Der Fall Palhinha zeigt die neue Härte des FC Bayern

Nach Nübel und Aséko will der FC Bayern auch Palhinha, Boey und Zaragoza verkaufen – und geht dabei konsequent vor. Eberl und Freund müssen den Plan der Bosse umsetzen.
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Wichtige Führungskräfte beim FC Bayern (v.l.): Sportvorstand Max Eberl, Vorstandschef Jan-Christian Dreesen und Präsident Herbert Hainer.
Wichtige Führungskräfte beim FC Bayern (v.l.): Sportvorstand Max Eberl, Vorstandschef Jan-Christian Dreesen und Präsident Herbert Hainer. © IMAGO/Laci Perenyi

Es waren schon sehr deutliche Worte, die Christoph Freund in Richtung João Palhinha und Sacha Boey formulierte. Sätze, die man in dieser Klarheit vielleicht nicht immer gehört hat in der jüngeren Vergangenheit beim FC Bayern. "Sie wissen Bescheid", sagte Freund nach dem1:2 im Testspiel bei Drittligist SV Wehen Wiesbaden, als die AZ ihn auf die Zukunft von Sechser Palhinha und Rechtsverteidiger Boey ansprach: "Sie trainieren mit, werden aber in unseren Planungen keine große Rolle mehr spielen." Der Plan sei, so Freund weiter, "dass sie ihre nächsten Schritte woanders gehen".

Aufsichtsrat drängt auf Verkäufe

Da blieb nicht viel Interpretationsspielraum. Auch wenn Palhinha kurz danach der AZ sagte, dass er bei Bayern bleiben möchte ("Der Plan ist, die Position hier zu behalten"), stehen die Zeichen weiter auf Verkauf. Das ist nach AZ-Informationen die Vorgabe des Aufsichtsrats – sowohl bei Palhinha als auch bei Boey und Offensivtalent Bryan Zaragoza. Verteidiger Hiroki Ito könnte bei einem guten Angebot ebenfalls noch gehen. Die neue Härte des FC Bayern.

Er soll Bayern verlassen: João Palhinha.
Er soll Bayern verlassen: João Palhinha. © IMAGO/HMB Media/Claus

Finanzlücke von 70 Millionen Euro

Damit soll die etwa 70 Millionen Euro große finanzielle Lücke in dieser Transferperiode geschlossen werden. Davon abgesehen, wird bei Bayern "nichts Großes mehr passieren Richtung Zugänge", wie Freund verriet: "Wir sind sehr gut aufgestellt, haben zwei Wunschtransfers gemacht. Wir wollen auch nächstes Jahr nicht zu groß sein im Kader. Daher wird nicht mehr viel passieren."

Ebenfalls auf der Verkaufsliste: Bryan Zaragoza.
Ebenfalls auf der Verkaufsliste: Bryan Zaragoza. © IMAGO/Gino Mancini/IPA Sport / ipa-agency.net

Zufriedenheit mit den Neuzugängen

Mit den Verpflichtungen von Nathaniel Brown, Ismael Saibari und Bara Ndiaye (Vertrag bis 2031 in Kürze offiziell) sind die Verantwortlichen und Trainer Vincent Kompany zufrieden. Es könnte sich nur dann noch etwas tun, wenn zuvor Spieler verkauft werden. Der Druck ist also da für Eberl und Freund (Vertrag jeweils bis 2027), sie sollen den neuen Kurs des Klubs konsequent durchsetzen.

Gefordert: Bayerns Kaderplaner Eberl und Christoph Freund (r.).
Gefordert: Bayerns Kaderplaner Eberl und Christoph Freund (r.). © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

Konsequente Trennung von Spielern

Übrigens: Schon bei den Verkäufen von Alexander Nübel (für 6,25 Millionen Euro zu Besiktas Istanbul), Noël Aséko (für zwölf Millionen zu Eintracht Frankfurt), Daniel Peretz (für acht Millionen zum FC Southampton) und Jonah Kusi-Asare (für sechs Millionen zum FC Fulham) zeigte sich die neue Bayern-Härte. Allen Spielern wurde klar mitgeteilt, dass nicht mehr mit ihnen geplant wird.

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Poker um Palhinha-Ablöse

Bei Palhinha beharrte Bayern in den Gesprächen mit Tottenham Hotspur auf der Kaufoption in Höhe von 30 Millionen Euro für den Portugiesen. Die Spurs, die Palhinha in der vergangenen Saison ausgeliehen hatten, zogen die Option nicht. Der 31-Jährige wird aktuell von Aston Villa sowie den Lissabon-Klubs Benfica und Sporting umworben. Ob einer der Vereine die geforderte Ablöse für Palhinha zahlt?

Teure Vertragsverlängerung: Jamal Musiala.
Teure Vertragsverlängerung: Jamal Musiala. © IMAGO/Moritz Mueller

Lehren aus früheren Deals

In den vergangenen Jahren blieben die Kaderplaner nicht immer so hart. Im Sommer 2025 etwa verkaufte Bayern Kingsley Coman für 25 Millionen Euro zu Al-Nassr nach Saudi-Arabien. Das wurde intern als zu gering erachtet und Eberl nach AZ-Informationen negativ ausgelegt. Auch bei den Vertragsverlängerungen von Jamal Musiala, Alphonso Davies, Joshua Kimmich und Dayot Upamecano nahm der Sportvorstand sehr viel Geld in die Hand, es wurden hohe Gehälter und Handgelder gezahlt.

Strenger Sparkurs als neue Leitlinie

In Zukunft soll wieder umsichtiger gewirtschaftet werden, darauf legt der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden und Präsidenten Herbert Hainer, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge genauso viel Augenmerk wie Vorstandschef Jan-Christian Dreesen. Eberl und Freund sind gerade dabei, diese Vorgabe mit Leben zu füllen – auch wenn sich das für so manchen Spieler hart anfühlen dürfte.

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