Bayerns Transferbilanz: Ist der Kader wirklich schlechter als letztes Jahr?

Der FC Bayern hat das womöglich schwierigste Transferfenster der Geschichte hinter sich. Zuletzt wurde viel über die Qualität des Kaders diskutiert, insbesondere die fehlende Breite wurde von vielen als Schwachpunkt ausgemacht. Doch stimmt das wirklich? Die AZ zieht Bilanz.
| Bernhard Lackner
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Die Bayern-Bosse Oliver Kahn (r.) und Hasan Salihamidzic haben ein schwieriges Transferfenster hinter sich.
Die Bayern-Bosse Oliver Kahn (r.) und Hasan Salihamidzic haben ein schwieriges Transferfenster hinter sich. © IMAGO / Xinhua

München - Allzu viel Spektakuläres hat sich beim FC Bayern in diesem denkwürdigen Transfersommer 2021 nicht getan. Insgesamt vier Spieler-Neuzugänge, von denen drei schon längst eingetütet waren, hat der Rekordmeister nach Schluss der Transferperiode am Dienstagabend zu verzeichnen. Die prominenteste Verpflichtung war wohl Trainer Julian Nagelsmann, der für einen zweistelligen Millionenbetrag aus Leipzig geholt wurde.

Ansonsten ist beim Krösus der Bundesliga noch immer sparen angesagt. Während die europäische Konkurrenz auch in diesem Jahr wieder fleißig eingekauft hat, wurden die Fans der Bayern immer mit dem Verweis auf das 150-Millionen-Loch, das die Corona-Krise in die Bilanz gerissen hat, vertröstet.

Die Bosse sind dennoch von der Qualität der Mannschaft überzeugt, viele Experten und Beobachter bemängeln allerdings die fehlende Breite im Kader. Doch stimmt das überhaupt? Die AZ zieht eine Bilanz zu Bayerns Transfersommer:

Neuzugänge des FC Bayern: Zwei Soforthilfen und ein Fragezeichen

Sparkurs schön und gut, aber ein bisserl shoppen gehört bei den Bayern einfach dazu. Rechnet man die Ablöse für Nagelsmann dazu, haben die Münchner in diesem Sommer insgesamt über 70 Millionen Euro ausgegeben. Der Empfänger der Überweisung war stets Vizemeister RB Leipzig. Neben Trainer Nagelsmann wurden mit Dayot Upamecano und Marcel Sabitzer zwei Leistungsträger von den Sachsen abgeworben.

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Beide Transfers sind nachvollziehbar: Upamecano gilt als einer der talentiertesten Innenverteidiger des Kontinents und soll sukzessive in die Rolle des neuen Abwehrchefs hineinwachsen. Zusammen mit Lucas Hernández, Niklas Süle und Tanguy Nianzou sind die Bayern im Abwehrzentrum trotz der Abgänge von Jérôme Boateng und David Alaba noch immer gut aufgestellt.

Sabitzer hingegen erhöht den Konkurrenzkampf im Mittelfeld und könnte zusätzlich noch auf dem Flügel aushelfen. Aufgrund seiner Variabilität war seine Verpflichtung enorm wichtig für die Breite im Kader. Da er das Nagelsmann-System bereits bestens kennt, dürfte er für die Bayern ohne große Eingewöhnungszeit schon bald zu einer Verstärkung werden.

Mit einer kolportierten Ablöse von 15 Millionen Euro ist Sabitzer, dessen Vertrag bei Leipzig im nächsten Sommer ausgelaufen wäre, dazu verhältnismäßig günstig. Das Portal "transfermarkt.de" taxiert den Marktwert des 27-Jährigen auf ganze 42 Millionen. "Dayot Upamecano war schon ein guter Transfer, aber der Transfer von Sabitzer war genial von Hasan Salihamidzic. Er hat nur 16 Millionen Euro gekostet. Das ist ein super Preis", meint auch der renommierte italienische Transferexperte Fabrizio Romano gegenüber "Sport1".

Ebenfalls verpflichtet wurden Sven Ulreich (vereinslos; zuvor Hamburger SV) und Omar Richards (FC Reading), beide kamen ablösefrei nach München. Allzu oft wird man sie aber wohl nicht auf dem Platz sehen: Ulreich ist die klare Nummer zwei hinter Manuel Neuer und meldet - anders als Vorgänger Alexander Nübel - keine Ansprüche auf Spielzeit an. Dank seiner Verpflichtung sind die leidigen Diskussionen um Einsatzgarantien, die sich Nübel vor dessen Wechsel hat zusichern lassen, passé.

Auch Omar Richards wird wohl eher selten zu Spielpraxis kommen. Der junge Engländer wurde als Backup für Linksverteidiger Alphonso Davies geholt, offenbarte in der Vorbereitung allerdings einige Defensivschwächen. Sein bislang einziger Pflichtspiel-Einsatz war beim 12:0-Sieg beim Bremer SV. Dass er Bayern-Niveau mitbringt, konnte er daher noch nicht beweisen.

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Abgänge des FC Bayern: Wo bleiben die Einnahmen?

Blickt man nur auf die Namen, lesen sich die Abgänge der Bayern prominenter als die der Zugänge: In Jérôme Boateng, David Alaba und Javi Martínez verließen drei langjährige Leistungsträger und zweifache Triple-Sieger den Rekordmeister – und das auch noch ablösefrei! Mit ihnen verloren die Münchner also nicht nur jede Menge Erfahrung, sondern bekamen dafür auch noch keinen einzigen Cent.

Auch sonst konnten die Münchner um Sportvorstand Hasan Salihamidzic trotz aller Versuche in diesem Jahr keinerlei Transfererlöse generieren. Spieler wie Bouna Sarr, Michael Cuisance oder Corentin Tolisso galten den ganzen Sommer über als Verkaufskandidaten, doch für keinen davon konnte ein Klub gefunden werden.

In Douglas Costa, dessen Leihe von Juventus Turin in beiderseitigem Einvernehmen schon vor dem 30. Juni beendet wurde, ging noch ein weiterer Spieler aus der ersten Mannschaft. Der Abgang ist allerdings mehr als zu verschmerzen: Der Brasilianer spielte in der vergangenen Saison überhaupt keine Rolle, seine Kaderposition in der Offensive hat Supertalent Jamal Musiala eingenommen.

Wie schon im Vorjahr setzen die Bayern auch in dieser Saison wieder auf Leihgeschäfte, um ihren Talenten Spielpraxis zu verschaffen. Insgesamt sind sechs Spieler für das kommende Jahr bei anderen Vereinen untergebracht. Prominentester Name ist sicher Alexander Nübel, der sich nach einer schwierigen Premierensaison bei den Bayern nun unter Niko Kovac bei der AS Monaco in der Ligue 1 beweisen darf. Ein komplett nachvollziehbarer Wechsel.

Fazit: Ein Fakt sollte Bayern zu denken geben

Trotz der hochkarätigen Abgänge im Defensivbereich scheinen die Bayern auch für die kommende Saison gut aufgestellt. Die ersten 14 bis 15 Kaderplätze sind mit Top-Spielern besetzt, die auch der europäischen Konkurrenz in nichts nachstehen. Um die fehlende Breite im Kader zu kompensieren, sind Talente wie Jamal Musiala, Tanguy Nianzou oder Josip Stanisic gefordert. Nachwuchsspieler wie sie auf das entsprechende Niveau zu bringen, wird eine der wichtigsten Aufgaben von Trainer Julian Nagelsmann werden.

Was den Verantwortlichen dennoch zu denken geben sollte, ist das erwirtschaftete Transferminus. Obwohl der Kader im Vergleich zu den Vorjahren nicht stärker dasteht, bleibt unter dem Strich ein Verlust von über 70 Millionen Euro. Mitten in der Corona-Pandemie kann sich das nur der deutsche Rekordmeister leisten – zumindest in der Bundesliga.

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