Bewegung beim FC Bayern - Der Mia-san-mia-Spagat

Der FC Bayern befindet sich im Umbruch. Ein Verein zwischen Mia-san-mia und Mia-san-Weltklub. Neue Identifikationsfiguren werden installiert. "Wir als FC Bayern müssen eine andere Philosophie fahren."
| Julian Buhl
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Hoeneß steht weiterhin für das bayerische Mia san mia, während sich Rummenigge (l.) etwas davon distanziert.
Rauchensteiner/Augenklick Hoeneß steht weiterhin für das bayerische Mia san mia, während sich Rummenigge (l.) etwas davon distanziert.

München - Uli Hoeneß sagte kürzlich einen bemerkenswerten Satz. "Wir wollen wieder ‘back to the roots’, wir wollen das Mia-san-mia-Gefühl im Verein wieder stärken", erklärte der Präsident des FC Bayern bei der Vorstellung des neuen Sportdirektors. Wer könne "das besser als Hasan Salihamidzic, der genau das immer gelebt hat und den FC Bayern von der Pike auf kennt?"

Hoeneß gab klar die Richtung vor, in der sich sein FC Bayern wieder bewegen soll. Indirekt gab er damit auch zu, dass seinem Klub das Mia san mia etwas abhanden gekommen ist.

Jene Debatte um die Vereinsphilosophie war zuletzt bereits auf der Asienreise des Klubs, die Hoeneß zwischenzeitlich als "grenzwertig" bezeichnet und damit scharf kritisiert hatte, befeuert worden. Die Werbetour durch Fernost verdeutlichte einmal mehr das Dilemma, in dem sich der FC Bayern befindet. Es gilt, den schwierigen Spagat zwischen Mia-san-mia und Mia-san-Weltklub zu bewältigen.

Dabei stoßen die Münchner an ihre Grenzen, während das Wettrüsten der anderen Topklubs keine Tabus und Grenzen kennt. "Diesen Wahnsinn möchte ich nicht mitmachen. Das sind Dinge, die wir beim FC Bayern total ablehnen", sagte Hoeneß, nachdem Paris St. Germain den Brasilianer Neymar für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona abgeworben hatte. Karl-Heinz Rummenigge pflichtete ihm bei. "Ich habe mir im Zuge der Neymar-Verpflichtung einmal die Frage gestellt, was wichtiger wäre. Neymar oder eine Allianz Arena? Da muss ich klar sagen, dass uns die Allianz Arena lieber und wichtiger ist", sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern der Sport Bild: "Wir als FC Bayern müssen eine andere Philosophie fahren: Wir wollen das nicht, wir können das auch nicht."

Damit rückt Rummenigge von dem Ausdruck des Mia-san-mia-Gefühls ab, der bislang im Wissen des prall gefüllten Festgeldkontos besagte: Wenn wir wollen, können wir alles! In Anbetracht der Summen, die aktuell auf dem Transfermarkt aufgerufen werden, ist es eine sinnvolle Linie, auf die sich die Münchner verständigt haben – aber eine, die Risiken birgt. Denn mit den riesigen Transfersummen verschieben sich zwangsläufig die Machtverhältnisse im europäischen Fußball. In den vergangenen Jahren gehörten die Münchner in der Champions League stets zu den Titelkandidaten. "Es kriecht der Verdacht in einem hoch, dass es unter diesen Bedingungen zunehmend schwerer für Bayern wird", sagt Fußballexperte Marcel Reif der AZ.


"Einige Dinge sind im Umbruch bei Bayern, es muss sich alles finden", sagt Marcel Reif über den Supercupsieger. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Hinzu kommt, dass der Klub sich gerade auf der Suche nach sich selbst befindet. Wer san mia? Philipp Lahm und Xabi Alonso, die ihre Karrieren beendet haben, müssen sportlich und vor allem als Führungspersönlichkeiten ersetzt werden. Thomas Müller ist im aktuellen Team nun der letzte Bayer. "Einige Dinge sind im Umbruch bei Bayern, es muss sich alles finden", sagt Reif. Zeit sei aber "eigentlich kein Faktor, der in München akzeptiert wird. Da heißt es: Mia san mia. Und dann muss es relativ zügig gehen." Andernfalls "wird es sehr schnell sehr laut werden".

Das Wirken von Kaderplaner Michael Reschke betrachteten die Bayern offenbar als verzichtbar. Der 59-Jährige hat den Klub verlassen und beginnt am Freitag als Sportvorstand beim VfB Stuttgart. Willy Sagnol wurde Chefcoach Carlo Ancelotti als neuer Co-Trainer an die Seite gestellt, mit Giovane Elber und Bixente Lizarazu zwei weitere Ex-Profis des Champions-League-Sieger-Teams von 2001, zu dem auch Salihamidzic gehörte, als Markenbotschafter in den Verein eingebunden. Zudem begleitete Miroslav Klose seinen Ex-Klub zuletzt in Asien. Hermann Gerland wurde mit der sportlichen Leitung des neuen Nachwuchsleistungszentrums, einer Schlüsselposition bei Bayern, betraut. Alles Identifikationsfiguren, alles "back to the roots" eben.

Alle haben eins gemeinsam: ein gutes Verhältnis zum Präsidenten. Stellt sich Hoeneß etwa gerade wieder seinen FC Bayern zusammen? "Das würde bedeuten, dass Rummenigge den Weg freimacht. Rummenigge ist ein Alphatier, Hoeneß ein richtiges Alphatier", sagt Reif: "Als Hoeneß zurückkam, war doch klar, dass er die Dinge nicht aus der Sofaecke beobachtet, sondern Einfluss nimmt. Aber ich weiß nicht, ob das alles Hoeneß-Leute und damit Nicht-Rummenigge-Leute sind." Er hoffe "für den FC Bayern, dass diese Dinge gemeinsam abgeklärt und abgenickt sind. Alles andere wäre eine Wurzel des Übels." Eines versprechen jedenfalls sämtliche Neu-Personalien schon aufgrund ihrer Vergangenheit: Wieder mehr Mia-san-mia-Gefühl.

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