AZ-Serie: Was Franz Josef Strauß zur Situation der CSU sagen würde

Viele fragen sich, wie der Architekt des modernen Bayerns heute mit der AfD umgehen würde. Fest steht, dass Strauß großen Einfluss hatte: positiven wie negativen.  
| Paul Winterer
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Zum 30. Todestag von Franz Josef Strauß startet die AZ eine Serie über den bayerischen Ministerpräsident.
imago Zum 30. Todestag von Franz Josef Strauß startet die AZ eine Serie über den bayerischen Ministerpräsident.

Viele fragen sich, wie der Architekt des modernen Bayerns heute mit der AfD umgehen würde. Fest steht, dass Strauß großen Einfluss hatte: positiven wie negativen.

Es ist Wahlkampf in Bayern, die CSU muss mit einem historisch schlechten Ergebnis rechnen – und plötzlich tritt der längst verstorbene CSU-"Übervater" Franz Josef Strauß wieder in Erscheinung. "Franz Josef Strauß würde AfD wählen", ließ der AfD-nahe "Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten" plakatieren. "Franz Josef Strauß würde diese AfD bekämpfen", konterte Ministerpräsident Markus Söder beim CSU-Parteitag Mitte September.

Der christsoziale Patriarch von damals muss im Kampf um Wählerstimmen im rechtskonservativen Lager herhalten. Am kommenden Mittwoch jährt sich der Todestag von "FJS", wie der langjährige Parteichef und Ministerpräsident auch genannt wurde, zum 30. Mal.

Strauß: "Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben"

"Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben", sagte Strauß 1986. Der Satz zielte damals auf die Republikaner ab, die später vom Verfassungsschutz beobachtet wurden. 32 Jahre danach ist die AfD Oppositionsführerin im Bundestag und nach dem erwarteten Einzug in den Bayerischen Landtag künftig in 15 Länderparlamenten vertreten.

Die Politikprofessorin Ursula Münch ist skeptisch, ob Strauß die AfD hätte kleinhalten können: "Ich wage zu bezweifeln, dass FJS das gelungen wäre." Aber die Chefin der Akademie für Politische Bildung Tutzing glaubt, dass Strauß "mehr Kampfesmut fordern und selbst für eine noch größere rhetorische Zuspitzung in der Auseinandersetzung mit der AfD eintreten würde".

Waigel und Stoiber würdigen Strauß am 3. Oktober

Außerhalb der CSU und auch an der Parteibasis spielt das Strauß-Erbe heute keine große Rolle mehr. Nur die einstigen CSU-Vorsitzenden Theo Waigel und Edmund Stoiber haben noch mit ihm zusammengearbeitet. Beiden ist es vorbehalten, Strauß bei einer Feierstunde der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung am 3. Oktober in Mittenwald zu würdigen. Strauß-Tochter Monika Hohlmeier wird ebenfalls sprechen.

Die Partei ehrt ihren Vordenker am selben Tag mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche von Rott am Inn und einer Kranzniederlegung an der Familiengrabstätte. Dabei wollen Parteichef Horst Seehofer und Söder Strauß als Schöpfer des modernen Bayern und Visionär für die Zusammenarbeit in Europa würdigen. An die Skandale, die den Lebensweg des am 6. September 1915 in München geborenen Metzgersohns durchweben, werden sie kaum erinnern.

Im Zuge der Spiegel-Affäre musste Strauß zurücktreten

So musste Strauß 1962 im Zuge der Spiegel-Affäre als Verteidigungsminister zurücktreten. Nach der Titelstory "Bedingt abwehrbereit" des Nachrichtenmagazins über geheime Pläne der Bundeswehr hatte er die Festnahme des Autors Conrad Ahlers betrieben, belog den Bundestag in Bezug auf seine Beteiligung an der Aktion aber. Doch nur vier Jahre später kehrte Strauß auf die politische Bühne in Bonn zurück.

In der Großen Koalition von Kanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) wurde er 1966 Finanzminister. Während der 1969 gebildeten sozialliberalen Koalition von Kanzler Willy Brandt (SPD) und Außenminister Walter Scheel (FDP) bekämpfte er aus der Opposition heraus deren Ostpolitik. Im Bundestagswahlkampf 1976 attackierte der studierte Altphilologe die SPD mit Sätzen wie: "Was wir hier in diesem Land brauchen, sind mutige Bürger, die die roten Ratten dorthin jagen, wo sie hingehören – in ihre Löcher".

1976 kündigte Strauß die Fraktionsgemeinschaft von CSU und CDU im Bundestag auf

Als Parteichef Helmut Kohl mit der Gründung eines CDU-Landesverbandes in Bayern drohte, knickte Strauß ein. 1978 wurde er Ministerpräsident im Freistaat. Der begeisterte Hobbypilot holte zuhauf Firmen der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie der Rüstungsbranche nach Bayern.

1983 handelte Strauß mit dem DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski einen Milliardenkredit für die vor der Staatspleite stehende DDR aus. Innerparteilich geriet er dadurch massiv unter Druck.
In den letzten Lebensjahren brachte er die Anti-Atom-Bewegung gegen sich auf: Im oberpfälzischen Wackersdorf wollte er eine atomare Wiederaufarbeitungsanlage errichten. Vor dem Bauzaun kam es zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizei. Strauß ließ Hubschrauber im Tiefflug über den Köpfen der Protestierenden kreisen...


Lesen Sie morgen: AZ-Reporter-Legende Karl Stankiewitz über den Tod von Franz Josef Strauß

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