa sowie den Lissabon-Klubs Benfica und Sporting umworben. Ob einer der Vereine die geforderte Ablöse für Palhinha zahlt?

Lehren aus früheren Deals
In den vergangenen Jahren blieben die Kaderplaner nicht immer so hart. Im Sommer 2025 etwa verkaufte Bayern Kingsley Coman für 25 Millionen Euro zu Al-Nassr nach Saudi-Arabien. Das wurde intern als zu gering erachtet und Eberl nach AZ-Informationen negativ ausgelegt. Auch bei den Vertragsverlängerungen von Jamal Musiala, Alphonso Davies, Joshua Kimmich und Dayot Upamecano nahm der Sportvorstand sehr viel Geld in die Hand, es wurden hohe Gehälter und Handgelder gezahlt.
Strenger Sparkurs als neue Leitlinie
In Zukunft soll wieder umsichtiger gewirtschaftet werden, darauf legt der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden und Präsidenten Herbert Hainer, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge genauso viel Augenmerk wie Vorstandschef Jan-Christian Dreesen. Eberl und Freund sind gerade dabei, diese Vorgabe mit Leben zu füllen – auch wenn sich das für so manchen Spieler hart anfühlen dürfte.

